
- Aus der Serie "Schlechte Schlafplätze"
Die Grundentscheidung ist folgende: 'Entweder wirklich auf dem „Präsentierteller“ oder total in der „Pampa“!' Was ich in recht ungelenker Weise auszudrücken versuche ist: entweder übernachte ich an einem Rasthof zwischen den beleuchteten Zapfsäulen oder auf dem Marktplatz , wo ich zwar in fast allen Ländern unwillkommen bin - oder ich suche mir eine so abgelegene, versteckte oder unwirtliche Stelle, dass ich sicher keinen Besuch erwarten muss.
Diese Variante bevorzuge ich natürlich. In Wäldern, Sümpfen, unter Brücken oder hinter Leitplanken, zwischen Autobahnen, in den Bergen ... Ich wähle aber nie Plätze, die nicht das eine oder das andere sind. In der Stadt am Strand zum Beispiel, in Hinterhöfen oder im Industriehafen ist es zuweil sehr gefährlich zu schlafen. Hier hast du fast sicher mit unangenehmen Besuch zu rechnen - jedoch nicht mit Hilfe. Selbstverständlich ist das auch vom Land abhängig und von deiner Ausrüstung mit der du unterwegs bist.
Ohne Zelt oder Tarp musst du dir bei Regen einen Unterstand suchen. Ohne Moskitonetz oder Zelt bist du wiederum an einem See oder Sumpf nicht wirklich am richtigen Platz. Wenn ich im Zweifel bin, was zu machen ist, „werfe“ ich mir Koffein ein und warte auf den Morgen. Tagsüber kannst nahezu überall schlafen. Ein weiterer Risikofaktor sind natürliche Gegebenheiten. Schlafe nie in Senken oder an der höchsten Stelle der Umgebung, baue dein Lager nie unter bruchgefährdetem Todholz auf!
Meide Flussbetten und Überschwemmungsgebiete, vor allem wenn du mit Regen oder Gewitter rechnest.
Um sicher sein zu können suche ich mir meinen Lagerplatz schon etwa eine Stunde vor Dämmerung und inspiziere es. Natürlich so, dass niemand sieht, dass ich hier übernachten will. Hast du ein Zelt, so ist es hoffentlich ein sehr kleines. Mir reicht ein winziges Einmannzelt. Das lässt sich überall unterbringen, auf klitzekleine Pfaden, Wildwechseln, an Straßenrändern und unter Brücken.
Wildwechsel sind in Gegenden ohne Großräubern ungefährlich, das Wild sucht sich im Zweifel einen anderen Weg. Von Vorteil ist wenn dein Zelt von alleine steht, also zum Beispiel Kuppel/Igluzelte. In diesem Fall musst du es nicht immer abspannen und kannst es auch auf Beton und Fels einfach stellen. Mein gesamtes Gepäck bringe ich im Zelt unter, es sei denn ich bin mit Kanu oder Kajak unterwegs.
Die Kamera ist obligatorisch in Griffweite. Wenn ich Geld oder Papiere bei mir habe verstaue ich sie entweder im Fußbereich meines Schlafsackes oder im nur von innen zu öffnenden Deckelfach meines Rucksackes. Fürchtest du trotzdem Diebstahl, installiere einfach eine Alarmanlage. Nie werden Wertgegenstände in den Zeltinnentaschen verstaut. Das sind die bekanntesten und beliebtesten Verstecke, die jeder Dieb kennt. Im Zelt neben mir liegt immer ein kleines, sichelförmiges und in einer festen Hülle schnell greifbares Messer, mit dem ich in der Not (Feuer oder jemand wickelt mich ins Zelt ein) die Seite aufschlitzen kann. Das Messer muss nicht länger als 3 cm sein, sollte aber zum einfacheren Verwenden gebogen sein.
Den Aufbau deines Zeltes musst du im Schlaf können, rückwärts wie vorwärts und mit verbundenen Augen. Das gesamte Lager sollte innerhalb von 3 bis 5 Minuten auf- oder abgebaut werden können. Seid ihr zu zweit unterwegs muss jeder Handgriff im Teamwork sitzen. Kannst du das oder könnt ihr das noch nicht bedeutet es üben. So kannst du dein Material vor dem plötzlichen Platzregen in Sicherheit bringen, dich vor dem Schneesturm retten oder wenn auf einmal Insekten oder andere Tiere auftauchen vor diesen flüchten. Dein Zelt ist eine sichere Schutzhütte. Verwende niemals Schlafmittel, Schlafbrille oder Ohrenstöpsel. An lauten Schlafplätzen ist das den Dieben bekannt und du wirst zur einfachen Beute.
Allgemein gilt: Von Tieren geht nur sehr selten eine Gefahr aus - vom Menschen viel häufiger. (Das gilt nicht immer in Übersee) Wirst du des nachts besucht durch Ratten, Hasen oder Wildschweinen, hab keine Angst, verhalte dich vielmehr ruhig um die Tiere nicht zu stören und genieße dieses einmalige Erlebnis. Auch in Wäldern, in denen absolute Dunkelheit und Stille herrscht, fürchte dich nicht, wenn es knackt, raschelt oder sich etwas an dein Zelt schmiegt oder gar dagegen rennt. Es gibt nichts, wovor du dich fürchten musst.
Denke bitte daran, dass das Übernachten in der Praxis oft total anders ist als in der Planung. Ich habe schon die tollsten Theorien von Leuten gehört, die noch kein einziges Mal draußen schliefen, geschweige denn alleine übernachtet oder biwakiert hätten. Probiere es aus, bevor du dich auf eine Tour begibst. Fragen sind: Ist der Schlafsack warm genug? Komme ich mit dem Zelt überhaupt klar und ist die Isomatte für mich dick genug? Die Fragen sollten alle vor der Reise beantwortet sein.
Sollte überhaupt nichts funktionieren tröstet dich vielleicht, dass der Mensch von Schlafentzug nicht stirbt ...




























