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Fantasy & Horror

Wo Rauch ist, ist auch Feuer?

England im 19. Jahrhundert - die Insel lebt abgeschottet vom Kontinent, es gibt keinen internationalen Handel und der technische Fortschritt ist bei Schreibmaschinen stehen geblieben. Viel wichtiger: Jeder Mensch ist vom Rauch infiziert, der genau anzeigt, wie viele Sündern er/sie begangen hat ...

Die beiden Jungen Charlie und Thomas leben in einem Internat für Söhne höherer Familien. Dort sollen die auf ein moralisch einwandfreies Leben vorbereitet werden, denn alle Menschen sind von einer kardinalen Sünde befallen: Begeben sie sich mit einer Handlung in moralisches Grenzgebiet, fangen sie im wahrsten Sinne des Wortes an, zu rauchen. Es gibt weißen Rauch, grauen – und es gibt pechschwarzen, klebrigen Ruß. Wer schwarze Flecken auf seiner Kleidung hat, dessen Charakter muss umerzogen werden.

In Thomas Fall scheint es unmöglich: Schon sein Vater war ein Mörder und es heißt, in Thomas wachse etwas Urböses heran. Trotzdem darf er in der Schule bleiben, vorerst zumindest. Bei einem Schulausflug nach London, wo die Jungen eine Hinrichtung miterleben. Als die Leiche unter dem Schafott liegt, bemerkt Thomas eine Gestalt, die sich an dem Ruß der Toten zu schaffen macht und ihn einsammelt – als wären es wissenschaftliche Proben. In den nächsten Ferien wird Thomas mit Charlie zu einer entfernt verwandten Familie eingeladen. Dort stellen die Jungs etwas Ungeheuerliches fest – nicht nur haben die Reichen Möglichkeiten gefunden, den Rauch zu unterbinden und sich damit scheinbar blütenreine Westen zu geben. Nein, es gab auch eine Zeit vor dem Rauch …

Die Kritik

Das Szenario ist leicht vorstellbar: Aus irgendeinem biologischen Grund werden die Menschen von Rauch befallen, was die schlechten Gedanken und moralischen Abgründe sehr sichtbar und damit für alle wahrnehmbar macht. Moralisch gesehen werden die Personen also zu gläsernen Menschen, was prinzipiell unseren heutigen Daten entspricht. Es ist ein sehr vielversprechendes Setting, das in einer sehr interessanten Lebensphase seiner beiden Hauptcharaktere ansetzt: Jugend, wenn die Kindheit langsam zurückbleibt und die Jungs sich in die künstliche Welt der Erwachsenen, inklusive Politik einfügen.

Die haben um den Rauch geradezu einen Kult gebaut - unter dem die Bürger und die Hochgeborenen angeblich vor dem Gesetz gleich sind, aber eben nicht wirklich. Als Thomas und Charlie dahinterkommen, müssen sie sich entscheiden: Folgen sie in den adligen Fußstapfen oder gehen sie ihren eigenen Weg? Das erinnert nicht zufällig an unsere Gesellschaft, denn jede heranwachsende Generation steht vor der Frage, ob sie Status Quo beibehalten oder etwas ändern möchte.

Es dauert etwas, bis die Geschichte Fahrt aufnimmt. Bis dahin hat man als Leser erst einmal die Komplexität der Gesellschaft verstanden - denn neben der Regierung gibt es eine Opposition, Geheimorganisationen und private Personen, von denen man bis zuletzt nicht weiß, welche Ziele sie eigentlich verfolgen. Auch dann geht wenig Aktion von den wichtigen Charakteren aus, die eher in der Geschichte entlang getrieben werden.

Punktabzug gibt es für die Charaktere, die manchmal etwas wenig greifbar sind und unpersönlich wirken. Dass die Kapitel beständig aus der Sicht einer anderen Person geschrieben wurden, trägt dazu bei. Dafür ist der Schreibstil fast schon poetisch und liest sich mit einem ganz besonderen Charme.

Das Fazit: Kein Buch für jedermann, weil es sehr eigenständige Leser erfordert und viel Wert auf Moralfragen legt. Einfach mal weglesen ist also nicht, dennoch fand ich persönlich als sehr intelligent und interessant.


Bettina Riedel (academicworld.net)


Dan Vyleta. Smoke.
carl's books. 16,99 Euro.




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