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„Ich hab schon a bissl Angst, aber ich glaub des geht sich schon aus“

Wer wollte nicht schon mal eine tolle Figur auf einem Surfbrett machen? Sich mit braungebranntem Bauch von der nächsten Welle mitreissen lassen, und das alles mit wehenden Haaren und Sonnenuntergang im Hintergrund? Und das natürlich mühelos?

Mit dem Bild vom Klischee-Surfer räumt Björn Richie Lob („Kammerflimmern“, „Verschwende deine Jugend“) erstmal tüchtig auf. Statt einem geschleckten Surferboy in einer blaugrünen Lagune begleitet Lob mit der Kamera sechs gänzlich verschiedene Lebenskünstler rund um den Münchner Eisbach.

Einendes Element: River-Surfing

Das Ergebnis ist mehr als sehenswert. Lob hat mit viel Gespür für seine Surfer ein sensibles Porträt von sechs Menschen geschaffen, deren Persönlichkeiten sich zum Teil so widersprechen, dass eine gemeinsame Leidenschaft unmöglich scheint. Und doch gibt es sie: das „Riversurfing“. Es bringt sie alle immer wieder zusammen, den jungen Informatiker, den verschrobenen Didgeridoo-Bastler und den Familienvater. Ihre Wege kreuzen sich am Eisbach, meistens an der winzigen Brücke beim Englischen Garten, wo der Eisbach vielleicht so breit ist wie zwei Surfbretter lang.

Lob verlässt sich auf eine gelungene Mischung aus den Statements der Surfer und wahnwitzigen Aufnahmen ihrer Fluss-Eskapaden. Dass hier ein echter Menschenkenner dahintersteckt, merkt man an der Art, wie bereitwillig ihm die jungen Männer von ihrem Leben erzählen und wie gerne sie ihre Leidenschaft teilen.

Egal wie’s ausschaut

„Eigentlich isses beim Surfen egal, wie’s ausschaut. Hauptsache, es macht Spaß.“  Dass das die Kernaussage des Films ist, ist nach wenigen Minuten klar. Fröhliche Klänge und atemberaubende Bilder sorgen neben den ehrlichen Statements der Darsteller für eine  ausgesprochen lebensbejahende Atmosphäre. Der Regisseur findet es bedauerlich, dass „viele Leute wenn sie älter werden, denken sie müssen aufhören jung zu sein“.

Vor allem was Bayern betrifft, ist diese Aussage traurig aber wahr: Bestes Beispiel hierfür ist wohl die kürzlich erschienene Titelstory einer renommierten wöchentlichen Zeitungsbeilage. Dort waren zahlreiche Möchtegern-Guttenbergs nebst First Ladies abgebildet. Für alle, die ihr Frühstück gerne bei sich behalten, ist „Keep Surfing“ dann doch die bessere Alternative. Der Film erinnert einen, nicht immer alles ganz so ernst zu nehmen und einfach mal abzuwarten, was die nächste Welle bringt.

Vorfreude

Ganz ungefährlich ist Surfen allerdings nicht, immerhin ist es ein Sport. Und auch hier bleibt Lob bei der Wahrheit. Bereits in der ersten Szene, einem Flusslauf in Kanada, bleibt nicht nur einem der Protagonisten, sondern auch dem Zuschauer die Luft weg. Allerdings ist das Risiko schnell vergessen, wenn die kleine Surfer-Gruppe beim Jahrhunderthochwasser (mal wieder) an der Brudermühlbrücke steht und sich alle ausnahmslos freuen wie kleine Guttenbergs über einen Karoschal. Hier wird sich nicht gefürchtet, „des geht sich schon aus.“ Da heisst es Treibholz rausgefischt und dann Augen zu und durch. Schön, dass es solche Momente gibt. Da kann man auch über ein paar Längen des Films hinwegsehen und sich auf den Sommer freuen.

Bewertung 7/10

Theresa Hein

 

KEEP SURFING

Regie: Björn Richie Lob

Kinostart: 20.05.2010

 

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