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Technologie

Verhalten optimistisch

Vorsichtige Hoffnung und verhalten positive Prognosen für den deutschen Maschinenbau 2010

© VDMA

Der Maschinenbau ist schwer von der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise gebeutelt: Im Vergleich zum Vorjahr sanken Inlands- und Auslandsnachfrage um 33 Prozent. Dennoch wurden vergleichsweise wenig Ingenieure aus- und immer noch Hochschulabsolventen eingestellt. Und für 2010 ist man sich einig: Es wird besser.  

"Für das kommende Jahr 2010 erwarten wir eine Stabilisierung auf dem Durchschnittsniveau des Jahres 2009. Das entspricht im Jahresverlauf einem leichten Wachstum der Maschinenproduktion." Diese verhalten optimistische Prognose gab der Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Dr.-Ing. E.h. Manfred Wittenstein, auf dem 4. Deutschen Maschinenbau-Gipfel am 13. Oktober in Berlin.

Fazit des Gipfels: So langsam scheint es wieder bergauf zu gehen mit dem Maschinen- und Anlagenbau, die Talsohle ist wohl erreicht. Dies dürfte insbesondere für Studierende und Hochschulabsolventen ingenieurwissenschaftlicher Fächer von Bedeutung sein, sind doch mehr als 148.000 Ingenieure und Informatiker im deutschen Maschinen- und Anlagenbau beschäftigt. Dieser ist somit einer der wichtigsten Arbeitgeber für Ingenieure.

Innovations- und Jobmotor

Der Maschinen- und Anlagenbau ist seit jeher nicht nur einer der führenden Innovationssektoren in Deutschland und mitunter verantwortlich für Deutschlands Platz auf dem obersten Treppchen des Export-Siegerpodestes sondern zudem Jobmotor bei einer relativ geringen Arbeitslosigkeit. So stieg etwa die Zahl der Arbeitsplätze im Maschinenbau im Jahr 2008 um 5,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr an und verzeichnete somit die stärksten Zuwächse in der deutschen Industrie.

Allerdings ist auch dieser so exportabhängige Industriezweig nicht schadlos aus der weltweiten Wirtschaftskrise herausgekommen: Das Inlandsgeschäft sank im September 2009 verglichen mit dem Vorjahr um 33 Prozent und auch bei der Auslandsnachfrage gab es ein Minus von 33 Prozent im Vergleich zum Vorjahresniveau. Der kurzfristigen Schwankungen weniger unterliegende Dreimonatsvergleich Juli bis September 2009 zeichnet sogar ein Minus von 40 Prozent im Vorjahresvergleich - minus 40 Prozent bei den Inlandsaufträgen und  minus 39 Prozent bei den Auslandsaufträgen.

Einstellungsstopp statt Stellenabbau

Dies hat natürlich Auswirkungen auf die Beschäftigungszahlen im Maschinen- und Anlagenbau. Aus dem "Ingenieurmonitor" des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) in Kooperation mit dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln vom Oktober 2009 geht hervor, dass seit Herbst 2009 ein starker Rückgang der zu besetzenden Stellen für Maschinen- und Fahrzeugbauingenieure aufgrund der Finanzmarktkrise zu konstatieren ist. Zwischen September 2008 und August 2009, also innerhalb eines Jahres, gingen demnach die offenen Stellen für Ingenieure dieser Bereiche um etwa die Hälfte zurück. Ein vergleichbarer Rückgang konnte seit Beginn des Jahrtausends nicht festgestellt werden. Bundesweit waren im August 2009 knapp 18.300 Stellen für Maschinen- und Fahrzeugbauingenieure ausgeschrieben - so wenige wie nie zuvor im Betrachtungszeitraum von 2000 bis 2009.

Maschinenbauunternehmen versuchen der Wirtschaftskrise durch Einstellungsstopps entgegenzuwirken, so dass zumindest die derzeit besetzten Stellen gesichert werden können. Eine Unternehmensbefragung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB), bei der im zweiten Quartal 2009 8.000 Unternehmen teilgenommen haben, ergab, dass 91 Prozent der Betriebe der Branchen Maschinenbau, Elektrotechnik und Fahrzeuge einen Einstellungsstopp verfügt haben.

Kurzarbeit statt Massenentlassungen

Im Juni 2009 arbeitete jeder vierte Beschäftigte im Maschinen- und Anlagenbau in Kurzarbeit, insgesamt beschäftigt die Branche derzeit 930.000 Personen. Man rechnet mit einem Stellenabbau von bis zu 60.000 Stellen im Jahresverlauf, was im Jahresdurchschnitt einen Rückgang um 2,0 Prozent bedeute, so VDMA-Präsident Wittenstein. Im Vergleich zum Umsatz- und Auftragsrückgang im selben Zeitraum sei dies jedoch eine sehr niedrige Zahl, welche den verantwortlichen Umgang mit Beschäftigten in diesem Wirtschaftszweig widerspiegle. Zwischen September 2008 und August 2009 stieg die Zahl der arbeitslosen Maschinen- und Fahrzeugbauingenieure um rund 2.300, was einen Anstieg um 63 Prozent bedeutet.

Rückgang der Aufträge im Maschinenbau, Quelle: VDMA

Diese Zahl mutet dabei deutlich dramatischer an als sie ist, wenn man bedenkt, dass mit 5.900 arbeitslosen Maschinen- und Fahrzeugbauingenieuren im August 2009 die Zahl der Arbeitslosen dieser Ingenieurberufsordnung im Vergleich zur allgemeinen Arbeitslosigkeit immer noch sehr gering war. Zudem scheint man die Lehren aus der Vergangenheit gezogen zu haben, dass spontane Entlassungen im Zuge einer Krise dem Unternehmen vor allen Dingen auf lange Sicht schaden können. Die aktuellen Arbeitslosenzahlen betragen deshalb nur ein Drittel des Höchststandes vom Frühjahr 2003.

Chancen für Hochschulabsolventen und Unternehmen

Trotz aller Schwierigkeiten werden Hochschulabsolventen im Bereich Maschinen- und Anlagenbau nach wie vor gesucht und eingestellt, wenn auch in deutlich reduziertem Umfang.

2010 könnten wieder mehr Hochschulabsolventen eingestellt werden; © VDMA

"Wir sind natürlich immer auf der Suche nach Hochschulabsolventen mit Fokus auf Mechanik, Wirtschaftsingenieurswissenschaften und ähnlichen Studienrichtungen", so Rainer Stoll aus dem Human Resources Department von Atena Engineering, "wenngleich der Bedarf in diesem Jahr kleiner ist als im Vorjahr." Stoll spricht von etwa 60 Prozent weniger offenen Stellen in diesem Jahr. Dabei deuten viele Anzeichen daraufhin, dass die Talsohle nicht nur wirtschaftlich sondern auch personalpolitisch nun erreicht zu sein scheint. Hat man bei Atena Engineering noch in diesem Jahr an die 30 Stellen zu 80% Prozent mit erfahrenen Mitarbeitern besetzt, so ist das Ziel, im Jahr 2010 wieder deutlich mehr Stellen zu besetzen und dabei auch wieder mehr Hochschulabsolventen miteinzubeziehen.

"Wir sind da verhalten optimistisch", so Stoll. Ungewohnten Luxus birgt die Situation aber zumindest für die Unternehmen: "Derzeit erhalten wir über 300 Bewerbungen im Monat, wovon wir uns am Ende für einige wenige Bewerber entscheiden müssen. Früher hatten wir wegen des Fachkräftemangels Schwierigkeiten, genug Bewerbungen für die zur Verfügung stehenden Stellen zu bekommen." Aber das kann sich in absehbarer Zukunft wieder ändern. Immerhin prognostiziert das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung für 2010 ein Wachstum von wenigstens 1,3 Prozent.

Erholung - kein Aufschwung

Diesen vorsichtigen Optimismus teilt auch Dr. E.h. Manfred Wittenstein vom VDMA: "Diese Zuversicht ziehen wir aus der Tatsache, dass namhafte Wirtschaftsindikatoren weltweit eine zyklische Erholung signalisieren." Auch wenn man in Anbetracht des Niveaus dieser Erholung schwerlich von Aufschwung sprechen könne, so Wittenstein, so hat sich dennoch die "globale Industrieproduktion, wenn auch moderat, von ihren Tiefstpunkten lösen können. Und so, wie wir als vom Export abhängige Branche von dem Einbruch der weltweiten Industrieproduktion in besonderer Weise in Mitleidenschaft gezogen wurden, so werden wir von der Erholung besonders profitieren können. Vorausgesetzt, wir haben nicht an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. Auch hier bin ich optimistisch."

Gestärkt aus der Krise hervorgehen nennt man das wohl. Dabei gibt es aber wirklich Grund zu dieser Hoffnung. Noch 2008 führte Deutschland die Gruppe der Maschinenexporte der wichtigsten Lieferländer mit 19,2 Prozent deutlich vor den auf die Plätze verwiesenen USA (11,7) und Japan (10,7) an. Zudem blieben kurzsichtige Entlassungswellen im Zuge der Krise aus, so dass man sich auf das vorhandene Know-how nach Beendigung der Krise und erstem zögerlichen Aufschwung stützen kann. Und: Um nach wie vor konkurrenzfähig zu sein, wie Wittenstein es nannte, bedarf es auch in Zukunft der klügsten Köpfe aus den Hochschulen. Aus diesem Grund kann der Maschinen- und Anlagenbau durchaus positiv in die Zukunft schauen. Und Studierende und Hochschulabsolventen auch, denn sie werden es sein, die diese Konkurrenzfähigkeit in Zukunft sicherstellen müssen. Daher werden sie in absehbarer Zeit auch wieder in größerem Umfang eingestellt werden. Man ist eben verhalten optimistisch.

Florian Jetzlsperger