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Abiturienten

Studium in der Ersten Liga

Praxis-Projekte sind spannende Lernfelder. Noch aufregender wird es, wenn der Lernort in ein Erstligastadion verlegt wird. Für die Marketingstudenten der FH Hannover besteht seit 2008 die Gelegenheit, Projekte rund um den Profi-Fußball aktiv mitzugestalten. Die Basis hierfür bildet eine innovative Kooperation zwischen Hannover 96 und der lokalen Hochschule.

 

Hochschul-Kooperation

Im  Jahr 2008 definierte Martin Kind als Vereinspräsident  das Ziel, die Erstliga-Traditionsmarke mit ihrer starken regionalen Präsenz zu einer nationalen Marke weiterzuentwickeln. Den Hauptansatzpunkt hierfür bildete zweifelsfrei der sportliche Erfolg. Dieser sollte aber begleitet werden durch eine umfangreiche Analyse der Marke und die Entwicklung wirksamer Maßnahmen zur Verbreiterung der nationalen Fangemeinde. Und hier kommt die Hochschul-Kooperation ins Spiel.

 

Mittendrin, statt nur dabei; © Prof. Schütz

Echte Highlights, statt tröger Alltag

Statt teure Dienstleister in Anspruch zu nehmen, gab die Marketingleitung des Vereins den Studenten die Gelegenheit, ihr Können unter Beweis zu stellen. Mit ihrem Tutor Peter Schütz, der an der Fachhochschule Marketing lehrt, wurde zunächst ein großes Marktforschungsprojekt umgesetzt. Über zwei Semester hinweg analysierte das Team das Image der Marke Hannover 96 aus Kunden- und Mitarbeitersicht.

Dabei gab es für die Studenten echte Highlights wie die Interviews mit den Spielern, den Hauptsponsoren und der Vereinsführung. Unvergessen sind die Gespräche der Studenten mit Robert Enke oder dem Dribbel-König Jiri Stajner. Natürlich bedeuteten auch die Stadionumfragen während der Spieltage nicht nur harte Marktforschungsarbeit, sondern ebenso spannende Unterhaltung.

 

Präsentation der Ergebnisse

Wissenschaftlicher Anspruch und Begeisterung für die Sache sind eben kein Widerspruch, sondern ergänzen sich perfekt. Entsprechend hoch ist auch der Adrenalinspiegel, wenn das Team am Ende des Semesters die Ergebnisse der Vereinsführung präsentiert. Und welche Location wäre hierzu besser geeignet als der Presseraum des Erstligisten? Seit 2008 lassen sich der Vereinspräsident Martin Kind, Marketingleiter Thorsten Meier und Markenverantwortlicher Andreas Kunle keine Präsentation entgehen. Immer wieder können die Studenten wichtige Denkanstöße geben. Die Umsetzung liegt dann in der alleinigen Verantwortung von Hannover 96.

 

Platz 1 im Fantest

Diese Form der Hochschulkooperation hat alle Elemente einer klassischen Win-Win-Situation. Hannover 96 kommt dem erklärten Ziel immer näher, eine starke nationale Marke zu werden und das kundenorientierteste Stadion der Liga zu haben. Jüngste Servicetests von Sportbild liefern hierzu eine Momentaufnahme. So landete Hannover 96 im Fantest gemeinsam mit dem 1. FC Köln auf Platz 1.

 

Mit Herrn Kind auf der Bank..; © Prof. Schütz

„Praxiserfahrung wird hier groß geschrieben“

Für die Fachhochschule Hannover wiederum sind diese Projekte eine perfekte Lernplattform und fester Bestandteil des Lehrplans. Im Bachelorstudium BWL an der FH wird Praxiserfahrung groß geschrieben. So sind zwei Praxissemester Pflichtbestandteile des Studiums. Darüber hinaus können die Studenten in zwei Praxisprojekten Credits sammeln. Während also Hannover 96 Punkte für die Bundesligatabelle gewinnt, bekommt das Marketing-Team ebenfalls Punkte gut geschrieben. Dafür winkt  zwar nicht das Spitzengehalt eines Fußballprofis, aber unschätzbare Erfahrung mit Projektarbeit. So ist es selbstverständlich, dass ein Student das jeweilige Projekt leitet.

Auch die Arbeitspakete und der Arbeitseinsatz werden eigenverantwortlich geplant. Während der Projektphase treffen sich die Studenten mindestens einmal wöchentlich zu einem Jour-Fixe. Tutor und Auftraggeber werden hierzu eingeladen, wenn das Team Rückendeckung und Sparringspartner braucht. Allerdings sollten die Betreuer ständig in den Informationsfluss eingebunden werden. Hierzu dienen die Protokolle der Team-Sitzungen.

 

VIP-Service inklusive

Natürlich gibt es auch vor der Endpräsentation eine Art Abschlusstraining. Dann wird im kleinen Kreis jedes Chart und jeder Vorschlag diskutiert. So starten die Präsentatoren mit optimaler Vorbereitung in das Finale. Wahrscheinlich hält dabei der Adrenalinspiegel der Akteure mit den Wettkampf-Werten der Profifußballer locker mit. Als Belohnung locken weitere Einladungen zu spannenden Spielen des Vereins. So dürfte das Team im Sommersemester auch einmal den VIP-Service in vollen Zügen genießen. Und ganz nebenbei rückt der Studienerfolg wieder ein Stückchen näher.

 

Schwerpunkt auf dem Service

Einen Schwerpunkt der aktuellen Projekte bildet der Stadionservice. Während in anderen Stadien der Kunde wortlos auf Mitbringsel untersucht wird, soll der Fan bei Hannover 96 erst einmal  freundlich begrüßt werden. Auch die Qualität der Speisen und die Freundlichkeit der Bedienung stehen auf dem Prüfstand. Denn jeder Kontaktpunkt mit den Kunden ist ein Augenblick der Wahrheit. Und Freundlichkeit und Herzlichkeit sollen bei Hannover 96 nicht nur den VIP-Kunden vorbehalten bleiben. Dazu tragen im Stadion auch die vielen Volunteers bei.

Diese engagierten Freiwilligen wurden von den Studenten ein Semester lang begleitet, um einen guten Service noch besser zu machen. Ebenso  testeten die Studenten die Qualität und Reaktionszeit von E-Mail-Auskünften und der telefonischen Fan-Betreuung. Das Resultat war sehr ermutigend. Doch gibt es bei 49.000 Besuchern an einem Spitzenspieltag und rund 2.000 Servicekräften im Einsatz immer etwas zu optimieren.

 

Neue Liebe Hannover 96; © Katja Buhre

Facebook als Plattform

Hinzukommen die rund 100.000 Facebook-Nutzer, die jeden Tag über ihren Lieblingsverein auf dem Laufenden gehalten werden wollen. Vor diesem Hintergrund werden dieser erprobten Kooperation zwischen Spitzensport und Hochschule nicht die Themen ausgehen. An Engagement und Leidenschaft herrscht ebenfalls kein Mangel. Viele Teilnehmer des Projekts haben im Laufe der Arbeit ihre Liebe zu Hannover 96 entdeckt. Der Blick hinter die Kulissen des Spielbetriebs hat die Verbindung zum Verein noch gestärkt.

 

Neue Liebe Hannover 96

Die Projektteilnehmerinnen Katja Buhre und Laura Kreft haben hierzu eine persönliche Botschaft für Hannover 96 formuliert:

´Niemals allein, wir gehen Hand in Hand´. Diese Zeile aus der 96-Hymne beschreibt unsere Projekttätigkeit. Die enge Zusammenarbeit zwischen Hannover 96 und unserem Team ermöglichte uns, die Spannung im Profifußball zu entdecken und im Hintergrund mitzuwirken. Damit wurde Hannovers Alte Liebe zu unserer Neuen.

(Autor: Prof. Peter Schütz; FH Hannover)

 

Peter Schütz ist Marketing-Professor an der Fachhochschule Hannover und betreut den Masterstudiengang Unternehmensentwicklung. Aus Leidenschaft schreibt er Satiren.

 

 

Prof. Peter Schütz; © Prof. Schütz

BWL an der FH Hannover

Der Bachelor-Studiengang BWL an der FH Hannover dauert acht Semester und beinhaltet zwei integrierte Praxissemester. Ein Praxissemester kann dabei auch bei den Partnerhochschulen im Ausland absolviert werden. Zur weiteren Verstärkung des Praxisbezugs sind zwei Projekte fester Bestandteile des Lehrplans. Die Studenten werden dabei von einem Dozenten betreut und bearbeiten eigenverantwortlich eine Aufgabenstellung der Partnerunternehmen.

Sie sammeln auf diese Weise wichtige Projektmanagement-Erfahrung und eine stattliche Anzahl von Credits für den Studienerfolg. Im Anschluss an das Bachelorstudium können die Absolventen den zweisemestrigen Master Unternehmensentwicklung studieren, um sich für eine wissenschaftliche Karriere zu entscheiden oder als Führungsnachwuchs zu profilieren.

 

 




Die Berufseinsteigerfrage

Gefühlschaos: Fernbeziehung, Karriere, Kinderwunsch

Die Berufseinsteigerfrage:

"Mein Freund und ich leben seit fünf Jahren glücklich zusammen. Nun hat uns der Berufseinstieg in verschiedene Städte verschlagen, sodass wir uns nur am Wochenende sehen. Wir merken beide, dass dies für die Beziehung eine Belastung ist, da wir beide das Wochenende in erster Linie zur Erholung benötigen. Beiden ist klar, dass wir wieder an einem Ort leben wollen. Beide sind wir in unseren jeweiligen Jobs zufrieden, so dass jeder vom anderen erwartet, sich zu verändern. Ich argumentiere so, dass ich den anspruchsvolleren Job mit einem höheren Verdienst habe und dieser auch nicht mehr so leicht zu finden ist. Er sagt, dass bei einer beabsichtigen Familiengründung mein Karrierevorsprung sowieso nicht mehr ins Gewicht falle, da es dann auf ihn ankomme. Ich aber möchte nach einer Elternzeit wieder arbeiten. Was raten Sie uns?", fragt Anja F. (31) aus Düsseldorf.


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In Berlin kommt alles zusammen: Verrückt- und Verruchtheit, Offenheit und Spießertum, Liebe und Hass - im deutschen Mekka für Kreative und Individualisten gibt es viel zu entdecken. Was für skurrile, poetische oder humorvolle Zettelchen und Botschaften überall in der Stadt versteckt sind, zeigt uns ...


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