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Buch

Zwischen gesellschaftlichem Aufstieg und moralischem Verfall

George Duroy ist kein Casanova - er behält seine Frauen länger als eine Nacht, schließlich will er von der mehr oder langwierigen Eroberung auch etwas haben. Und die körperliche "Belohnung" allein reicht ihm nicht. Er will Profit sehen, sei es an Prestige oder Geld oder am Besten beides. Guy de Maupassants bissig ironische Satire "Bel Ami" über die Pariser Oberschicht im ausgehenden 19. Jahrhundert hat bis heute kaum etwas von ihrem Reiz verloren. Kein Wunder, dass dtv das 1885 erschienene Buch nun neu auflegt und auch eine neue Verfilmung, mit Teenie-Schwarm Robert Pattinson in der Hauptrolle, ins Haus steht.

Die Staßen von Paris sind Duroys Spielplatz © aboutpixel.de / jonathan spielbrink

Die Welt der Schönen und Reichen?

Aus kleinen Verhältnissen kommend wollte George Duroy es schon früh nach ganz oben schaffen. Der Versuch einer Karriere in der Armee führt nicht allzu weit, als er aber zurück aus Tunesien in Paris auf seinen ehemaligen Kollegen Forestier trifft, tut sich eine Chance auf. Bei der Zeitung, bei der er untergekommen ist und gerade im Begriff ist Karriere zu machen, findet sich auch für George ein Platz als Reporter. Dabei hat er noch nie etwas geschrieben. Aber dafür ist ihm aufgefallen wie er auf Frauen wirkt ...

Obwohl er nun ein geregeltes und eigentlich höheres Einkommen hat kommt er mit seinen Einkünften weiter nicht zu Rande und überhaupt würde er dringend `mal wieder eine Frau brauchen. Da tut sich auch hier eine Chance auf: über Forestiers Frau Madeleine lernt er deren Freundin Clothilde kennen, deren Mann drei Wochen im Monat nicht zu Hause ist. Und Forestiers Gesundheit lässt nach ... sollte man sich an die künftige Witwe? Oder doch lieber an die Gattin des Verlegers? Georges gesellschaftlicher Aufstieg ist bald unaufhaltsam, entwickelt fast schon Eigendynamik. Dass er dabei über Leichen geht? Geschenkt! Das machen doch alle anderen auch.

Schonungsloses Sittengemälde

Maupassant - selbst bestens Vertraut mit den Abgründen der Pariser um 1880 - schildert die Geschehnisse wunderbar ironisch, leicht distanziert und pointiert. Die Figuren, die diesen Roman bevölkern sind eine wahres Spektrum an Grautönen - schwarz-weiß ist quasi nicht vorhanden. Ein jeder hat seine Schattenseiten - meist nicht zu knapp. Auch heute noch eine gute Unterhaltung, auch wenn die Figuren (hoffentlich) wenig Identifikationspotenzial bieten. Flott zu lesen und doch mit Potenzial zum grübeln.

Gisela Stummer (academicworld.net)

 

416 Seiten

Dtv (1. Juli 2011)

9,90 Euro

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