Drucken
Zeitgenössische Literatur

"When shall we three meet again?"

Obwohl sie sich eigentlich sehr lieb haben, sind sich Rosalind, Bianca und Cordelia, wie man den Namen schon entnehmen kann, die Töchter eines Shakespeare-verrückten Vaters, nicht immer ganz grün. In Eleanor Browns "Die Shakespeare Schwestern" versuchen sie ihren Weg zu finden.

Rezension "Die Shakespeare Schwestern"
© aboutpixel.de/Stefan Zimmer

Lebenshilfe Buch

"Es gelang ihr nie, in diesen Büchern sich selbst wiederzufinden, so sehr sie auch versuchte, zwischen den Seiten einzelne Eigenschaften aufzutun und sie für eine Stunde, einen Tag, eine Woche zu übernehmen." Nicht nur Nesthäkchen Cordelia hat Probleme mit dem Erwachsenwerden, mit dem Sich-Zurechtfinden in der Welt. 

Im Grunde ist "Die Shakespeare Schwestern" ein Initiationsroman für unsere Zeit. Frei nach Wilhelm Meister & Co. versuchen die Schwestern ihren Platz im Leben zu finden: Beruf, Liebe und die Ablösung vom Elternhaus. Während bei Rosalind die Suche nach dem richtigen Job und dem perfekten Mann geglückt zu sein scheinen, kann sie sich einfach nicht von zu Hause lösen, den Schritt hinaus in die Welt machen, wirklich frei sein. Für ihre kleine Schwester Cordelia war das dagegen nie ein Problem, sie ist quasi das Spiegelbild zu Rose: frei und abenteuerlustig, aber ohne Job und Beziehung. Bianca, die mittlere Tochter scheint die Balance zwischen Freiheit und Verantwortung gefunden zu haben – doch der Eindruck täuscht und mit den Männern hatte sei sowieso nie Glück. 

Als die Mutter der drei an Brustkrebs erkrankt und die Probleme draußen in der Welt plötzlich übermächtig werden kehren die Frauen um die dreißig plötzlich alle zurück ins Elternhaus in der Kleinstadt im Mittleren Westen der USA. Vorgeblich um der Mutter zu helfen, eigentlich um sich vor den eigenen Problemen zu verstecken. 

Rezension "Die Shakespeare Schwestern"

Ein Barde für alle Lebenslagen

Der Vater der drei Grazien, oder "weird women", wie sie sich nach den Hexen bei Macbeth gerne nennen (so auch der Titel im englischen Original),  ist Professor, sein Forschungsgebiet der englische Klassiker. Sobald er den Mund aufmacht, kommt ein mehr oder weniger passendes Zitat heraus. Doch nicht nur an diesen Stellen kommt der Meisterdichter zum Vorschein. Rose, Bean und Cordy – wie sie sich nennen – kokettieren sogar selbst damit, wie ähnlich sie in vielerlei Hinsicht ihren Namensvorbildern sind. Für den Kenner der Materie durchaus reizvoll umgesetzt.

Überhaupt ist die Erzählperspektive eine sehr interessante. Es scheint stets eine Schwester zu erzählen, aber nicht immer dieselbe und irgendwie auch keine drei – eine Art personifiziert Schwesterngeist, der auf gewisse Art und Weise alle drei in sich vereint. Positiv: Nicht jeder Topf findet den vermuteten Deckel.

Eine sehr humorvolle, durchaus nicht seichte Geschichte über drei Schwestern, die ihren Platz im Leben erst noch finden müssen und sich dabei gegenseitig sowohl Unterstützung als auch Hemmnis sind.

Gisela Stummer (academicworld.net)

Eleanor Brown. Die Shakespeare Schwestern
14,99 Euro. Suhrkamp




Die Berufseinsteigerfrage

Welche Unternehmenskultur ist die richtige für mich?

Die Berufseinsteigerfrage:

Irina M. (27) aus Frankfurt schreibt uns: Ich bin kein direkter Berufseinsteiger mehr, sondern seit 13 Monaten in meinem ersten Job. Mein Arbeitgeber ist ein großes Unternehmen und das Renommee der Firma war für mich auch entscheidend, dort anzufangen. Jetzt hat sich aber deutliche Ernüchterung breit gemacht. Denn es geht nicht mehr um die Aufgaben, sondern darum, sich intern permanent abzusichern. Überall müssen Reports vorgelegt werden, für jede Nichtigkeit werden 20 Kollegen in cc. gesetzt. Ich habe das Gefühl, dass meine Eigeninitiative verkümmert und ich langsam eine gewisse Beamtenmentalität an den Tag lege. Mehrere erfahrene Kollegen meinten jetzt, die Praxis der ineffizienten Überkommunikation sei generelles Markenzeichen der Großkonzerne. Würde dies stimmen, müsste ich mich ganz neu orientieren. Können Sie diese "Absicherungskultur" in den Großkonzernen als Standard bestätig...


Serie: Netzperlen

Diese Woche: Notes of Berlin

Netzperlen:

In Berlin kommt alles zusammen: Verrückt- und Verruchtheit, Offenheit und Spießertum, Liebe und Hass - im deutschen Mekka für Kreative und Individualisten gibt es viel zu entdecken. Was für skurrile, poetische oder humorvolle Zettelchen und Botschaften überall in der Stadt versteckt sind, zeigt uns ...


Serie: Studenten fragen Professoren