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"Warte hier, ich muss noch schnell die Welt retten!"

Du hast genau 8 Minuten um Tausende Menschen zu retten. Was tust du? Captain Colter Stevens (Jake Gyllenhaal) versucht sich in Duncan Jones’ zweitem Film "Source Code" dieser Herausforderung zu stellen. Weit mehr als ein klasse Actionfilm! Ab 11. Oktober im Verleih, ab 03. November auch zu kaufen.

Reichlich orientierungslos ist Colter Stevens in seiner "Kapsel". © 2011 STUDIOCANAL GmbH

Die zunächst so positv wirkenden und dann doch so bedrohlichen Zukunftsvisionen scheinen es ihm angetan zu haben, dem Sohn von David Bowie. In seinem zweiten Regiewerk hat Duncan Jones zum einen die kammerspielartige Beklemmung der Hauptperson aus "Moon" aufrechterhalten - ein Mann, der nur über Bildschirme, Medien, Beschränkungen mit anderen kommunizieren kann. Zum anderen wurde aber die Außenperspektive um beträchtliche Actionmomente erweitert.

Wo bin ich - und vor allem wer?

Ohne die geringste Ahnung warum er plötzlich dort ist, wacht Captain Colter Stevens in einem Zug nach Chicago auf. Die hübsche Brünette ihm gegenüber (Michelle Monaghan) scheint ihn zu kennen - er sie aber nicht und überhaupt sollte er doch bei einem Einsatz in Afghanistan sein ... Nach genau acht Minuten Orientiertungslosigkeit fliegt der Zug in dem die beiden sich befinden in die Luft.
 
Erneut reichlich desorientiert kommt Colter in einer Art Kapsel, vermutlich dem Cockpit seines Hubschraubers nicht unähnlich, zu sich. Eine Frau kommuniziert über einen Bildschirm mit ihm. Er erinnert sich an ihren Namen: Colleen Goodwin (Vera Farmiga). Kurz erklärt sie ihm worum es geht. Zunächst einmal: "Das hier ist keine Zeitreise!"

Zurück zum Ausgangspunkt

Am selben Morgen ist ein Zug explodiert, es soll nur der Anfang einer Serie von Anschlägen sein. Mit Hilfe des "Source Code", in dem Colter sich befindet, kann er für die letzten acht Minuten vor der Explosion Identität und Körper eines der Opfer annehmen. So soll er Bombe und Attentäter identifizieren. Verändern könne er das geschehene aber nicht. Colter, ganz einsamer Mann auf Mission, stellt sich diesem Zwiespalt zwischen Vergangenheit und Zukunft. Es soll die Fahrt seines Lebens werden - und das nicht nur einmal.

Eine explosive Sache: Die Begegnung zwischen Colter und Christina © 2011 STUDIOCANAL GmbH

Immer und immer wieder starten die acht Minuten und Colter versucht aufs Neue seine Mission zu einem Abschluss zu bringen. Derweil arbeitet sein Kopf ununterbrochen auch an seinem eigenen Problem: Warum ist er hier und wo ist er überhaupt? Was ist passiert? Und als er es herausfindet: kann er sein eigenes Schicksal und das der Opfer im Zug neu schreiben? Oder ist es längst zu spät ...

Actionkammerspiel mit Hintersinn

Einmal mehr gelingt Duncan Jones im gewählten Genre ein kleines Meisterwerk. Unvergleichlich schafft er es, die auf sich selbst zurückgeworfene singuläre Existenz am Abgrund ihres Daseins zu porträtieren. Wie schon Sam Rockwell in Moon muss nun Jake Gyllenhaal gegen den Selbstverlust ankämpfen, sich gegen den Verlust der eigenen Existenz behaupten. Ein Kampf gegen den Tod - wieder alle Wahrscheinlichkeit. Ein versuch sich eine neue, eigene Identität zu schaffen, in einer feindlichen Umgebung zu überleben, vielleicht sogar Erlösung zu finden - gegen zynische übergeordnete Gewalten, gegen eine außer Kontrolle geratene Wissenschaft, die den Konflikt Ethik gegen Technik ohne zu zögern beiseite schiebt.
 
Dass dabei eine Einzelperson als Handlungsträger funktionalisiert wird und als einsamer Held versucht die Welt, die in Trümmern liegt, von der aber ohnehin isoliert scheint, zu retten - nun ja, das ist im Actionfilm wohl nötig. Und außerdem schöpft der Retter so auch neue Kraft für den Kampf mit und gegen sich selbst; schafft es, den Zyklen und Wiederholungen Sinn einzuhauchen und schließlich doch zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Perfekte Unterhaltung, Stoff zum Grübeln und gute Schauspieler - was will man mehr?

Gisela Stummer (academicworld.net)


Source Code (USA 2011)
93 Minuten
Regie: Duncan Jones
Drehbuch: Ben Ripley
Darsteller: Jake Gyllenhaal, Michelle Monaghan, Vera Farmiga, Jeffrey Wright ...




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