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Die Berufseinsteigerfrage

Wie geht man als Chef mit Mobbing um?

“Nach einem Traineeprogramm bin ich seit 10 Monaten in leitender Position in einem Industrieunternehmen. Ich habe promoviert und halte mich für überdurchschnittlich qualifiziert. Mit Teamarbeit in einem überwiegend akademischem Umfeld hatte ich noch nie Probleme. In meinem Team, welches aus 22 Mitarbeitern besteht, gibt es aber gerade auf der niedrigsten Hierarchieebene Mitarbeiter, die meinen Anweisungen nicht folgen und an jeder Stelle boykottieren. Die Respektlosigkeit, mit der ich dabei konfrontiert werde, ist vollkommen neu für mich. Die Rüpelhaftigkeit, mit der mir mitgeteilt wird, man sei sowieso unkündbar und ich solle mir ‘die Sekräterinnenbande’ besser nicht zum Feind machen, macht mich sprachlos. Wie soll ich mit dieser Form des Vorgesetzten-Mobbings umgehen?“ Philip S. (29) aus Mannheim

Dr. Holger Wyrwa empfiehlt:

"Bevor Sie auf Konfrontationskurs gehen, sollten sie vielleicht noch Folgendes bedenken:
Fragen Sie sich, ob das Unternehmen, in dem Sie arbeiten, eine grundlegende Mobbingstruktur aufweist. Das heißt, ob sich wie ein roter Faden Mobbing durch das Unternehmen zieht und vielleicht zum „guten Ton“ gehört. Vielleicht sollten Sie in diesem Fall kündigen.

Die zweite Frage ist die, ob es
a) in Ihrem Team Personen gibt, die ein Interesse daran haben, dass sie scheitern oder
b) Vorgesetzte möchten, dass Sie scheitern.

Fragen Sie sich, ob Sie möglicherweise selbst durch Ihr Verhalten mit dazu beigetragen haben, dass Mitarbeiter Sie mobben.

Viele Menschen neigen dazu, die Ursache von Problemen zunächst bei ihrem jeweiligen Gegenüber zu suchen. Die Fragen: „Bin ich arrogant beziehungsweise wirke ich auf andere arrogant, zwinge ich anderen meine Meinung auf, denke ich in den Kategorien Anweisung und so weiter“ lösen nicht selten bei Mitarbeitern massive Widerstände aus.
Sich selbst zu reflektieren, ist sehr schwierig. Fragen Sie gute Freunde, die sich nicht scheuen, Ihnen auch Unangenehmes über sich zu sagen.

Nehmen wir an, dass sich herausstellt, dass Sie das Problem mit verursacht haben – was nicht das Mobbing gegen Sie rechtfertigt – dann wäre es ratsam einen Neuanfang zu versuchen, der unbedingt zu einer win-win-Situation führen sollte.

Setzen Sie sich mit allen zusammen, sprechen Sie von einem schlechten Start, räumen Sie Fehler ein. Vergessen Sie nie, dass sie ohne ein funktionierendes Team, auf das Sie sich verlassen können, auf verlorenen Posten stehen.

Nehmen wir an, dass es nicht an Ihrer Person liegt, dass sie gemobbt werden. Finden Sie dann heraus, wer der Hauptmobber ist.
Führen Sie mit allen Mitarbeitern wie oben ein Gespräch. Gewinnen Sie Zeit. Stiften Sie einen „faulen“ Frieden. Zeigen Sie sich einsichtig. Versuchen Sie im Laufe der Zeit die Position des Hauptmobbers zu unterminieren. Finden Sie heraus, wo es in der Gruppendynamik des Teams Schwächen gibt. Spielen Sie die Mitarbeiter gegeneinander aus. Es wird dauern, bis sich das Machtverhältnis umgekehrt hat. Es geht hier nicht um die offizielle Macht. Es geht um die inoffizielle Macht, die häufig viel wirkungsvoller ist als die offizielle.

Gehen Sie jedoch so wie gerade beschrieben vor, setzen Sie sich der Gefahr aus, dass Sie nicht „besser“ als ihre Mobber sind. Sie werden zu einer Gegenmobberin. Das können Sie nur, wenn sie skrupellos vorgehen. Ich selbst stand einmal kurz davor, die schmale Grenze zu überschreiten. Nietzsche sagt sinngemäß, wer sich mit Ungeheuern einlässt, muss sehen, dass er nicht selbst zum Ungeheuer wird.

Aber noch einmal. Prüfen Sie sich vorher ganz genau. Die Formulierungen in Ihrem Brief („überdurchschnittlich qualifiziert“, „niedrigste Hierarchieebene“, „Anweisungen“) – wenn Sie nicht Ausdruck Ihrer Frustration sind – könnten daraufhin hindeuten, dass Sie von Ihren Mitarbeitern als arrogant, überheblich und besserwisserisch angesehen werden.

Sollten Sie das sein und ändern Sie Ihr Verhalten und die diesbezüglichen Persönlichkeitsmerkmale nicht, werden Sie früher oder später beruflich scheitern. Sollten Sie es nicht sein, müssen Sie lernen, so weit wie nur eben möglich emotionslos, taktisch und strategisch vorzugehen. Sonst werden Sie ebenfalls scheitern. Nur bitte nicht zum Preis der Mutation zu einem Ungeheuer.




Dr. phil. Holger Wyrwa ist Psychotherapeut und leitet das Intstitut für systemische Beratung und Pädagogik in Gelsenkirchen. Seine Tätigkeitsbereiche sind unter anderem Persönlichkeitsentwicklung, Mitarbeiterführung und Mobbing-Beratung. 

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