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Stieg Larsson - Verblendung
Lisbeth Salander trug ein schwarzes T-Shirt, auf dem ein Bild von E.T. mit Fangzähnen und der Schriftzug „I am also an alien“ zu sehen war. Außerdem trug sie einen schwarzen Rock mit ausgefranstem Saum, ein kurze, schwarze, abgewetzte Lederjacke, einen Nietengürtel, klobige Doc-Marten’s-Stiefel und Kniestrümpfe mit rot-grünen Querstreifen. Sie hatte Make-up aufgelegt, dessen Farbskala die Vermutung nahe legte, sie sei farbenblind. Mit anderen Worten, sie hatte sich ungewöhnlich hübsch zurechtgemacht. [Seite 60]
Wen die Götter lieben den holen sie jung
Hätte Herr Larsson doch ein wenig mit seinem Genie gegeizt. Wie soll man sich mit nur drei Büchern zufrieden geben? Mit Raffinesse hat der angesehen Rechtsextremismusforscher hier sein Spezialgebiet mit einem packenden Thriller kombiniert. Bis dato war wahrscheinlich niemandem bewusst, dass schwedische Kriminalliteratur so rasant sein kann.
Das Buch überzeugt sowohl durch seinen Informationsgehalt als auch durch die fiktive Geschichte. Und insbesondere durch die fantastischen Charaktere: Zuerst einmal hätten wir da Lisbeth Salander. Computergenie und sozial inkompetent. Außergewöhnlich zierlich und überaus offen für Konfrontationen. Auf Kollisionskurs mit der Gesellschaft.
Und zum anderen Mikael Blomkvist, ein Meisterjournalist der seinem Namensvetter, dem berühmten Detektiv, in nichts nachsteht. Allein diese Figuren machen das Buch den Bestsellertitel wert und jede einzelne der knapp 700 Seiten zu einem Genuss.
Die Story
Die Handlung sollte jedoch nicht in den Hintergrund geraten: Ein Industrieller beauftragt Blomkvist mit der Aufdeckung um das Rätsel seiner seit Jahrzehnten verschwundenen Nichte. Blomkvist, der erst kurz zuvor durch Negativpresse auf sich aufmerksam machte und vor lauter Problemen kaum den Kopf über Wasser halten kann, erklärt sich nach einigem Zögern dazu bereit. Anfangs betreibt er seine Recherchen ohne große Hoffnung, doch mit der Zeit stößt er auf Dinge, die die Ermittlungen von damals in ganz neuem Licht erscheinen lassen.
Bis er die Tat aufklärt und die brodelnde Vergangenheit die Oberfläche durchbricht. Unterstützt und zugleich observiert wird er von Libeth Salander, die nicht zuletzt die Situation kippt.
Wunderwerk
Packend ist nur eines der vielen Attribute, die diesem Buch zuzuordnen sind. Der flüssige Schreibstil, sowohl sachlich als auch personenreflexiv, lässt die Seiten nur so dahin fliegen und den Leser jegliches Gefühl für Zeit und Raum verlieren.
Überraschende Wendungen und ausführliche Hintergrundbeschreibungen der handelnden Personen wechseln sich auf das Angenehmste ab und bieten sowohl Spannung als auch die Möglichkeit, Verständnis zu entwickeln.
Eine einschränkungslose Empfehlung für dieses Wunderwerk schwedischer Schreibkunst!
Anne Warsönke
Cabrera Infante: Drei traurige Tiger
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