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Beratung & Prüfung

Vom Berater ins Hochzeitsbusiness

Als Berater bei The Boston Consulting Group arbeitete Nikolaus Zacher vor allem an Projekten für internationale Konsumgüter-Unternehmen. Bis er seine eigene Onlinefirma gründete. Heute dreht sich bei dem ehemaligen Berater alles um das Thema Hochzeit, denn er ist Geschäftsführer der Internetplattform Hochzeitsplaza.de und hat damit einen Markt im Internet gefunden, der Vieles zu bieten hat. Er berichtet, wie es dazu kam.

© Johanna Bieber/ Pixelio.de

"Schon zu Beginn meines Studiums hatte ich mir ein Ziel gesetzt: Ich wollte zu den besten Absolventen meines Jahrgangs gehören und für eine der Top Unternehmensberatungen arbeiten. So kam es dann auch - aber am Ende ganz anders als ich dachte. Denn Anfang 2010 tauschte ich meine Boston Consulting Group Visitenkarten gegen HochzeitsPlaza Visitenkarten ein, auf denen steht: Nikolaus Zacher, Geschäftsführer.

Studiert habe ich Wirtschaftsinformatik an der Universität Hamburg und Master of International Business an der MacQuarie University in Sydney. Erste Beraterluft konnte ich als Visiting Associate bei der Boston Consulting Group in Frankfurt und Hamburg schnuppern - noch bevor ich mich an meine Diplomarbeit über künstliche Intelligenz setzte. So startete ich nach erfolgreichem Abschluss meines Studiums und fünf Monaten Reisen durch Südostasien und Nordamerika 2006 bei BCG in München.

Dort arbeitete ich in den Praxisgruppen Consumer Goods und Industrial Goods. Mein Hauptfokus lag auf Projekten für internationale Konsumgüter-Unternehmen. Für meine Kunden und Fälle war ich unter anderem in Deutschland, Japan, Italien, Frankreich, Spanien und den Niederlanden unterwegs. BCG war und ist für mich ein Traumarbeitgeber. Ich fühlte mich dort von Anfang an zu Hause, konnte etwas mit meiner Arbeit bewegen und wichtige Veränderungen in Märkten und Konzernen anregen. Ich arbeitete sehr viel, aber immer im Team mit anderen Beratern, die ebenso motiviert und begeistert waren, wodurch wir am Ende gemeinsam ausgezeichnete Ergebnisse erzielen konnten. Die vielzitierte Lernkurve als Consultant ist wirklich sehr steil.

Obwohl ich ein begeisterter Consultant war, wuchs ab 2009 in mir immer stärker der Wunsch,  ein eigenes Unternehmen zu gründen, auch wenn ich noch keine konkrete Geschäftsidee hatte. Bei meinen ersten Schritten vom Berater zum Gründer konnte ich von meinen Erfahrungen und meinem Netzwerk bei BCG stark profitieren.
Von Anfang an ging ich mein Projekt sehr analytisch an und nutzte alle verfügbaren Informationsquellen, um interessante Märkte und Ideen aufzuspüren. Das reichte von thematischen Recherchen über Messebesuche und dem Scannen von Szenemedien bis hin zum systematischen Kontaktaufbau. Mir wurde schnell klar, dass ich im Online-Bereich gründen wollte.

Also habe ich mir im nächsten Schritt diesen Markt genauer angesehen: Welche Geschäftsmodelle gibt es, welche funktionieren - und welche nicht? Welche Player gibt es in Deutschland, Europa und weltweit? Welche Netzwerke, Business Angels und Venture Capital-Geber sind in Deutschland aktiv und wo liegen ihre Schwerpunkte?

Schließlich erarbeitete ich mehrere Businesspläne und fing an, mich regelmäßig auf Start-up-Medien wie TechCrunch, Gründerszene und Deutsche Start-ups über aktuelle Entwicklungen und Geschäftsmodelle zu informieren. Gleichzeitig begann ich, mich mit BCG-Alumni zu treffen, die eigene Unternehmen gegründet hatten und im Online-Markt erfolgreich waren, und mich mit führenden Business Angels und Venture Capital-Gebern in Deutschland zu vernetzen. Mein Ziel war, einerseits ein Gespür für den Online-Markt zu entwickeln und mich andererseits über aktuelle Business-Ideen auszutauschen. So traf ich Ende 2009 auch Jochen Maaß, der gerade mit Sarik Weber plante, die Gründerschmiede Hanse Ventures aufzubauen.

Um im Online-Business erfolgreich zu sein, musste ich mir das notwendige Know-how aus der Praxis aneignen. Dazu habe ich mir vor der Gründung einen Leave of Absence genommen und verschiedene Start-ups von BCG-Alumni und Partnerunternehmen von Hanse Ventures genau angesehen. Zwar war ich als Berater auf den unternehmerischen Teil sehr gut vorbereitet, jedoch funktioniert ein Start-up und auch besonders das Internetgeschäft nach anderen Regeln als klassische Konzerne.

SEO, SEA, Customer Acquisition Cost, Affiliate Marketing, Social Media, virales Marketing? Das alles hatte ich zwar schon einmal gehört oder darüber gelesen, aber worauf man dabei achten muss und vor allem, wie man es professionell umsetzt, wusste ich nicht. Durch meine Besuche bei Online-Unternehmen und mithilfe von Hanse Ventures lernte ich in relativ kurzer Zeit verstehen, wie Online-Business "funktioniert" - und wie man die richtigen Schritte auch schnell umsetzen kann.

Ich beschloss mit Hanse Ventures gemeinsam ein Unternehmen zu gründen. Der Abschied von BCG war nicht einfach. Doch ich bekam von allen Seiten, und auch besonders von meinen Kollegen bei BCG, Zuspruch für meine Gründungsabsichten.




Die Berufseinsteigerfrage

Ist spezielle Frauenförderung eigentlich gerecht?

Die Berufseinsteigerfrage:

Stefan T. (27) aus Frankfurt am Main. schreibt uns: “Ich arbeite in einer Unternehmensberatung als Junior Berater. Mir und meinen männlichen Kollegen fällt deutlich auf, dass die weiblichen Beraterinnen von den Vorgesetzten klar bevorzugt werden. Neulich hat ein Partner dies offen damit begründet, dass es für die Firma viel schwieriger sei, Beraterinnen zu gewinnen und vor allem zu halten als männliche Berater und man von daher auch zu mehr Zugeständnissen bereit sei. Für die Kolleginnen gibt es beispielsweise spezielle Rhetorikschulungen, an denen Männer nicht teilnehmen dürfen. Ich finde dieses Vorgehen nicht in Ordnung. Meine Kollegen raten mir aber von einer Beschwerde ab, da ich sonst schnell als Mimose oder Querulant dastehen würde. Muss man als Mann eine solche Zurücksetzung einfach runterschlucken, weil Frauen es lange schwerer im Beruf hatten?"


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Serie: Studenten fragen Professoren

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