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Zeitgenössische Literatur

Zwanghafte Freiheitsliebe

Juliette Gréco ist eine der ganz großen Stars Frankreichs, ihr Leben voller Glamour. Dass es nicht immer so war, welche Rolle sie im Zweiten Weltkrieg gespielt hat und wie oft sie sich aus gesellschaftlichen Zwängen befreien musste, erzählt sie voller Bescheidenheit in „So bin ich eben.“

Juliette Gréco - Grand Dame des Chanson.
Juliette Gréco - Grand Dame des Chanson.

Die Gréco. Jeder kennt sie, viele verehren sie, viele können sie auf den Tod nicht ausstehen. Was Letzteres wahrhaftig bedeutet, erfährt sie während ihrer Gefangenschaft bei der Gestapo. Eigentlich aufgewachsen bei ihren Großeltern, übernimmt nach deren Ableben ihre Mutter wieder die Erziehung. Als der Krieg ausbricht, schließt diese sich der Résistance an – und bringt damit nicht nur sich in Gefahr.

Die Kunst im Leben

Nach dem Krieg geht Juliette nach Paris und wird so ein bisschen gegen den Willen zur Muse der Existenzialisten. Dort trifft sie auf viele große Persönlichkeiten – vor allem die Männer, die sie lieben und hassen lernt. Die ihr die Welt der Schauspielerei eröffnen und die für sie Texte verfassen, die Juliette singen wird. Doch ihr Drang nach Freiheit lässt sie nicht lange an einem geistigen Ort verweilen und so wird sie „Die Gréco“.

Die Kritik

Auch, wer die Musik von Juliette Gréco kennt, weiß kaum etwas von ihr. In dieser Autobiografie erzählt sie in einfachen Sätzen von ihrem Leben, von der frühen Kindheit bis zum Jahr der Veröffentlichung. Von der Mutter, die ihre Töchter nicht lieben konnte, von den strengen, aber liebevollen Großeltern, den Kriegserlebnissen, ihren Liebschaften und ihrer Tochter. Trotz all der teils traumatischen und auch wundervollen Geschehnisse ist der Text fast schon neutral. Nur, wenn sie über die Freiheit und ihre Ungezähmheit schreibt, spürt der Leser die Leidenschaft.

Sie ist eine faszinierende Frau, die zu einer der größten Chansonsängerinnen Frankreichs aufstieg – und das, obwohl sie die Menschheit an sich eigentlich nicht wirklich leiden konnte. Das, ihre Bodenständigkeit und ihre Authentizität machen sie so sympathisch und auch zu einem Vorbild.

Manchmal hat man beim Lesen das Gefühl, dass die Gréco in ihrer eigenen Biografie durch die vielen berühmten Namen im Text von sich ablenken möchte. Das passt zu ihrer Freiheitsliebe, aber nicht ganz in eine Autobiografie. Doch so ist sie eben, die Gréco.


Bettina Riedel (academicworld.net)


Juliette Gréco. So bin ich eben.
btb. 9,99 Euro.




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