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KARRIERE

Wer braucht Anspruch, wenn man Dinge mit Käse überbacken kann?

Bisher gingen Arbeitsforscher davon aus, dass Menschen Tätigkeiten nachgehen wollen, die sie für anspruchsvoll und interessant halten. Eine aktuelle Studie der Duke Fuqua Business School und Stirling Universität kommt nun aber zum Schluss, dass Arbeitnehmer lieber triviale Tätigkeiten annehmen, wenn sie glauben, dass zusätzliche Herausforderungen nicht gerecht bezahlt werden.

Glück ist ... eine einfache und gut bezahlte Tätigkeit

Peter Ubel, Professor für Business Marketing an der Duke Fuqua Business School, und David Comerford, Assistenzprofessor an der Stirling Universität, beschäftigten sich bei ihrer Forschungsarbeit eingehend mit der Thematik rund um „Aufwand und Abneigung“. Sie gingen in diesem Zusammenhang darauf ein, inwiefern Arbeitnehmer ihre persönliche Zufriedenheit am Arbeitsplatz auf Grund des Gehaltsgefüges zurückstellen. „Unsere Untersuchungen zeigten, dass gehobene Tätigkeiten im Vergleich zu weniger anspruchsvollen Aufgaben weniger Zuspruch finden, so bald Arbeitnehmer davon ausgehen, dass ihre zusätzliche Leistung nicht honoriert wird“, erklärt Peter Ubel.

Experimente belegen Thesen

Die Forscher führten mehrere Untersuchungen durch, die Aufschluss darüber gaben inwieweit Löhne sich auf die Motivation von Arbeitssuchenden auswirken. In einem ersten Experiment stellten sie 144 Testpersonen vor die fiktive Wahl zweier Aufgabenoptionen auf einem Kulturfestival. Dabei konnten die Teilnehmer zwischen der Funktion als Platzanweiser oder Aufsichtsperson wählen. Von den Platzanweisern wurde verlangt, dass sie die Veranstaltung bewerben, Aufräumarbeiten übernehmen und Künstler betreuen. Die Aufsichtspersonen sollten lediglich bei einem Notfall einen Wachmann informieren.

Das Ergebnis zeigte, dass 82 Prozent der Teilnehmer den Job des Platzanweisers bevorzugten; 36 Prozent von ihnen würden ihn aber nur dann übernehmen, wenn er deutlich besser bezahlt wäre, als die Arbeit der Aufsichtsperson. „Wenn sie jemandem zwei unterschiedliche Arbeitsstellen anbieten, wird sich diese Person mit großer Wahrscheinlichkeit für die interessantere Aufgabe entscheiden, auch wenn sie mit höheren mentalen oder physischen Anstrengungen einhergeht“, so David Comerford.

In einem zweiten Versuch erklärten sich 74 graduierte Studenten bereit, an einem Kurzfilmprojekt teilzunehmen. Sie standen vor der Wahl, eine Rolle als Arbeiter oder Zuschauer anzunehmen. Arbeiter sollten fünf Minuten lang ein Kreuzworträtsel lösen, während die Zuschauer nur dasitzen und andere beobachten sollten. Das Resultat glich dem ersten Experiment: 66 Prozent der Testpersonen beurteilten die Aufgabe des Arbeiters als angenehmer, aber nur 18 Prozent von ihnen erklärten sich bereit, das Kreuzworträtsel für das Salär eines Zuschauers zu lösen. „Die zwei Experimente zeigen uns, dass die Sorge um einen gerechten Lohn zu einem vorrangigen Anliegen wird, sobald eine Gehaltsdebatte eintritt. Nicht-monetäre Aspekte geraten dabei in den Hintergrund, genauso wie Werte oder die Freude an einer interessanten Aufgabe“, erläutert Peter Ubel das Ergebnis.

Experiment drei: Risiko der Tatenlosigkeit macht unglücklich

Über ein drittes Experiment untersuchten die Wissenschaftler, ob sich die Abneigung zum Mehraufwand überwinden lässt. Dazu wurden 80 Personen an Flughäfen befragt, ob sie an einem ähnlich hypothetischen Szenario wie im zweiten Experiment teilnehmen würden. Eine erste Gruppe wurde gebeten, die Rolle der Zuschauer hinsichtlich der Freude an der Aufgabe zu bewerten, ohne sich dabei über eine Entlohnung Gedanken zu machen. Eine zweite Gruppe sollte für die jeweiligen Tätigkeiten Lohngrenzen setzen und dabei ideelle Interessen außer Acht lassen.

Dabei stellte sich heraus, dass einige Teilnehmer der ersten Gruppe allein aus Freude an der Aufgabe den spannenderen Job übernehmen würden; allerdings erwies sich dieses Ergebnis bisher statistisch als nicht signifikant, sodass sich die bestehende Dilemma-Struktur nicht aufweichen lässt. Folglich bewertet David Comerford das Abschlussergebnis der Studie wie folgt: „Es ist leicht einzusehen, weshalb viele Leute sagen, dass sie nicht arbeiten wollen, bevor sie nicht anständig bezahlt werden. Es sei denn, sie bekommen mehr als sie für das Nichtstun erhielten. Ich entnehme unseren Untersuchungen insbesondere, dass das Risiko nichts zu tun die Menschen unglücklich macht.“

Über Duke University Fuqua School of Business: Die US-amerikanische Duke University Fuqua School of Business (DUFSB) an der Duke University in Durham, North Carolina, gilt als eine der weltweit renommiertesten Wirtschaftsfakultäten. Sie ist Teil der Duke University, vereinigt mehr als 1.500 Studenten und verfügt über ausgezeichnete Forschungszentren. DUFSB führte u.a. das Business School Ranking von Bloomberg BusinessWeek in den Jahren 2012, 2010 und 2008 in der Kategorie „Intellectual Capital“ als Nummer Eins an.




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