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Film

Wie man Filme dreht, mit Monstern kommuniziert und darüber erwachsen wird

Ein Action-Blockbuster mit dem Titel eines Schmalfilm-Formats: paradoxer Anachronismus oder augenzwinkernde Hommage? Beides und zudem perfekte Unterhaltung mit dem Spielberg-Gütesiegel. Ab 4. August läuft "Super 8" in den deutschen Kinos.

Ein Film über das Filmen © Paramount Pictures Germany

Abenteuerliche Kindheit

Vor langer, langer Zeit, als es noch keine Digitalkameras gab, man sich nicht auf Facebook, sondern in der Realität traf und kindliche Imagination ohne Videogame-Einfluß funktionierte, also damals Ende der 1970er Jahre ... nun, da war die Welt auch nicht in Ordnung. Aber wenigstens manche Freundschaft. Ohne seine Kumpels wäre der 14jährige Joe (Joel Courtney) jedenfalls ziemlich einsam, nachdem Monate zuvor die Mutter bei einem Unfall im Stahlwerk starb und er seitdem ein eher schwieriges Verhältnis zu seinem liebenswerten, aber durch den Verlust verstörten Vater (Kyle Chandler) hat. Mit den gleichaltrigen Freunden hingegen teilt Joe mancherlei Interessen, kann speziell seine Liebe zum Horror richtig ausleben; gemeinsam dreht man sogar einen Amateur-Zombiefilm.

Als hochambitionierter Regisseur des Projekts legt Charles (Riley Griffiths) größten Wert auf 'Production Values', weshalb er nicht nur die blonde Alice (Elle Fanning) für die weibliche Hauptrolle engagiert, sondern eine bewegende Abschiedsszene direkt an einer vorbeirauschenden Eisenbahn inszenieren will. Beim Nachtdreh wird die sechsköpfige Gruppe Zeuge eines furchtbaren Frachtzugunglücks, und während sich die Jugendlichen vor den brennenden Trümmern zu retten versuchen, filmt die umgefallene Kamera tapfer das Inferno mit. Am nächsten Tag herrscht in der kleinen Industriestadt in Ohio plötzlich der Ausnahmezustand: Hunde fliehen aus dem Ort, Menschen verschwinden, dafür kreuzen Soldaten mit schwerem Equipment auf. Zudem kommt es zu mysteriösen Stromstörungen. Schon bald stecken Joe und seine Freunde in einer Science-Fiction-/Horror-/Abenteuer-Geschichte, die so turbulent ist wie das Kino selbst.

 

 

Nostalgischer Trip

Regisseur, Autor sowie Co-Produzent J. J. Abrams und Produzent Steven Spielberg haben einst ihre ersten cineastischen Gehversuche mit 8-mm-Material bzw. Super-8-Format unternommen. Angesichts veritabler (Abrams) bzw. phänomenaler (Spielberg) Karrieren blicken sie heute mit freundlicher Nostalgie auf diese filmische Frühzeit zurück, bringen überhaupt all jenen Sympathie entgegen, die noch handgemachtes Kino mit Herzblut erschaffen. Joe, Charles und Co. könnten ihre jungen Alter Egos sein, beschränkt in den technischen Möglichkeiten, aber unbegrenzt in ihrer Phantasie. Als sich ihre Heimatstadt in einen bedrohlichen, von der Army heimgesuchten Hexenkessel verwandelt, nutzen sie ihn kurzerhand als privates Set mit authentischem Szenenbild und stürzen sich samt Kostüm und Kamera ins Geschehen, um ihre eigene Filmstory zu drehen. Das ist wahrer cineastischer Pioniergeist!

Darüberhinaus scheint der Blick durch die Kamera auch ihre Sicht auf die Wirklichkeit geschärft zu haben. Während das Militär die Stadtbewohner völlig im Unklaren läßt über die Hintergründe der Zugkatastrophe, kommen die aufgeweckten Jungfilmer der ebenso spannenden wie verstörenden Wahrheit auf die Spur, aufgezeichnet von der zurückgelassenen Kamera. Tatsächlich handelte es sich um einen ultrageheimen Militärtransport, und das Unglück wurde bewußt von einem auf die Gleise fahrenden Pickup ausgelöst, um einer fremdartigen Kreatur die Flucht aus den Waggons zu ermöglichen. Hier ist die Kamera, ursprünglich als Geschichtenerzähler eingesetzt, zu einem Dokument der Realität geworden, das die eigentlich unvorstellbare Fiktion zum Fakt erhebt. Gewissermaßen über das Super-8-Format dringt das Außergewöhnliche, besser: Außerdirdische in das Dasein der Jugendlichen ein, macht es zu einem 'Bigger than life'-Ereignis durch die bemerkenswerte Verkettung von Wunschtraum, nämlich direkt einmal Kinosensationen zu erleben, und Alptraum, also den Filmmonstern leibhaftig zu begegnen.

Die Konfrontation mit Ungeahntem © Paramount Pictures Germany

Gängige Konflikte

Salopp formuliert ließe sich über "Super 8" sagen, "Die Goonies" treffen auf "E.T." während eines "Stand by me"-Sommers. Zumindest wird der Geist solcher und ähnlicher Filme evoziert in Kombination mit Motivkomplexen wie Kleinstadt-Atmosphäre, Kindheit am Rande des Erwachsenwerdens, in den Alltag brechende Abenteuer oder Begegnung mit dem Fremden bzw. Extraterrestrischen. Und BMX-Räder gibt es auch. Gleichwohl reicht "Super 8" mit seinem 'Coming of age'-Subtext und dem 'Critter Movie'-Appeal nicht an die 1980er-Vorbilder heran, weil ihm größtenteils deren muntere Verspieltheit und melancholische Poesie fehlen. Der Film zollt zwar Kinoamateuren Bewunderung, setzt jedoch selbst auf visuell extrem imposante 'State of the Art'-Technik, wovon gerade der ungeheuer intensive Zugcrash profitiert. Er gehört zum Spektakulärsten, was das gegenwärtige Kino an Havarie zu bieten hat.

Auch wenn "Super 8" ein wenig über die eigene kalkulierte Professionalität stolpert und echte Kinomagie mehr behauptet als zelebriert, bietet das Werk blendendes Entertainment auf emotional vertrauten Pfaden. Vater/Sohn-, wahlweise Vater/Tochter-Beziehungen wie die konfliktreiche Variante zwischen Elle und ihrem Daddy (Ron Eldard) profitieren von vermeintlichen Alien-Invasionen, auch Probleme zwischen Erwachsenen lassen sich erstaunlich schnell und einsilbig angesichts von Katastrophen lösen, und Jugendfreundschaften blühen erst dann richtig auf, sobald Monster umherstreifen - oder so ähnlich. Jedenfalls wird kaum Neues aus dem Universum der Hollywood-Familienzusammenführung erzählt, das Altbekannte aber immerhin mit gewinnender Emphase.

© Paramount Pictures Germany

Eindringliche Augenblicke

"Super 8" ist ein erstklassig inszeniertes, ausgezeichnet gespieltes Sci-Fi-Märchen, dramatisch übersteigert zum Actionmovie. Kaum ist die Army unter Führung des rücksichtslosen Air Force Colonel Nelec (Noah Emmerich) im Arbeiterstädtchen angekommen, hat sie wie Invasoren die lokale Macht an sich gerissen, um alsbald den Ort buchstäblich in Schutt und Asche zu legen. Wenn schon die Soldaten das Alien nicht wieder einfangen können, wollen sie es wenigstens vernichten. Einzig ein Kind, zudem ein vom Kino und Filmemachen begeistertes, verweigert sich solch militärischer Logik und wird deshalb zum Retter von Freunden wie Fremden. Das erscheint wunderbar und weltfremd zugleich.

Es ist der horroraffine, sensible Joe, der im Außerirdischen kein Untier, vielmehr ein um seine Freiheit kämpfendes Geschöpf erahnt. Auf der Flucht gestellt und von dem gigantisch-insektoiden Wesen emporgehoben spricht er es voller Angst, doch mit absoluter Wahrhaftigkeit an, um ihm eine Überlebenschance jenseits von Gewalt zu eröffnen. Stumpfe Sehorgane blicken zurück, über denen sich unvermutet Lider heben, die zutiefst menschliche Augen freigeben. Für wenige Sekunden fallen die Barrieren zwischen Erd- und Allbewohner, um einem universalen Verstehen zwischen Lebewesen zu weichen. Ein zarter kosmischer Widerhall, ein Moment der Ehrfurcht vor dem Leben, wie er eines von Spielberg produzierten Filmes würdig ist.

 

(Nathalie Mispagel, academicworld.net-Kinoexpertin)

 

Kinostart: 4. August 2011 im Verleih von Paramount Pictures Germany

Regie: J.J. Abrams

Darsteller: Kyle Chandler, Joel Courtney, Elle Fanning, Riley Griffiths, Ryan Lee ...

 

   




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