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Technologie

Zu Unrecht zu großer Respekt

Frauen sind in Technikberufen noch immer die Ausnahme. Uns interessiert, wie die Karrierewege weiblicher Ingenieure ­verlaufen. Dazu lassen wir Frauke Fischer zu Wort kommen, die für DEKRA ­Fahrzeuge ganz genau unter die Lupe nimmt.

Frauke Fischer von DEKRA ­berichtet für academicworld

Als Prüfingenieurin arbeite ich im Raum Reutlingen für die Sachverständigenorganisation DEKRA. In der Männerwelt komme ich gut zurecht. Am Anfang weiß man nicht recht, was auf einen zukommt, wenn man als Fahrzeugprüferin eine Werkstatt betritt. Das war zu Beginn schon etwas aufregend. Doch das legt sich schnell. Ich habe sogar den Eindruck, dass es mir etwas leichter gemacht wird als meinen männlichen Kollegen. Auch die Männereigenschaft, Probleme gleich aus der Welt zu schaffen, finde ich gut. Ich bin auch nicht die einzige weibliche Ingenieurin am Standort, habe also jemanden, mit dem ich mich austauschen kann.

"Bereits im Gymnasium habe ich meine Begeisterung für Technik entdeckt"

In die Wiege gelegt bekam ich den technischen Beruf sicherlich nicht. Meine Eltern hatten als gelernte Bankkaufleute mit Technik wenig im Sinn. Während der Gymnasialzeit schraubten meine Freunde viel an Autos herum, so dass ich damals angefangen habe, mich für Fahrzeuge und deren Innenleben zu interessieren. In dieser Phase habe ich festgestellt, dass Frauen oft zu Unrecht einen zu großen Respekt vor Technik haben, weil man ihnen aus traditionellen Gründen diesbezüglich fälschlicherweise zu wenig zutraut.

Frauke Fischer, 28, hat Maschinenbau an der Berufsakademie Horb studiert. Als Prüfingenieurin bei DEKRA in Reutlingen hat sie in der von Männern dominierten Technikwelt ihren Platz gefunden - und Spaß dabei.

Nach dem Abitur gehörte ich dem ersten Jahrgang an, der an der gewerblichen Schule in Tübingen zum Kfz-Mechatroniker ausgebildet wurde. Der DEKRA Prüfer, der die Werkstatt betreute, fragte eines Tages, ob ich denn nicht studieren wollte, als er hörte, dass ich Abitur habe. Am Beruf der Prüfingenieurin lockte mich die Perspektive, nicht nur am Schreibtisch zu arbeiten. Stattdessen arbeite ich direkt am Auto, das heißt ich prüfe und fahre das Fahrzeug. Erst im Anschluss sitze ich dann am Schreibtisch und schreibe den Bericht. Diese Mischung ist für mich optimal.  

Ich habe mich für ein Maschinenbaustudium an der damaligen Berufsakademie Horb, heute Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW), entschieden: Dort war ich drei Monate auf dem Campus, dann für drei Monate im Betrieb bei DEKRA – eine abwechslungsreiche Sache. Das war sehr interessant, ich habe in den Ausbildungsabschnitten viel gesehen, aber auch Einiges lernen müssen.


"Ich bin immer an anderen Orten, lerne neue Menschen kennen - kann dennoch die Mittagspause zu Hause verbringen."

 

In meinem Beruf bin ich häufig unterwegs und habe mittlerweile meine „eigenen“ Werkstätten. Die Tour am Montagnachmittag zum Beispiel habe ich von einem Kollegen übernommen, der sich zum Unfallanalytiker ausbilden ließ. Das selbständige Arbeiten ist ein Punkt, der richtig Spaß macht. Man organisiert sich eigenverantwortlich, entscheidet eigenständig und legt die Prüftermine so, dass man nicht unbeschäftigt bleibt. Ich bin immer an anderen Orten und lerne neue Menschen kennen. Und dennoch kann ich oft die Mittagspause zu Hause verbringen, was ein echter Luxus ist.

Bald werde ich etwas Neues angehen: Ich bin für die Ausbildung zur Schadengutachterin angemeldet, um den Werkstätten auch Fahrzeuggutachten anbieten zu können. Vielleicht kann ich mich später noch in Richtung Unfallanalytik weiterentwickeln. Das will ich erst einmal auf mich zukommen lassen. Schließlich trägt man als Sachverständiger vor Gericht eine große Verantwortung. 

Im Übrigen sind an den bundesweit über 80 DEKRA Niederlassungen auch Experten gefragt, die sich beispielsweise für Oldtimer, Gasanlagen oder Motorräder qualifiziert haben. Das finde ich persönlich besonders interessant, denn so können Ingenieure auch ihren persönlichen Neigungen nachgehen und ein Stück weit das Hobby zum Beruf machen. 




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