Was kann Google Scholar (nicht)?

Recherchieren wie die Profis XII: Vergleich der wissenschaftlichen Recherchemöglichkeiten in Google Scholar mit dem Fachportal EconBiz für die Wirtschaftswissenschaften 

von Nicole Krüger, ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft 

Januar 2011 

Mit den neueren Angeboten Google Scholar und Google Books bedient Google nun auch den wissenschaftlichen Informationsbedarf. Warum also andere Recherchequellen nutzen?

Am Beispiel des Fachportals EconBiz für die Wirtschaftswissenschaften möchte ich zeigen, dass Fachportale und Fachdatenbanken eine echte Alternative zu Google bieten. 

1. Inhalte

EconBiz ist fachspezifisch und bündelt zahlreiche renommierte wirtschaftswissenschaftliche Fachdatenbanken  unter einer Oberfläche. Publikationen in diesen Datenbanken werden von Fachkräften individuell auf ihre Wissenschaftlichkeit hin geprüft und ausgewählt.

Hierzu zählen u.a. RePEc, das größte Verzeichnis von Open-Access-Literatur der VWL und die Datenbank ECONIS, die BWL- und VWL-Literatur abdeckt und die neben Zeitschriften-Aufsätzen auch Buchaufsätze enthält. Insgesamt umfasst EconBiz über 8 Millionen hochwertige Nachweise und Volltexte der Wirtschaftswissenschaften (Stand 10.01.2011)

Google Scholar dagegen ist fachübergreifend. Der Inhalt wird automatisch von Servern kooperierender Verlage, Fachgesellschaften, Datenbankanbieter, sowie aus dem Projekt Google Books und von Universitäts-Seiten und Open-Access-Servern zusammengestellt (vgl. About Google Scholar [1]).

Untersuchungen ergaben aber, dass Google Scholar die Plattformen, mit denen es kooperiert, nicht vollständig auswertet (vgl. Jascó, Péter (2008): 106 [2]). Da Google über die Größe von Google Scholar und seine Inhalte Stillschweigen bewahrt, ist nicht bekannt, was in Google Scholar eigentlich drin ist - und was fehlt. 

Google Scholar wertet Literaturverzeichnisse gespeicherter Volltexte aus und weist die dort enthaltenen Titel als Zitationen nach (vgl. König, Rene (2010): 26  [3]).  

Metadaten (Autorin / Autor, Titel etc.) werden aus den gespeicherten Volltexten automatisch extrahiert (vgl. ebd.: 32 / 35 [3]). Daraus ergeben sich z.T. Fehler. Diese treten bei der manuellen Erfassung von Titeldaten, wie sie in EconBiz vorgenommen wird, nicht auf.

Auch die Qualitätskontrolle geschieht automatisch. Alles, was auf einer als wissenschaftlich eingestuften Plattform liegt, wird als wissenschaftlich betrachtet und eingesammelt. Dadurch ergibt sich die Kritik, dass Inhalte teilweise wissenschaftlichen Ansprüchen nicht genügen (vgl. Gardner, Susan et. al. (2005): 43 [4]).

2. Suchmöglichkeiten

Google Scholar bietet nur wenige Möglichkeiten, eine Suche zu steuern.

In einer erweiterten Suche kann zwar auf Autorinnen / Autoren, Zeitschriften oder Zeiträume eingeschränkt werden, dies ergibt jedoch teilweise unerklärliche Treffermengen. So lieferte die Suche nach dem Zeitraum: 1900 - 2010: 259,000 Treffer (Stand 05.01.2011), die Suche nach dem Zeitraum 2010 - 2010 hingegen 1,800,000 Treffer (Stand 05.01.2011).

Des Weiteren ist die / der Suchende auf die Relevanzsortierung von Google angewiesen, bei der die Anzahl von Zitationen eine große Rolle spielt (vgl. König, René (2010): 29 [3]). Dadurch werden häufig ältere Titel in der Trefferliste weiter oben angezeigt als aktuelle. 

In EconBiz gibt es vielfältige Möglichkeiten, die einfache Suche nachträglich zu verfeinern oder sofort über eine erweiterte Suchmaske zu suchen, die viele Optionen bietet.

Trefferlisten können nach folgenden Kriterien gefiltert werden:

-      Erscheinungsjahre,

-      Themen,

-      Online-Verfügbarkeit,

-      Art und Inhalt (Lehrbuch, Statistik etc.),

-      Autorin / Autor,

-      uvm. 

Dabei werden die Filtermöglichkeiten nach Häufigkeit des Vorkommens in der Trefferliste angeordnet, so dass z.B. zu sehen ist, welche Personen am meisten zu einem Suchbegriff verfasst haben.

Sortiert wird in EconBiz nach Erscheinungsjahr. Eine Umsortierung nach Relevanz oder Titel ist möglich. 

Durch die Verwendung eines normierten Wortschatzes zur inhaltlichen Beschreibung von Publikationen können in EconBiz Synonyme und Übersetzungen zu dem Suchbegriff hinzugeschaltet werden (basierend auf dem Standard Thesaurus Wirtschaft). Dies geschieht momentan über Anhaken der Checkbox "nach verwandten Begriffen suchen" unter dem Suchschlitz.

Ausblick: In Kürze werden Synonyme und deutsche / englische Übersetzungen automatisch bei Eingabe eines Suchbegriffs mit berücksichtigt.

3. Zugang zum Volltext

EconBiz strebt an, den direkten Zugang zum Volltext anzubieten. So wird bei kostenlosen Volltexten ein Download-Link angeboten, bei kostenpflichtigen Aufsätzen aus Zeitschriften wird angezeigt, ob dieser an Ihrem Standort verfügbar ist (Ampel-System). Recherchieren Sie in einer Bibliothek, erkennt dies das System und lässt Sie auf lizenzierte Online-Volltexte zugreifen. Auch Google Scholar bietet den direkten Zugriff auf lizenzierte Online-Volltexte. Was EconBiz aber darüber hinaus enthält, ist die Information über den Zugang zu gedruckten Versionen von Zeitschriftenaufsätzen in Ihrer Bibliothek.

EconBiz ist auf den Zugang zu Publikationen in deutschen Bibliotheken und auf freie Online-Volltexte fokussiert, Google Scholar agiert hingegen weltweit. Der Link "Bibliothekssuche" in Google Scholar führt darum auf den weltweiten WorldCat , in dem nur wenige deutsche Bibliotheken vertreten sind. Der Button "Bibliothek wählen" in EconBiz hingegen ermöglicht eine Auswahl fast aller deutscher Bibliotheken und eine Bestandsabfrage in diesen.

 

 

Die Einbindung des Dokumentlieferdienstes subito in EconBiz ermöglicht auch die direkte Bestellung von Aufsätzen, die bei Ihnen vor Ort nicht verfügbar sind.

4. Fazit

Eine Recherche in Google und Google Scholar wird niemand komplett auslassen wollen, denn die Menge der Nachweise, das Ranking und der schnelle Volltextzugriff sind entscheidende Pluspunkte. Trotzdem sollte man sich nicht allein auf Google verlassen, da auch hier - wie andere Vergleiche mit Fachdatenbanken zeigen - wichtige Publikationen fehlen (vgl. z.B. Mayr, Philipp (2009) [5], Schultz (2007) [6]). Auch bestimmt das Ranking die Wahrnehmung von Treffern. Da es nicht möglich ist, feinere Suchoptionen zu nutzen oder umzusortieren, ist man sehr abhängig davon, was Google mit technischer Berechnung als wissenschaftlich relevant einstuft. 

Es sollte bedacht werden, dass: "easy (more) is not always better." (s. Cecchino, Nicola J. (2010): 321 [7])

Darum nehmen Sie diesen Text doch einmal als Anregung, die Recherche in Google Scholar mit EconBiz oder mit wichtigen Fachdatenbanken / Fachportalen Ihres Fachs zu vergleichen. 

Haben Sie Fragen zu EconBiz? Wenden Sie sich an den Online-Recherche- und Auskunftsdienst EconDesk . EconDesk recherchiert für Sie darüber hinaus Kurzinformationen zu Wirtschaftsthemen und bieten eine auf Ihr Thema bezogene Beratung und Unterstützung bei der Literaturrecherche.

 

Literatur

[1] About Google Scholar [Web document] <http://scholar.google.com/intl/en/scholar/about.html> [Abruf am 10.01.2011]. 

[2] Jascó, Péter (2008): Google Scholar revisited. - In: Online Information Review 32(2008)1, S. 102 - 114. 

[3] König, Rene (2010): Google, Google Scholar und Google Books in der Wissenschaft : Steckbrief 3 im Rahmen des Projekts Interactive Science. - Wien : Österreichische Akademie der Wissenschaften: Institut für Technikfolgenabschätzung

Online unter: <http://epub.oeaw.ac.at/0xc1aa500d_0x002373d3.pdf> [Abruf am 10.01.2011]. 

[4] Gardner, Susan, Susanna Eng (2005): Gaga over Google? : Scholar in the Social Sciences. - In: Library Hi Tech News, 22(5005)8, S. 42 - 45. 

[5] Mayr, Philipp (2009): Google als akademische Suchmaschine. - In: VÖB-Mitteilungen. 62(2009)2, S. 18 - 28.

Online unter <http://www.ib.hu-berlin.de/~mayr/arbeiten/mayr-voeb209.pdf> [Abruf am 12.01.2011] 

[6] Schultz, Mary (2007): Comparing test searches in PubMed and Google Scholar. - In: Journal of the Medical Library Association 95(2007)4, S. 442–445. 

[7] Cecchino, Nicola J. (2010): Google Scholar : Reviewed. - In: Journal of the Medical Library Association 98(2010)4, S. 320 - 321.

Nicole Krüger: Studium des Bibliothekwesens und Informationsmanagements, 2002 Arbeit als Web Developer in Sofia, Bulgarien, seit 2004 in der Deutschen Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften (ZBW) mit den Aufgaben Vermittlung von Informationskompetenz, Auskunft und Recherche, Konzeptionelle Mitarbeit am Fachportal EconBiz.

http://www.zbw.eu/  

 

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