Traineeprogramme sind der sicherere Start ins Berufsleben

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Wenn man den Direkteinstieg in das Unternehmen mit dem Karrierestart über ein Traineeprogramm vergleicht, treten deutliche Unterschiede zu Tage. Ein Gespräch mit dem Managementtrainer Dr. Gunnar Kunz.
Was halten Sie für die bessere Wahl, den Direkteinstieg oder das Traineeprogramm?
Manchmal denkt man zwar, der Direkteinstieg wäre aus Sicht des Kandidaten die bessere Wahl, aber man muss beachten, dass die Arbeitswelt in den Firmen eine ganz andere ist als die während des Hochschulstudiums. Das Traineeprogramm bietet eher ein geschütztes Umfeld, als es der Direkteinstieg verspricht. Der Hochschulabsolvent wird angeleitet, lernt verschiedene Stationen kennen und übernimmt kleinere Projektaufträge. Dabei wird er typischerweise durch einen Mentor praktisch betreut. Das hat den Vorteil des gestuften Einstiegs ins Arbeitsleben, der auch eine größere Fehlertoleranz seitens der erfahrenen Vorgesetzten beinhaltet. Beim Direkteinstieg dagegen sind die Risiken etwas größer, denn es werden schon nach wenigen Wochen hohe Leistungen erwartet und die Arbeitgeber vergessen schnell, dass der Hochschulabsolvent noch keine Organisationserfahrung hat. Vielmehr geht der Arbeitgeber meist davon aus, dass der Berufseinsteiger die Fachaufgaben professionell bearbeiten kann und dass er wie ein alter Hase an den Projekten mitwirkt. Wenn er dann von Vorgesetzten nicht gut unterstützt und eingearbeitet wird, ist das Risiko hoch, dass er scheitert und die Erwartungen während der Probezeit nicht erfüllt.
Das hört sich so an, als würden Sie vom Direkteinstieg abraten.
Nicht zwingend, denn der Direkteinstieg bietet die Möglichkeit, dass man sich gleich beweisen kann. Wenn man sich viel zutraut und über eine gewisse fachliche Kompetenz verfügt, dann kann der Direkteinstieg genau das Richtige sein. Aber es gibt auch andere Bereiche, in denen man erst mal die Strukturen im Unternehmen verstehen muss, die Ablauf- und Aufbauorganisation sowie die Produkte kennen lernen sollte. In dem Fall ist das Traineeprogramm dann der bessere Einstieg.
Wie haben sich die Einstiegsangebote der Unternehmen verändert?
Früher gab es sehr umfangreiche Traineeprogramme, die über den Zeitraum von eineinhalb bis zwei Jahren geführt wurden. Da ist eine Abkürzung zu erkennen, denn die Betreuung des Trainees ist für Unternehmen auch mit hohen Kosten verbunden. Trotzdem legen Firmen immer mehr Wert darauf, den neuen Kandidaten am Anfang kennen zu lernen und ihn zu testen. Verträge werden eher befristet abgeschlossen, was wiederum ein Risiko für den Einsteiger bedeutet. Der Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften ist in den nächsten Jahren aber so hoch, dass sich Ihre Leser darum wohl keine Sorgen machen müssen. Anders gesagt: Man muss schon viel falsch machen, um nach dem Trainee nicht weiter beschäftigt zu werden.
Natürlich muss man immer den Einzelfall berücksichtigen, aber wie lautet Ihre Empfehlung für den Berufstart des Absolventen, wenn er bei einem Unternehmen sowohl den Direkteinstieg als auch das Traineeprogramm wählen kann?
Ich würde eher die langsamere Gangart empfehlen, also keine großen Risiken eingehen. Gerade beim Berufseinstieg sollte man auf mehr Sicherheit setzen, denn es bringt ja wenig, wenn man schon nach ein paar Wochen frustriert ist, weil man sich völlig überfordert fühlt oder gar die Firma wechseln muss. Deshalb ist in diesem Fall das Traineeprogramm der langsamere aber sicherere Start ins Berufsleben.
In der Regel werden Trainneeprogramme eher von größeren Arbeitgebern angeboten.
Kleinere Unternehmen können gut strukturierte Traineeprogramme meistens gar nicht anbieten, wie man es von den 100 Top-Unternehmen in Deutschland kennt. Diese können sich das eher leisten und haben auch die Ressourcen. Denn, das darf man nicht vergessen, ein Traineeprogramm ist für den Arbeitgeber mit nennenswerten Kosten verbunden, die durch die Förderung der Berufseinsteiger entstehen. Dieses Investment in Mitarbeiter lässt sich nur rechnen, wenn die Programme nicht nur von Wenigen genutzt werden, sondern kontinuierlich Hochschulabsolventen rekrutiert werden.
Lassen Sie als Gegenargument für Ihre Präferenz zugunsten des Traineeprogramms gelten, dass der Direkteinstieg - sofern er gelingt - die steilere Karriere zur Folge hat?
Gerade beim Einstieg in einem mittelständischen Unternehmen gibt es die Chance, über den Direkteinstieg schnell in eigene Projekte zu kommen und Verantwortung zu übernehmen, die der Geschäftsführung oder Bereichsleitung positiv auffallen. Generell lässt sich feststellen, dass der Direkteinstieg nur dann infrage kommt, wenn man als Hochschulabsolvent den Eindruck hat, Kompetenzen, die man während des Studiums erworben hat, direkt anwenden zu können. Aber wie häufig ist es der Fall, dass ein Hochschulabsolvent direkt zu einem Leistungsträger werden kann? In jedem Fall sollte man bezüglich der eigenen Kompetenzen Realist sein .



























