Lesen ist doch gefährlich! Zumindest in Zoran Zivkovics neuem Roman "Das letzte Buch"
Eine Buchhandlung ist ein Ort der Entspannung, der Muße, der Bücher und vielleicht auch der Debatten. Diese jedoch bringt Menschen um ihr Leben. Bei der Obduktion deutet alles auf eine normale Todesursache hin und doch verlassen scheinbar gesunde Menschen den Laden von Vera Gavrilovic nicht lebend. Was steckt dahinter? Ein Virus? Zufall? Oder etwa terroristische Anschläge?
Der tödliche Buchladen
Der Buchladen von Vera Gavrilovic scheint sich in nichts von anderen Tempeln der Lesefreude zu unterscheiden: Literaturfans - manchmal auch etwas schrullige - treffen sich dort um Bücher zu lesen, zu kaufen und sich zu unterhalten. Eines Tages aber wird dieser Idylle ein jähes Ende bereitet als ein Gast der Buchhandlung plötzlich und unerwartet stirbt. Zwar war der pensionierte Klavierlehrer Petrag Todorovic schon älter, dies aber kein Grund für sein plötzliches Ableben. Irgendetwas in dem Laden scheint den Tod des Bücherfreunds herbeigeführt zu haben.
Dies ruft schließlich Inspektor Dejan Lukic auf den Plan, der sich der Untersuchung des Falles annehmen soll. Zwei Faktoren sichern dabei sein Engagement: Zum einen ist er selbst studierter Literaturwissenschaftler und kennt sich in der Welt der Bücher aus, zum anderen verliebt er sich während der Ermittlungen in die attraktive Co-Inhaberin des tödlichen Buchladens, Fräulein Gavrilovic. Während die beiden eine Affäre beginnen, fallen immer wieder Besucher dem kleinen Buchladen zum Opfer. Die Obduktionen ergeben keinerlei Hinweise auf eine unnatürliche Todesursache, dennoch scheint irgendetwas oder irgendjemand den Tod der Besucher zu verursachen.
Was steckt hinter den Todesfällen?
Die Theorien reichen von einem tödlichen Virus bis hin zu terroristischen Aktivitäten. Nach und nach findet Lukic heraus, das alles mit einem bestimmten Buch zusammenzuhängen scheint, dass jeder der Toten kurz vor seinem Ableben in den Händen gehalten hatte: Das letzte Buch. Bei der Besichtigung des Tatortes ist es aber jedes Mal verschwunden. Und Lukic steht bald nicht mehr allein. Auch der Staatsschutz nimmt sich des Falles an. Doch sind dessen Mitarbeiter Helfer oder versuchen sie dem Inspektor bei seinen Untersuchungen zu behindern? Wer steckt hinter den Todesfällen? Und welche Rolle spielt der mysteriöse Besitzer eines Teeladens in der ganzen Geschichte? Am Ende findet Lukic die Wahrheit, die obwohl so offensichtlich, auch für ihn schwer zu verstehen ist.
Postmodern ja, Thriller nein
Zivkovics Krimi Das letzte Buch ist kein Thriller im klassischen Sinne. Die Handlung ist nicht darauf ausgelegt beim Leser eine unerträgliche Spannung zu erzeugen. Die Handlung ist keineswegs stringent und verliert sich oftmals in scheinbar eingeworfenen Nebenhandlungen, die den Schein des Krimis wahren sollen und aus anderen Werken des Krimi-/Thrillergenres entlehnt zu sein scheinen. So mutet etwa das Geheimtreffen der Verehrer des Letzten Buches mehr nach Dan Brown an, als dass dies wirklich in die Geschichte des Buches passen würde.
Zivkovic aber hat sich vielmehr bemüht, eine Hommage an die Literatur selbst zu schreiben, vor allem an die postmoderne Literatur. Die Todesfälle in der Buchhandlung sind Mittel zum Zweck, alles andere Konstruktion um einen Rahmen zu bieten. Erfolgreicher ist der Autor in Das letzte Buch dort, wo er über die Liebe zur Literatur und zum Tee, der Beziehung der Menschen zueinander schreibt. Das alleine genügt allerdings nicht, um dem Leser die Lektüre des Romans/Krimis/Thrillers, dessen Einordnung außerordentlich schwer fällt, angenehm zu gestalten. Die Handlung erscheint an manchen Stellen gar unsinnig, sie ist ganz gewiss nur an wenigen Stellen spannend. Der auf dem Cover angepriesene schwarze Humor von Zoran Zivkovic wird völlig ignoriert.
Überraschen kann der Autor am Schluss seines Werkes, womit Das letzte Buch tatsächlich die Kategorisierung "postmodern" verdient. Von den Fähigkeiten eines Borges etwa, ist Zoran Zivkovic - zumindest mit Das letzte Buch - noch weit entfernt, da er es nicht schafft, mit seinen Geschichten dem Leser unterhaltsam seine literarische Intention zu vermitteln, wie Borges es vermochte.
Florian Jetzlsperger




























