Seite empfehlen
Drucken
Beratung & Prüfung

Von unternehmerischem Denken geprägt

Nach dem Hochschulstudium entschied sich Friedrich von Ploetz für den Berufseinstieg bei der Strategieberatung Roland Berger. Während seiner Beratertätigkeit fasste er den Plan, einmal ein eigenes Unternehmen zu gründen. Viele der im Consulting gesammelten Erfahrungen hält von Ploetz für besonders essenziell, wenn es darum geht, zum Unternehmer zu reifen.

© SunCoal

Warum haben Sie sich nach Ihrem Studium an der Handelshochschule Leipzig für den Berufseinstieg bei Roland Berger entschieden?

Der Einstieg als Berater bietet Hochschulabsolventen die Möglichkeit, viele verschiedene Unternehmen und Branchen in kurzer Zeit kennen zu lernen. Das ist eine sehr gute Entscheidungsgrundlage für eine spätere Spezialisierung. Gleichzeitig bekommen Berufseinsteiger ein hilfreiches Methoden-Know-how. Bei Roland Berger hatte ich vorab ein Praktikum absolviert und meine Diplomarbeit geschrieben. Ich hatte also bereits im Vorfeld die Gelegenheit, meine zukünftigen Kollegen und die Arbeitsweise von Roland Berger kennen zu lernen.

Mit welchen Schwierigkeiten hatten Sie am Anfang zu kämpfen?

Ältere Kundenmitarbeiter haben manchmal Schwierigkeiten damit, von einem jungen Hochschulabsolventen beraten zu werden. Diese Erfahrung habe ich vor allem bei deutschen Großunternehmen gemacht, bei denen die Mitarbeiter oft erfahren in der Zusammenarbeit mit Beratern sind. Wie junge Consultants mit solchen Situationen im Alltag umgehen sollen, ist jedoch Teil der Berater-Trainings bei Roland Berger.

Was hat Ihnen an Ihrer fünfjährigen Beratungstätigkeit besonders gefallen, was Sie heute vielleicht sogar vermissen?

Die intensive Arbeit mit den Berater-Kollegen von Roland Berger und mit den kundenseitigen Team-Mitgliedern direkt am Unternehmensstandort war eine sehr abwechslungsreiche Erfahrung. Auch die Reisen, die internationale Projektarbeit und die Möglichkeit, unterschiedliche Länder- und Firmenkulturen kennenzulernen, waren für mich eine große Bereicherung. Heute als Familienvater bin ich allerdings froh, dass ich abends bei meiner Familie sein kann.

Warum haben Sie sich entschlossen, die Beratungsbranche wieder zu verlassen und das Unternehmen SunCoal* zu gründen?

Schon zu Berater-Zeiten ist bei mir der Wunsch der Selbstständigkeit gewachsen. Die Menschen bei Roland Berger sind stark durch unternehmerisches Denken geprägt. Außerdem wurde ich während meiner Projekte in Russland und in der Ukraine durch junge Unternehmerpersönlichkeiten inspiriert. Während meines MBAs im Frankreich - für den ich von Roland Berger ein Jahr lang freigestellt wurde - habe ich dann mit Freunden unser Geschäftskonzept entwickelt.

Wie genau entstand die Idee, ein Unternehmen in dieser Branche zu gründen?

Die Idee zur kommerziellen Umsetzung der hydrothermalen Karbonisierung von Biomasse hatten zunächst meine Mitgründer Hans-Joachim von Massow, selbst ehemaliger Berater bei Roland Berger, und Tobias Wittmann. Beide unterhielten sich 2006 über den neuen Film von Al Gore "Eine unbequeme Wahrheit" und über die Problematik der Energieversorgung der Zukunft. Tobias Wittmann, der damals in Energietechnik promovierte, brachte meinen Kollegen auf das Thema der neuen Methoden für die Verkohlung von Biomasse. So entstand die Idee, eine Testanlage zu bauen, um das Produkt zu entwickeln. Doch der Schritt zum Geschäftsmodell gestaltete sich schwierig. Denn dafür braucht ein Unternehmen einen Geschäftsplan und vor allem Investoren. Da kamen unser Mitstreiter, Christian von Olshausen, und ich ins Spiel, um das Geschäft ins Laufen zu bringen. Die Vorstellung, eine innovative, umweltfreundliche Lösung zu entwickeln und zu vermarkten, hat mich sofort begeistert.

Welche Eigenschaften haben Sie sich während Ihrer Beratertätigkeit angeeignet, die Sie heute immer noch benötigen?

Ich habe gelernt, Kundengespräche zielorientiert zu führen und die richtigen Fragen zu stellen, um relevante Informationen zu bekommen. Das sind wichtige Voraussetzungen, um gute Entscheidungsvorlagen zu erarbeiten und Verhandlungen erfolgreich zu führen.

Sie sprechen Englisch, Russisch, Französisch und Finnisch. Wie wichtig ist es im Bereich der Unternehmensberatung, "international" zu sein, also zum Beispiel viele verschiedene Sprachen zu sprechen und andere Kulturbereiche zu kennen?

Englisch ist natürlich Standard. Ansonsten ist die Sprache ja der Schlüssel zu einem Land und den Menschen und wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Beraterarbeit. Branchenexperten aus anderen Ländern können mit Unterstützung von Kollegen, die die Landessprache gut beherrschen, erfolgreich in Auslandsprojekte einbezogen werden.

 

(© SunCoal) Was macht SunCoal? Kohlenstoff ist der Hauptbestandteil von Energieträgern wie Erdöl, Erdgas und Kohle und ein wichtiger Baustein für die in-dustrielle Produktion von Gütern. Auch Biomasse kann als Kohlenstofflieferant dienen. Bisher war es aber schwierig, die Energie der Biomasse effi-zient zu nutzen. SunCoal Industries entwickelt, baut und betreibt Anlagen, die Biomasse zu einem kohlenstoffreichen, trockenen Feststoff veredeln. Diese neue Kohle ist nicht nur ressourcenschonend, sondern auch klimaneutral. Wird sie verbrannt, setzt sie nur so viel Kohlendioxid frei, wie die Pflanzen, aus der sie hergestellt wurde, während ihres Wachstums aufgenommen haben.


Wie bewerten Sie aus heutiger Sicht die Weiterbildungsprogramme für Berufseinsteiger bei Roland Berger?

Die Weiterbildungsprogramme sind sehr gut und praxisrelevant. Sie helfen Einsteigern, eine solide Basis für ihre Karriere aufzubauen, denn das Seminarprogramm ist auf die Anforderungen jeder Karrierestufe abgestimmt.
An den Trainings nehmen außerdem Kollegen aus den internationalen Büros teil. Dadurch habe ich ein breites Netzwerk aufgebaut - und wir hatten immer viel Spaß!

Sie selbst haben während Ihrer Zeit als Berater einen MBA absolviert. Inwieweit hat Sie das weitergebracht?

Der Abschluss hat vor allem mein Selbstbewusstsein gestärkt. Und das ist wiederum sehr wichtig, um erfolgreiche Gespräche auf Augenhöhe mit der Management-Ebene zu führen.

Heute sind Sie kaufmännischer Geschäftsführer bei SunCoal Industries. Was genau sind Ihre Aufgaben?

Meine wichtigsten Aufgaben bisher waren die Einwerbung von Kapital für unsere Entwicklungstätigkeiten und die Erkundung und Bewertung von potenziellen Geschäftsfeldern. Mit der fortschreitenden Entwicklung des Unternehmens verlagert sich der Schwerpunkt in Richtung Vertrieb. Ansonsten gehören zu meinen Verantwortungsbereichen die üblichen Aufgaben eines kaufmännischen Leiters, insbesondere Finanzen, Recht, IT und HR.
Das Spannendste an meinem Beruf ist, dass wir an der Enabling-Technologie der Zukunft für die energetische Nutzung von Biomasse arbeiten. Die damit verbundenen Aufgaben sind sehr vielfältig.

Was sind die wichtigsten Themen, mit denen sich Ihr Unternehmen zukünftig beschäftigen wird?

Für SunCoal Industries ist vor allem wichtig, den neuesten Stand der technologischen Entwicklung im Auge zu behalten. Denn umweltfreundliche Lösungen im Energiebereich sind zunehmend gefragt - doch die Technologie entwickelt sich rasant. Wenn wir also innovative Produkte bieten wollen, die den Marktbedürfnissen entsprechen, müssen wir dafür sorgen, dass wir unsere Technologie ständig erneuern.

Welchen Hochschulabsolventen würden Sie zu einem Berufseinstieg in die Beratungsbranche raten?

Als ich damals bei Roland Berger eingestiegen bin, kamen noch viele Berater aus dem wirtschaftswissenschaftlichen Bereich. Doch seit mehreren Jahren richten Unternehmensberatungen spezielle Marketing-Events aus - wie das Projekt start.ING von Roland Berger - um den Anteil von Hochschulabsolventen anderer Disziplinen zu erhöhen. Ingenieure und Naturwissenschaftler etwa bringen häufig sehr gute analytische und quantitative Fähigkeiten mit und zeichnen sich durch eine strukturierte Arbeitsweise aus. Weitere wichtige Voraussetzungen sind aus meiner Sicht vor allem Neugierde, Offenheit, Flexibilität und Interesse an anderen Menschen.

 

© SunCoal

Friedrich von Ploetz, SunCoal Industries

Nach seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Handelshochschule   Leipzig arbeitete Friedrich von Ploetz mehrere Jahre als Projektmanager mit dem Branchenschwerpunkt auf Industrieunternehmen bei der Strategieberatung Roland Berger. In dieser Zeit absolvierte er auch seinen MBA. Seit 2008 ist er als kaufmännischer Geschäftsführer bei SunCoal Indus-tries unter anderem für die Bereiche Strategie, Finanzen und Vertrieb verantwortlich.

Serie: 21 Fragen

Menschen des 21. Jahrhunderts:
Nic Romm, die Stimme

21 Fragen an: Nic Romm

Nic Romm besuchte die Hochschule für Musik und Theater in Hannover. 2008 spielte er die Rolle des Tjure in Michael Herbigs "Wickie und die starken Männer". Im August stand er auch noch für den zweiten Teil des Kinderfilms vor der Kamera. Gerade hat er die Dreharbeiten für Roland Emmerichs "Anonymous" abgeschlossen und ab Herbst ist er in Dennis Gansels "Wir sind die Nacht" zu sehen.


Die Berufseinsteigerfrage

Wie geht man als Chef mit Mobbing um?

Die Berufseinsteigerfrage:

“Nach einem Traineeprogramm bin ich seit 10 Monaten in leitender Position in einem Industrieunternehmen. Ich habe promoviert und halte mich für überdurchschnittlich qualifiziert. Mit Teamarbeit in einem überwiegend akademischem Umfeld hatte ich noch nie Probleme. In meinem Team, welches aus 22 Mitarbeitern besteht, gibt es aber gerade auf der niedrigsten Hierarchieebene Mitarbeiter, die meinen Anweisungen nicht folgen und an jeder Stelle boykottieren. Die Respektlosigkeit, mit der ich dabei konfrontiert werde, ist vollkommen neu für mich. Die Rüpelhaftigkeit, mit der mir mitgeteilt wird, man sei sowieso unkündbar und ich solle mir ‘die Sekräterinnenbande’ besser nicht zum Feind machen, macht mich sprachlos. Wie soll ich mit dieser Form des Vorgesetzten-Mobbings umgehen?“ Philip S. (29) aus Mannheim


Serie: Netzperlen

Diese Woche: People of Walmart

Netzperlen:

Wenn man sich in den USA amüsieren will, geht man einfach in den Walmart. Warum es dieser Discounter hierzulande einfach nicht geschafft hat und nach nur wenigen Jahren wieder das Deutschlandgeschäft beendet hat - angesichts dieser Bilder kann man nur den Kopf schütteln. Wir würden sogar Eintritt za...


Serie: Studenten fragen Professoren

Welches Tier, abgesehen von Bakterien oder Viren, tötet weltweit die meisten Menschen?

Studenten fragen Professoren: Alltagsfragen

Frage: Welches Tier, abgesehen von Bakterien oder Viren, tötet weltweit die meisten Menschen?Antwort: "Ausdrücklich wurden vom Fragesteller ja nur Viren und Bakterien ausgeschlossen und nicht Einzeller. Nimmt man diese in das Spektrum auf, dann ist eindeutig der Erreger der Malaria, Variante Tropica (Plasmodium falciparum), der größte Killer und einige Arten der Anopheles-Mücke als Vektoren die wichtigsten 'Vermittler' der weit über eine Million Todesfälle pro Jahr.Nimmt man den Menschen als eine Spezies wie jede andere, was wir ja gemeinhin nicht tun – sondern uns als Krone der Schöpfung betrachtend vom riesigen Rest der Evolutionsprodukte gern weit absetzen – dann ist ganz klar, dass der Mensch für den Menschen wohl schon bis in lang vergangene Zeiten der größte Killer war und nach ...