Hollywoodlastiger Thriller mit brillanter Story

- © Nomo/Michael Höfner, CC BY-SA 2.5
Scheinbar unerklärliche Funde bei Ausgrabungen in Alexandria. Warum wurde einem einfachen Schildknappen ein so prunkvolles Grab gewidmet? - Mit der Beantwortung dieser Frage hält sich Will Adams, Autor des "Gottesgrabes" lange zurück. Durch den Prolog ist der Leser zwar den handelnden Personen um einen Schritt voraus, dabei eröffnen sich ihm aber nur weitere Rätsel: Was hat Ptolemäus 318 v. Chr. verbrochen? Was passierte mit Akylos, dem Bruder Kelonimos?
Obgleich der Autor lange mit diesen Details zurückhält, zeigt sich die Brisanz dieses uralten Geheimnisses früh - es geschehen Gewalttaten, Morde und Kulturraub - hintergründig erfährt der Leser von dem Plan, dass mit den erwarteten weiteren Funden ein Völkerkrieg ausgelöst werden soll.
Schlüssige Story
Die Story ist schlüssig und durchdacht, besonders hervorzuheben ist, wie sich am Ende alles "schließt". Der Autor baut einige interessante Nebenhandlungen auf, ohne sich zu sehr im Detail zu verlieren. Weshalb hasst Gaille Daniel Knox unbekannterweise, was ist mit ihrem Vater passiert? Welches Geheimnis hütet Elena, die sich zur eiskalten Mörderin entwickelt?
Mangelhafte Umsetzung
In der Umsetzung hapert es allerdings in einigen Punkten: Zum Teil wirkt die Handlung eher zufällig, der Hauptcharakter Daniel Knox, ein Archäologe und Tauchlehrer erscheint zu heldenhaft, spätestens ab Mitte des Thrillers folgen die Schauplatzwechsel zu schnell aufeinander, so dass diese retardierenden Momente, die durchaus Spannung erzeugen, sehr künstlich wirken.
Am meisten stört allerdings, dass die Schauplatzwechsel nicht immer ganz logisch weitergeführt werden und der Leser generell aufs Zurückblättern und genaue Lesen angewiesen ist, um die Handlung nachzuvollziehen. Einige Fragen bleiben dabei offen, so wird beispielsweise die Rolle von Knox Eltern nicht klar: Sollten sie im Auto sitzen oder war dies einer der "unglücklichen Zufälle"?
Fesselnder Thriller
Insgesamt ist Will Adams "Gottesgrab" vor allem seiner fesselnden Story wegen durchaus zu empfehlen. Nebenbei erfährt der Leser Wissenswertes zum antiken Griechenland/ Makedonien und Ägypten. Die Informationen hat der Autor glaubwürdig in Dialoge eingeflochten. Besonders anregend sind beispielsweise die Hinweise auf die problematische Quellenlage zu Alexanders Leben und die Widerlegung der Behauptung, dass Kopernikus das heliozentrische Weltbild "erfand".
Über das Ende des Thrillers lässt sich streiten, alles in allem steht aber das Fazit eines fesselnden, lehrreichen und lesenswerten Thrillers.
Anja Bossmeyer




























