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Disneys misslungener Versuch, Charles Dickens mit einer 3D-Brille auszustatten
Die Handlung dürfte soweit bekannt sein: Der geizige und herzlose Geschäftsmann Ebenezer Scrooge wird an einem Weihnachtsabend des 19. Jahrhunderts von den drei „Geistern der Weihnacht“ heimgesucht: dem Geist der vergangenen Weihnacht, dem Geist der gegenwärtigen Weihnacht und dem Geist der zukünftigen Weihnacht. Die Geister nehmen Scrooge mit auf eine abenteuerliche Reise zu sich selbst und zeigen ihm, warum Weihnachten mehr ist als nur „Humbug“.
Am Ende ist das London des Jahres 1843 um einen Geizhals ärmer und um einen kinderlieben Scrooge reicher. Der Weihnachts-Schreck Scrooge ist laut Charles Dickens „besser als sein Wort“ und hält sein Versprechen, von nun an ein guter Mensch zu sein.
Es war einmal....
Soweit der herzerwärmende Plot des Klassikers. „Eine Weihnachtsgeschichte“ ist aber vor allem deshalb so beliebt, weil man sie wehmütig betrachten kann: Die Story ist nett, voller schöner Ideen, aber das war halt auch 1843, was soll man sagen? Da war die Welt noch in Ordnung und herzlose Menschen waren gar nicht so herzlos, wie sie taten. Für Kinder ist die Weihnachtsgeschichte vor allem in der heutigen Zeit noch etwas besonderes, weil Charles Dickens den Ablauf der magischen Geschichte zum Großteil der Fantasie der Kinder überlässt. Dem machen der Regisseur Robert Zemeckis und unser aller bester Freund Jim „Grinsebacke“ Carrey aber einen Strich durch die Rechnung.
...der Fluch des Animationsfilms!
Nachdem Disney jetzt also endgültig von den geliebten Zeichentrickfilmen unserer Kindheit abgewichen ist, weil es mit dem Erfinder der 3D-Brille einen diabolischen Pakt geschlossen hat, ist auch „Eine Weihnachtsgeschichte“ komplett dreidimensional anzuschauen. Eine Kindergeschichte von vor 200 Jahren als computeranimiertes Abenteuer? Wie soll denn das gehen? Die Antwort lautet: Gar nicht. Das Ergebnis ist etwa so verstörend, als würde man zu Weihnachten nur fettreduzierte Lebkuchen essen. Um das zu ertragen braucht man Wodka statt Glühwein.
Der Irre Ebenezer
Das Hauptproblem ist, dass die ganze klassische Geschichte in dem Gerüst eines modernen Animationsfilms vollkommen deplaziert wirkt und man sich nicht auf den eigentlichen - den moralischen - Aspekt der Weihnachtsgeschichte einlassen kann. Der geläuterte Scrooge am Schluss der Geschichte zum Beispiel ist einfach lächerlich - ein Irrer, der jeden Moment neben seiner Geldbörse auch ein Fleischermesser ziehen könnte und eigentlich, statt in einen schwarzen Frack, in eine Zwangsjacke gehört. Jim Carrey in Bestform.
Die Rocky Horror Christmas Show
Obwohl, (oder gerade weil?) sich die Filmproduzenten überraschend genau an die Romanvorlage gehalten haben, ist der Film voller Unstimmigkeiten. Die Spießer-Kinder von Scrooges Gehilfen Bob Cratchit („Gräm dich nicht so, Vater“), wecken sogar beim sanftesten Zuschauer Aggressionen und man möchte ihnen am liebsten „Das Christkind gibt’s nicht“ oder etwas ähnliches zurufen. Ausserdem haben sämtliche Mädchen und Frauen im Film Synchronstimmen von einer Frequenz, die der von Heidi Klum Konkurrenz machen. Immerhin erfüllt sich hier der Grusel-Effekt: Gesträubte Nackenhaare sind garantiert.
Genauso bei der musikalischen Untermalung des Films: Das eigentlich schöne englische Weihnachtslied „God rest ye, merry Gentlemen“ wiederholt sich als Motiv in der Hintergrundmusik und klingt mit der Zeit genauso bedrohlich wie „Last Christmas“ von Wham!. Das muss man erstmal schaffen.
Der Gedanke zählt...
Für Liebhaber von Animationsfilmen ist der Film dann wahrscheinlich doch nicht so übel. Scrooges Tränensäcke sind erstaunlich liebevoll animiert, genauso wie diverse Pickel von englischen Jugendlichen aus dem 19. Jahrhundert. Nein, ohne Witz jetzt: Einzelne Bilder des Films, die weihnachtliche Londoner Innenstadt oder die riesigen Schneeflocken sind tatsächlich schön anzuschauen. Man kann nicht sagen, die Disney-Crew, allen voran Robert Zemeckis, hätte es nicht versucht. Sie hättens aber auch bleiben lassen können.
Disney’s „Eine Weihnachtsgeschichte“ ab 05. November 2009 im Kino
Regie: Robert Zemeckis
Mit: Jim Carrey, Gary Oldman
Bewertung: 3/10
Gewinnspiel: 2012
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