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Buch

Von Geistern und anderen raffinierten Gestalten

"Man sagt, er habe sie umgebracht."

Elizabeth Loupas lässt in ihrem historischen Roman "Die zweite Herzogin" einen Geist als Erzählerin auftreten, eine frischvermählte nach dem Mörder der Vorgängerin fahnden und zeichnet dabei ein eindrucksvolles Bild einer vergangenen Ära.

Elizabeth Loupas: Die zweite Herzogin

Die erste Herzogin:

Lucrezia d'Este, geborene Borgia, ist tot. Doch damit nicht genug. Sie ist imobila, das heißt, sie ist ein Geist, der mit anschauen muss, wie das Leben ohne sie am Hof der Este in Italien, genauer Ferrara, weitergeht.

Die zweite Herzogin:

Barbara von Habsburg, nicht mehr ganz jung - genauer gesagt sechsundzwanzig - ist zwar eine gute, aber keine besonders hübsche Partie: Durch die typische Habsburger Lippe erinnert ihr Gesicht an das eines Pferdes. Ein Grund, warum Lucrezia d?Estes Geist Barbara auch la Cavalla (Pferdegesicht) nennt.

Der Fall:

Das gesamte Buch über gilt es, den wahren Mörder Lucrezias zu finden. Wenngleich sie eine naive, junge Schönheit war, so hat sich dennoch Alfonso d'Este - ihr Ehemann, der nun Barbara angetraut ist ?-nicht mit ihr vergnügt. Stattdessen hatte sie unzählige Liebhaber.

Das Urteil:

Elizabeth Loupas gelingt vor einer ausgereiften und schön beschriebenen, italienischen Kulisse mal etwas Neues im Genre des Historienromans: Sie lässt eine intelligente, neugierige Frau in einer Art Kriminalroman den Mörder ihrer Vorgängerin ermitteln und dies erstaunlich gut.

Zwar schien mir das Buch anfangs zu lang für die Geschichte, doch haben alle Szenen wirkliche Kraft und machen den Leser neugierig, welcher Anschlag als nächstes auf Barbara verübt wird. Der Leser ist schnell im Geschehen und freundet sich mit Barbara an. Wenngleich Alfonso zunächst wie ein typisch aristokratischer Tyrann wirkt, beginnt auch er sich plötzlich mit ?dem Fall? auseinanderzusetzen und verfolgt mehr oder minder angespannt die Ermittlungsarbeit seiner neuen Gattin.

Hier hat Loupas gerne mit den Charakteren im Gesamten gespielt und ließ sich in ihrer durchdachten und gradlinigen Geschichte auf keinerlei Kompromisse ein. So findet das Ende auch beim Leser einen nicht sehr überraschenden, aber dennoch guten Abschluss. Spannung und die Brutalität steigen noch einmal beträchtlich an und rauben einem kurzzeitig den Atem.

Besonders raffiniert ist, dass die Geschichte aus den Perspektiven des Geistes der ersten Herzogin sowie den Gedanken und Ängsten der zweiten Herzogin erzählt wird. Ein Roman, der sich deutlich von anderen historischen Dramen abgrenzt und neue Maßstäbe setzt!

 

 

448 Seiten

rororo (1. April 2011)

9,99 Euro

 

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21 Fragen an: Dominik Graf

Dominik Graf wurde 1952 in München geboren, wo er die Hochschule für Fernsehen und Film besuchte. Als Kino- und TV-Regisseur ist er unter anderem für zahlreiche Folgen der Kriminalserien “Tatort” und “Polizeiruf” bekannt. 2011 gewann er zum neunten Mal den Adolf-Grimme-Preis und ist damit der am häufigsten ausgezeichnete Träger des begehrten Fernsehpreises. Seit 2004 ist Dominik Graf Professor für Spielfilmregie an der Internationalen Filmschule Köln und wurde 2005 zum Honorarprofessor ernannt.


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