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KARRIERE / Berufseinstieg / Karriereperspektiven / Den richtigen Arbeitgeber finden | |
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Bin auf alles gefasst…
Welcher ist der richtige Arbeitgeber für mich? Eine Frage, so profan und schwierig zugleich. Einerseits sollte jeder selbst wissen, welche Kriterien ihm wichtig sind und welche Prioritäten er sich bei der Auswahl setzt. Auf der anderen Seite werden sich die Unternehmen in den kommenden Jahren sehr stark verändern. Aus der Vergangenheit lassen sich kaum noch Rückschlüsse herleiten auf Arbeitskulturen und Unternehmensphilosophien.
Geschichten zu Fragen rund um den Berufseinstieg sind immer eine delikate Sache. Allem, was mit Karrierestart zu tun hat, haftet ein spezieller Duft an: Eine Mischung aus den muffigen Bewerbungsanekdoten der Freunde und den gut abgehangenen Empfehlungen der Recruitingexperten, gepaart mit ein paar Ingredienzien Angstschweiß, den Traumjob doch irgendwie nicht zu finden. Oder, schlimmer noch: Die Chose im Vorstellungsgespräch zu verpatzen.
Kriterien
Empfehlungen auszusprechen ist per se schwierig, sind die persönlichen Prioritäten bei der Arbeitgeberfindung ähnlich individuell wie alle Bindungsprozesse im Leben: Manch einer sucht materiellen Wohlstand, andere Freiraum, Spannung und Aufregung jeden Tag - und viele irgendeine Form von Geborgenheit. Die Arbeitgeberwahl als Partner- und Beziehungsäquivalent? Wer jetzt die Augen schließt und an seine Praktika zurückdenkt, dabei an die Herren mit den eigelbbefleckten Krawatten aus der Schadensabteilung oder die Damen mit den behaarten Zähnen aus dem Vorstandssekretariat denkt, schüttelt sich angewidert das Grauen aus dem Ärmel: Mit diesen Freaks kann ich nicht “zusammen sein”! So verständlich die Reaktion sein mag, so clever ist es trotzdem, sich bei der Wahl des ersten Arbeitgebers auch ein paar Fragen zu stellen, die über Gehalt, Prestige und Inhalt hinausgehen. Schließlich verbringt man, will man einigermaßen Karriere machen, mit den zukünftigen Kollegen doch wesentlich mehr Zeit als mit dem eigenen Partner.
Wer das Paarungsverhalten von Berufseinsteigern und Unternehmen als solches versteht, sollte sich zunächst einmal damit beschäftigen, wie sich die Erwartungen und Standards im “Heiratsmarkt” entwickeln werden. Denn dieser hat einige Überraschungen parat, die es im richtigen Leben gar nicht geben könnte. So, als ob die dicke Erna mit den körperbedeckenden Achselhaaren plötzlich zur leckeren Cheerleaderin mutieren würde. Ist unmöglich. Oder, geschlechterpolitisch ganz korrekt, die Medizin studierende Damenwelt, gefühlte hundert Jahre auf wenigstens einen ansehnlichen Dozenten an deutschen Hochschulen hoffend, plötzlich von Patrick Dempsey unterrichtet werden würde. Was im echten Leben ein schöner Traum bleibt, wird im heiteren Berufe starten Realität: Im Paarmatching müssen sich nicht mehr die Bewerber bewegen, Stichwort “jünger, internationaler, praxiserfahrener”- jetzt sind die Arbeitgeber an der Reihe! Denen blüht eine Neuauflage des oft zitierten Schreckgespenstes “war for talent”. Doch diesmal, in den nächsten Jahren, haben sie es mit Bewerbern zu tun, deren Bedürfnisstrukturen sich wandeln.
Testosteron-Recruiting ist out
Vor einigen Jahren war alles viel leichter. Unternehmensberatungen und Investmentbanken waren die Kings, Testosteronrecruiting musste nur zwischen Schlagworten wie “den Besten”, “den Härtesten” und “Kohle” oszillieren, um die High Potentials in Wallung zu bringen. Heute dagegen sucht man nicht nur händeringend Frauen, die schon immer zu schlau waren, sich zu leicht einfangen zu lassen. Schon an dem Punkt läuft das Geschwafel von den harten Jungs ins Leere. Zusätzlich haben heute die Berufseinsteiger auch vollkommen andere, wesentlich differenziertere Vorstellungen von einem guten Arbeitgeber, der mit ihnen kommunizieren muss und sie weiterentwickeln sollte in ihren Befähigungen. Die Abteilungen jedoch werden in der Regel vom Archetypen der traditionellen Führungskraft gelenkt, soziale und kommunikative Fähigkeiten gehören leider nicht zu seinen Stärken. Und genau die sind gefordert, um den Nachwuchs von heute in der täglichen Arbeit überzeugen zu können.
Professor Holger Rust leitet an der Uni Hannover das Institut für Wirtschaftsoziologie und hört bei den Befindlichkeiten der Young Professionals ganz genau hin. Seit neun Jahren misst sein Team die Veränderungen der Erwartungen von Angestellten an ihre Arbeitgeber und kommt dabei zu dem Schluss, dass die Personalarbeit dringend reformiert werden muss. Nach seinen Studienergebnissen verzichten viele Hochqualifizierte auf eine Karriere im Unternehmen oder geben ihre Ideale auf. „Übrig bleibt eine Minderheit zahlenfixierter Pragmatiker”, lautet sein vernichtendes Fazit.
Die Unternehmen, die nach außen so sehr das Fehlen visionärer Charismatiker beklagen, richten diese oft selbst zugrunde. Rustmacht eine dramatische Kluft zwischen den amtierenden Führungskräften und den Managern von morgen bei ethischen Fragen aus. Die Werteorientierung eines Unternehmens als sinnstiftendes Element wird so immer wichtiger.
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