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Beratung & Prüfung

Studenten entwickeln eigene Webanwendung

Erfolgsrezepte für studentische Gründer

Seit 2006 entwickeln die Internet-begeisterten Jungakademiker Oliver Sommer und Wolfgang Huther eine Webanwendung, die mittlerweile zu einem riesigen Projekt geworden ist: mashlab. Wir baten drei studentische Unternehmensberatungen des JCNetworks, das Internet Start-up näher unter die Lupe zu nehmen und die verschiedenen Vermarktungsmöglichkeiten zu analysieren.

Wolfgang Huther und Oliver Sommer sind mit mashlab auf Erfolgskurs. © Privat

Wer der Meinung ist, Informatik und Kreativität hätten nichts miteinander zu tun, der irrt sich gewaltig. Jedenfalls ist mehr Kreativität genau der Anspruch, den der Informatikstudent Oliver Sommer und der Produzent und Journalist Wolfgang Huther an sich stellen, als sie im Jahr 2006 beginnen, eine kleine Webanwendung zu bauen. "Wir haben mit dem Konzept angefangen, als myspace bekannt geworden ist und waren fasziniert, dass man so unkompliziert eine Art Website erstellen kann.  Allerdings fanden wir, dass die dort angebotenen Möglichkeiten für eine besonders gestaltungskräftige Zielgruppe nicht ausreichen. Kreative Menschen wollen sich absolut individuell präsentieren. Unser Ziel war es, ein besseres, cooleres myspace zu kreieren", erzählt Wolfgang Huther. 

Das zunächst eher kleine Vorhaben entwickelt sich nach und nach zu einem großen Projekt. Wolfgang und Oliver treffen sich mit befreundeten Software-Entwicklern und Designern, diskutieren und  überlegen sich verschiedene Features und Funktionen.

"Wir wollten einen Website-Editor, der nicht wie ein normales Content-Management-System funktioniert, sondern mehr wie ein Print-Layout-Programm. Deshalb haben wir uns an bekannten Layout Programmen wie OmniGraffle, Illustrator oder PowerPoint orientiert. Die Anwendungen, die uns dabei am besten gefallen haben, haben wir zusammen gewürfelt und mashlab erschaffen", erklärt Wolfgang Huther, der neben diesem Projekt auch als Produzent, Hörfunkregisseur und Journalist für den Bayerischen Rundfunk tätig ist.

"Das Ziel war von Anfang an sehr hoch gesteckt: Wir wollten ein ­besseres und cooleres myspace kreieren!"

Der Name "mashlab? setzt sich zusammen aus "mash up", auf deutsch "vermischen", und "Lab" für Laboratorium, das häufig im Softwarebereich benutzt wird. Das Besondere an dem Programm ist, dass man nicht erst aufwendig eine Datenbank auf einem Server installieren, die richtigen Up-Dates durchführen und dann die Seite per FTP in den richtigen Ordner raufladen muss. Alles ist direkt miteinander verknüpft und jegliche Inhalte, die man mit dem Editor erstellt, sind genau in dem Moment online sichtbar, in dem man auf Speichern drückt. Auch um das domaine hosting, die E-Mail und den Server muss sich der User nicht kümmern. Einfach einloggen, basteln und speichern. Neuerdings ermöglicht es das Programm auch ganze Fanpages für das Internetportal Facebook zu erstellen, was vor allem für PR- und Media-Agenturen interessant ist, die Firmenauftritte auf Facebook verwalten.

Anfang 2007 nimmt die Ludwig-Maximilians-Universität München mashlab offiziell als Forschungsprojekt unter seine Fittiche. Zunächst werden die beiden Studenten durch das Exist-Stipendium des Wirtschaftsministeriums und der EU finanziell gefördert. Seit einem Jahr haben sie ihr Büro im Entrepreneurship Center am BWL-Lehrstuhl der LMU, zusammen mit verschieden anderen Teams, die ebenfalls Internet start ups entwickeln. Den gegenseitigen Austausch dieser Gruppen stufen die beiden Einsteiger als besonders wertvoll ein, da jeder vom Anderen lernen kann und man sich gegenseitig unterstützt. Durch das zentral gelegene Büro können die Beiden zusätzlich jederzeit auf das Netzwerk des Entrepreneurship-Centers zurückgreifen.

Der mashlab Editor lässt sich intuitiv bedienen. © mashlab GmbH

"Durch die Unterstützung der Universität ist eine gewisse finanzielle Grundlage natürlich gesichert. Trotzdem ist es für uns manchmal schwierig, immer dran zu bleiben. Man muss in der Lage sein, festgefahrene Richtungen auch mal zu ändern und schnelle Entscheidungen zu treffen. Teamwork und Durchhaltevermögen sind besonders wichtig, denn gefühlsmäßig schwankt man oft zwischen 'king of the world' und absolutem 'Loser' - eine richtige emotionale Achterbahnfahrt. In einem guten Team kann man sich gegenseitig sehr gut ausgleichen," erklärt Wolfgang Huther.

Oliver Sommer hat schon vor dem Abitur viel Praxiserfahrung gesammelt, da er früh pro-grammiert und Webentwicklungen erstellt hatte. Im Informatikstudium hat er gelernt, Projekte aus distanzierter Sicht und langfristig zu betrachten. Lieber lässt er sich heute bei der Problemlösung etwas mehr Zeit und macht es dafür richtig.

Auch persönlich bringt eine solche Aufgabe zahlreiche Erfahrungen, wie Wolfgang Huther ergänzt: "Das Interessante ist, dass ich jeden Tag etwas Neues dazu lerne, wie man mit Kunden umgeht oder kleine Tricks, wie man sich zum Beispiel am Telefon verhält. Gerade am Anfang war ich immer sehr aufgeregt, wenn ich mashlab irgendwo präsentieren musste. Heute macht mir das sehr viel Spaß."

Mittlerweile sind zirka 800 Personen bei mashlab angemeldet. Das Userpublikum ist bunt gemischt. Unter vielen kreativen Köpfen wie Musikern, Grafikern, Designern, Fotografen, Kunststudenten, Archtiekten, finden sich ebenso Ärzte und Restaurants. Auf Facebook haben die beiden Studenten inzwischen auch viele libanesische Fans, da der Name mashlab dort ein häufiger Nachname ist.

In der Zukunft sieht Wolfgang Huther noch großes Wachstumspotenzial für mashlab: "Besonders wichtig für die Weiterentwicklung des Programms sind uns die Nutzer-Feedbacks. Wir versuchen das Programm ständig weiterzuentwickeln und von den Usern häufig gewünschte Anwendungsmöglichkeiten umzusetzen. Für die Zukunft wünsche ich mir, weiterhin alles richtig zu machen und nicht zu früh und nicht zu spät dran zu sein."

"Kunden emotional binden"

Um wertvolle Empfehlungen für ein erfolgreiches Vermarktungskonzept zu geben, muss man zuvor Stärken und Schwächen des Produkts sowie die strategischen Ziele analysieren. Wir von prisma junior consulting haben einige Ideen mitgebracht.

Schritt 1 besteht darin derzeitige Kunden emotional an die Marke mashlab.com zu binden. Kostenlose Mitgliedschaften, exklusiver Zugang zu neuen Funktionen, enge Einbindung in ein "Was können wir besser machen"-Programm. Hier geht Commitment klar vor Gewinn. Gelingt es Multiplikatoren zu gewinnen ist die Grundlage für Schritt 2 gelegt.

VIRALMARKETING. Social Networks effizient und vor allem nachhaltig zu nutzen gelingt nur, wenn ich es schaffe DIE Zielgruppen zu erreichen, denen ich einen echten Mehrwert bieten kann. Speziell darauf abgestimmte Angebote für Mädchen, Gothic-Fans, Motorrad-Liebhaber, Silver-Surfer, - auf Subdomains wie girls.mashlab.com oder Flyer in Magazinen, helfen diese Vorteile der Anspruchsgruppe klar zu   kommunizieren. Kooperationen mit  Schüler- & Studentenzeitungen, Musik- & Szenezeitschriften sowie Fan-Communities verringern die Streuverluste ebenfalls. Neben Anzeigen sind hier auch Gewinnspiele interessant. Challenges um das beste Template zeigen zum Einen was mit dem Produkt möglich ist, zum Anderen regen sie zum Probieren an.

 Autor: Christian Waitschies

 

"Die Zielgruppe ist jung und kreativ"

mashlab ist die Plattform für einfache und kreative Webseitengestaltung, auch ohne Programmierkenntnisse. Innerhalb weniger Minuten lässt sich eine eigene Webpräsenz erstellen und veröffentlichen. Die Zielgruppe umfasst junge, aktive Menschen, die Wert auf Informationen, Kreativität und Kommunikation legen. Schneller, interaktiver Austausch und Präsentation eigener Ideen sind der entscheidende Mehrwert von mashlab. Zur Vermarktung dieses Konzepts wird zu-nächst eine regionale Segmentierung durchgeführt. Lokale Vereine, Organisationen und Einrichtungen werden gezielt angesprochen. Einen weiteren Vermarktungszweig stellen Bildungseinrichtungen dar. Dabei wird mashlab als Werkzeug, zum Beispiel im Kunstunterricht als modernes Gestaltungsmittel verwendet. Diese beiden strategischen Zweige bilden die Basis für eine Verbreitung von mashlab über regionale Grenzen hinweg und schaffen die Grundlage für überregionale Marketingaktivitäten. Diese umfassen Anzeigen in Universitätszeitschriften und Werbung in öffentlichen Räumen, zum Beispiel Kino. In Kombination mit der Ausschreibung eines Wettbewerbs zur Erstellung der besten   Homepage mit mashlab wird ein breiteres Spektrum der Zielgruppe erreicht. In Folge kann mashlab so als Massenprodukt etabliert werden, beispielsweise zur Präsentation von studentischen Clubs und Vereinen.

Autoren: Robert Hoyer und Stephan Römer sind Studenten des Wirtschaftsingenieurwesens an der BTU Cottbus

 

"Werbung in sozialen Netzwerken"

Im Folgenden geht AtM Consultants e.V., die studentische Unternehmensberatung der TU Kaiserslautern, nach der Segmentierung auf hier entscheidende Teile des Marketing-Mix ein.

Im Rahmen der Segmentierung konnten wir drei Zielgruppen identifizieren. Die Hauptzielgruppe ist für uns die junge Generation zwischen 14 und 30 Jahren. Diese besteht aus Schülern, Studenten/Absolventen und Berufseinsteigern mit geringem bis mittlerem Einkommen. Daneben wurden noch kleine und mittelständische Unternehmen, Freiberufler und Innovatoren mittleren Alters als mögliche Nutzer in Betracht gezogen. Produktpolitisch ist zur Generierung von Marktanteilen am Anfang auf die Erstkaufrate zu fokussieren. Diese setzt sich aus Erhältlichkeit, Bekanntheit und Kaufinteresse zusammen. Hieran knüpfen dann die anderen beiden wichtigen Elemente des Marketing-Mix an. Die Verfügbarkeit sehen wir bei einer Online-Applikation als unproblematisch an. Die Bekanntheit wird durch zielgruppenspezifische    Medienwahl erreicht. Neben Werbemaßnahmen auf Facebook als Hauptplattform für mashlab ist auch Werbung in anderen sozialen Netzwerken sinnvoll. Des weiteren empfehlen wir Werbung an Universitäten und Schulen sowie in Jugendmagazinen zu schalten, da so auch eine Aktivierung außerhalb des Internets stattfindet. Parallel muss das Kaufinteresse der Nutzer geweckt werden. Aufgrund des Einkommensniveaus innerhalb des Kundensegments halten wir die kostenlose Testversion für einen elementaren Bestandteil der Preispolitik. Innerhalb dieser Testversion muss durch eine Verbesserung der Anleitung in Form von Schritt für Schritt Videos der Einstieg in das Produkt erleichtert werden um eine Frustration bei Erstnutzern zu vermeiden. Eine sukzessive Preiserhöhung bei gesteigertem Marktanteil in Form von Preisdifferenzierung nach Leistungsumfang ist sinnvoll, da diese eine bessere Abschöpfung der Preisbereitschaften im Bereich der professionellen bzw. interessierten Nutzer erlaubt.

Autoren: Oliver Bundel, Georg Schöner, Steffen Schneider