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TV/DVD/Game

Watcher oder Player?

Ein Spiel, das die dir Aufgaben stellt, die du blind erfüllst - undenkbar? Die Regisseure Henry Joost und Ariel Schulman zeigen anhand des Films Nerve, wie dieses Spiel heutzutage aussehen könnte und verdammt, so abwegig ist es nicht!

Auf Vees Highschool gibt es einen gefährlichen Trend. Das illegale Online Games „Nerve“ zieht die Jugendlichen in seinen Bann. Wird die Seite zum ersten Mal aufgerufen, muss sich der User entscheiden, ob er passiv oder aktiv am Spiel teilnehmen will. Du bist ein Player? Es warten riskante Challenges auf die Spieler, honoriert wird ihr Erfolg – neben dem Ansehen von tausenden Watchern – mit Geld. Je mehr bestandene Challenges, desto höher die Summen. Die Watcher hingegen bezahlen einen Beitrag, um den Spielern zuzusehen.

Vee (Emma Roberts) ist eine schüchterne und verantwortungsbewusste Schülern. Sie hat es satt, immer im Schatten ihrer Freundin zu stehen. Genervt von der Situation drückt sie den Player-Button. Es beginnt die aufregendste Nacht ihres Lebens. Die erste Challenge: Küsse einen Fremden fünf Sekunden lang. Vee sieht im Diner einen jungen Mann, der ihr Lieblingsbuch liest, schnell ist klar, er wird derjenige. Vee besteht ihre erste Challenges und sie lernt ihren Mitspieler Ian (Dave Franco) kennen. Die Community ist begeistert und gibt den beiden immer mehr gemeinsame Aufgaben. Sie feiern die beiden als perfektes Paar, schnell steigt die Zahl der Followers. Das stachelt besonders Ian an weiter zu machen. Schon bald geht es nicht mehr darum nur seine Ängste zu überwinden, sondern darum, diese Nacht zu überleben…


Die Kritik

Nerve ist ein mitreißender, tempogeladener Film. Er schafft es die Zuschauer von Anfang an mitzureißen und das durch einen simplen Zusatz: Glaubwürdigkeit. Die Story ist - in den Zeiten von Pokémon Go - gar nicht mal so abwegig.  Die waghalsigen Mutproben, die die Players bestreiten müssen und die dynamische Kameraführung sorgen für bei den Zuschauern für spannenden, teilweise nervenaufreibende Unterhaltung. 

Besonders gelungen sind die ersten zwei Drittel des Filmes. Die Geschehnisse sind extrem gut getaktet. Langeweile? Definitiv nicht. Die Steigerung der Gefahr und das gesetzte Zeitlimit für die Challenges geben dem Film den Kick. So rast Ian mit Vee auf seinem Motorrad blind durch die Stadt, während Vee versucht, ihn durch den Verkehr zu lotsen. Noch spannender ist die verrückte Aufgabe eines weiteren Player. Er muss sich zwischen die Bahngleise legen, während ein Zug über ihn hinwegjagt.

Weniger gelungen ist der letzte Drittel des Filmes. Vee will das Spiel verraten, ihr wird gedroht, ihre Identität zu verlieren, wenn sie nicht am Finale teilnimmt und das Konto der Mutter wird geleert. Ab diesem Zeitpunkt wird es zu abgedreht und einfach unglaubwürdig. Letzte Challenges: Schieße auf jemanden. Alles ist ganz dramatisch, denn Vee mag Ian. Auf ihn zu schießen? Das ist doch verrückt und überhaupt ist das Spiel blöd. Nur der anhaltende Adrenalinrausch lässt einen das überzogene Ende ertragen.

Doch auch bei diesem Film bleibt der moralische Zeigefinger nicht aus. Die beiden Protagonisten haben zu Beginn Spaß an den Challenges, doch nach kurzer Zeit wirkt es eher wie eine Sucht nach Ruhm und Anerkennung von einer anonymen Community. Keiner will aussteigen, die Riskiobereitschaft steigt und einige riskieren ihr Leben für das Spiel.  Besonders Ian verkörpert das Bild sehr gut. Vee hingegen kommen immer wieder Zweifel an dem Spiel, den Challenges und doch lässt sie sich oft hinreißen, bis sie aus dem Spiel nicht mehr entkommen kann. Die Players werden zu Spielfiguren, die jegliche Kontrolle verlieren. 

Fazit: Nerve anzuschauen bringt einfach Spaß. Dafür sorgt ein guter Mix aus Tempo und Kameraführung. Aber er regt auch zum Nachdenken an. In der heutigen Zeit, in der Challenges über Facebook so viele Mitspieler hatte, ist es leicht vorstellbar, dass auch dieses Spiel zahlreiche Players findet.



Lisa Noland (academicworld.net)

NERVE

Darsteller: Emma Roberts, Dave Franco, Emily Meade, Machine Gun Kelly, Juliette Lewis

Ab dem 19. Januar im Verleih von Studiocanal auf DVD und BluRay erhältlich!




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