
- Baby if you've got to go away, I don't think, I can take the pain, Won't you stay another day
Aber was hilft all das Jammern? Man kann doch heutzutage gar nicht mehr ohne Praktikum. Stimmt! Und glücklicherweise gibt es immer mehr Unternehmen, die erkannt haben, warum es sich auszahlt, Praktikanten gut zu behandeln. Ihre Wertschätzung zeigen sie durch die Aufnahme in ein Praktikantenprogramm, wahlweise auch Studentenbindungsprogramm oder Talententwicklungsprogramm genannt.
Studentenbindungsprogramme
Was etwas sperrig klingen mag, verspricht jedoch einige Vorteile. Ziel ist es, Studierende während und auch nach dem Praktikum zu unterstützen und ans Unternehmen zu binden. Ganz richtig: zu binden. Der oben erwähnte warme Händedruck soll eben nicht mehr das letzte sein, dass man dem Praktikanten mit auf den Weg gibt. Die Vorteile der Programme sind so vielfältig wie deren Namen. Da gibt es PolePosition, TOPAZ, KIT, ReBound, und und und.
Angeboten werden Persönlichkeitstrainings, Weiterbildungsprogramme, Auslandsaufenthalte und teilweise sogar finanzielle Förderung - wohlgemerkt über das Praktikum hinaus. "Hervorzuheben ist die hohe Flexibilität unseres Junior Trainee Programms", beschreibt Judith Strenk, Projektleiterin Recruiting bei der Peek & Cloppenburg KG Düsseldorf, die Besonderheiten des P & C Talententwicklungsprogramms, das Studierenden einerseits ermöglicht, Praxiserfahrung zu sammeln und gleichzeitig durch einen Nebenjob Geld zu verdienen. "Es gibt eine festen Module, die alle Teilnehmer in einem bestimmten Zeitraum absolvieren müssen. Vielmehr definiert jeder Junior Trainee mit seiner Betreuerin von Seiten HR je nach Curriculum, Studienverlauf und Interessensschwerpunkten ihren beziehungsweise seinen individuellen Plan. Daher ist es während des Programms möglich, Praktika in anderen Unternehmen oder Auslandsaufenthalte wahrzunehmen."
Langjährige Erfahrung mit Studentenbindung
Zwar ist ein Großteil der Programme noch sehr jung und erst während der vergangenen fünf Jahre entstanden, doch die Erkenntnis, dass ehemalige Praktikanten für ein Unternehmen von großem Nutzen sein können, ist nicht grundsätzlich neu. So existiert TOPAZ, das Studentenbindungsprogramm der Siemens AG bereits seit 26 Jahren.
Was treibt die Unternehmen an, Studierende auch über die Zeit ihres Praktikums hinaus zu fördern? "Wir möchten frühzeitig in Kontakt mit Studenten kommen und diejenigen, die sich bei uns im Haus engagiert haben, besonders belohnen", erklärt Verena Seifert, Consultant Talent Sourcing der Münchener Rückversicherung. Doch es geht beim Programm Munich ReMember nicht ausschließlich um die Belohnung der Praktikanten. "Studenten, die wir schon über längere Zeit kennen und die sich schon ein Netzwerk innerhalb der Münchener Rück aufgebaut haben, möchten wir natürlich auch nach Beendigung des Studiums gerne ins Haus holen."
Die Unternehmen sind sich einig: Der Nutzen, den sie aus den Programmen ziehen können ist erheblich und so entsteht eine klassische Win-Win-Situation. Nicht zuletzt sparen sie schließlich Kosten bei der Mitarbeitergewinnung, wenn sie nicht den Weg über eine klassische Stellenanzeige gehen. Stattdessen können sie auf hochqualifizierte Absolventen zurückgreifen, die sowohl Mitarbeiter als auch Arbeitsabläufe im Unternehmen längst kennen.
Die richtigen Mitarbeiter sind der Schlüsselfaktor für den Erfolg eines Unternehmens. Davon ist auch Andreas Lämmlein, der Leiter der adidas Group Nachwuchsprogramme überzeugt: "Studenten entscheiden sich bereits während ihres Studiums, in welchem Unternehmen sie ihre Karriere starten wollen. Dabei sind ihnen neben harten Faktoren, wie der Aufgabe und der Entwicklungsperspektive, auch weiche Faktoren, wie die Wertschätzung für Mitarbeiter, das Abeitsumfeld- und -klima wichtig. Ein Praktikum bietet genau die Chance diese Fragen zu klären und herauszufinden, ob man sich mit dem Unternehmen und den Produkten identifizieren kann. Eine frühe Bindung ist daher wichtig, um sich als 'Employer of Choice' optimal zu positionieren und die besten Studenten für das Unternehmen zu gewinnen."
Bewerbungen sind Voraussetzung
Wer jetzt denkt: "Super, da mach ich doch auf jeden Fall mit", dem muss leider gesagt sein, dass es nicht immer ganz einfach ist, Teil von PolePosition und Co. zu werden. Für den weitaus größten Teil der Programme muss man sich bewerben, wie für einen richtigen Job, und die Konkurrenz ist groß, denn die Stellen sind beliebt. Die Voraussetzungen zur Aufnahme gehen weit über gute Studienleistungen und Fachkenntnisse hinaus, die längst eine Selbstverständlichkeit sind. "Wir suchen junge Menschen, die die Fähigkeit mitbringen, in angemessener Zeit Informationen aufzunehmen, zu durchdringen und Problemlösungen zu erarbeiten", beschreibt Barbara Weidenbrück, Referentin für Managemententwicklung und Personalmarketing beim Gothaer Konzern ihre Wunschkandidaten.
"Uns ist wichtig, dass sie die eigene Position mit guten Argumenten, Nachdruck und Diplomatie vertreten, verlässlich sind und sich wertschätzend verhalten. Außerdem sollten sie sich anspruchsvolle Ziele setzen und danach streben, gute Ergebnisse zu liefern." Ob ein Bewerber alle Voraussetzungen erfüllt, entscheiden die Personaler natürlich nicht nur anhand einer schriftlichen Bewerbung. Die Auswahlverfahren für die Programme ähneln zum Teil eher einem Assessmentcenter als einer unkomplizierten Vorstellung beim Arbeitgeber. Es geht eben nicht "nur" um ein Praktikum. So werden alle Bewerber für das Siemens Programm TOPAZ genau unter die Lupe genommen. Ganz zu Beginn steht ein mindestens achtwöchiger Einsatz im Unternehmen. Konnte man seinen Betreuer durch herausragende Leistungen überzeugen, spricht dieser eine Empfehlung aus. Erst nach genauer Prüfung und bei Erfüllung aller Voraussetzungen wird der Bewerber schließlich zum Interview eingeladen.
So werden die vielversprechendsten Kandidaten herausgefiltert und mit wechselnden Angeboten bis zum Studienabschluss ans Unternehmen gebunden. Nicht selten sogar darüber hinaus, denn die Übernahmequote in eine Festanstellung kann sich sehen lassen: Sie liegt imDurchschnitt bei etwa 30 Prozent, bei Siemens sogar bei 55 Prozent und bei Peek & Cloppenburg bleiben ganze 80 Prozent im Unternehmen. Eine feste Bindung, die man als Teil der "Generation Praktikum" sicher gerne eingeht.
Dieser Artikel ist zuerst im Magazin high potential erschienen.



























