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Film

So viele Jahre liebe ich dich

So viele Jahre liebe ich dich "Il y a longtemps que je t'aime"

© Alamode

Nach 15 Jahren Haft wartet Juliette, gespielt von Kristin Scott Thomas, in der Empfangshalle des Flughafens von Nancy auf ihre jüngere Schwester Léa (Elsa Zylberstein), zu der sie seit ihrer Inhaftierung keinen Kontakt mehr hatte. Bereits bei der Begrüßung fällt Juliettes völlige Emotionslosigkeit und Unfähigkeit zu sozialem Verhalten auf, das sie wie eine Mauer umgibt. Léa bringt ihre Schwester in ihr Haus in Nancy, wo sie sich mit ihrem Mann Luc und ihren zwei  vietnamesischen Adoptivtöchtern ein idyllisches Leben aufgebaut hat.

Nancy selbst und das Haus der Familie strahlen Harmonie und Geborgenheit aus. Ein weiterer Mitbewohner ist Léas Schwiegervater, der nach einem Schlaganfall nicht mehr spricht und seine Tage in der Bibliothek des Hauses verbringt. Dort findet Juliette bald einen Rückzugsort, da sie sich im Schweigen des alten Mannes wohl fühlt und die ersten Schritte aus sich heraus wagt. Léas Mann Luc ist wenig begeistert von dem zeitlich unbestimmten Aufenthalt Juliettes, da er ihr auf Grund ihrer Haft kein Vertrauen entgegenbringen kann. Den Grund für die Inhaftierung erfährt man, als Juliette bei einem Vorstellungstermin dazu gezwungen ist, ihn preiszugeben. Sie hat ihren Sohn getötet. Die weiteren Umstände der Tat bleiben jedoch bis dahin unbekannt. 

Es wird gezeigt, wie sich Juliette in ihrer wiedergewonnenen Freiheit zurecht findet und wie sie damit umgeht, sich nach 15 Jahren erneut in die Gesellschaft integrieren zu müssen. Sie hat einen Termin mit  ihrer Bewährungshelferin, geht zu einem Vorstellungstermin und trifft auf ihren Ansprechpartner bei der Polizei, Capitaine Fauré, der Juliettes innere Gefangenheit nach außen hin wieder spiegelt.

© Alamode

Nach und nach taut Juliette auf und nähert sich auch an ihre Schwester an, der die Eltern jeglichen Kontakt verboten hatten und sie als Einzelkind aufzogen. Juliette findet einen Vertrauten in Léas Kollegen Michel, da er hinter ihre Fassade blickt und es durch seine ruhige, aufmerksame Art schafft, ihr Vertrauen zu gewinnen. Auch Léas Mann kann sie am Ende für sich gewinnen. Schließlich findet Juliette eine Arbeit als medizinische Sekretärin und eine eigene Wohnung. Nun bleibt nur noch die letzte Hürde in ihrer Vergangenheit zu bewältigen - der Tod ihres Sohnes, wobei Léa ihr eine große Hilfe ist.

"Il y a longtemps que je t'aime" ist Philippe Claudels erster Kinofilm. Eine ruhige Komposition, die von ihren Bildern und Schauspielern lebt und die  Geduld und Langsamkeit des Kinos wiederbelebt.

Juliettes seelischer Zustand drückt sich in jedem einzelnen Bild des Films aus. Ihre triste, distanzierte Erscheinung, die im Laufe des Films immer mehr Farbe und Strahlkraft bekommt, sowie das zu Beginn grau wirkende Nancy, das mit dem jahreszeitlich bedingten Frühling und Juliettes Rückkehr zum Leben an Freundlichkeit gewinnt. Die Schauspielerinnen Thomas und Zylberstein greifen perfekt ineinander und jede Facette ihrer schwierigen Beziehung wird beeindruckend natürlich und unaufdringlich dargestellt.

Philippe Claudels Prioritäten liegen bei der Wahrhaftigkeit und der Vielfalt des Lebens, die er in einer großartigen Bildsprache ausdrückt. Sein Roman "Die grauen Seelen" wurde 2003 mit dem französischen Prix Renaudot ausgezeichnet. Bei der Adaption von Yves Angelo fungierte er als Co-Autor und wurde 2006 für drei Cesar Awards nominiert. Sein Regiedebüt "Il y a longtemps que je t'aime" lief 2008 im Wettbewerb der Berlinale und gewann den Preis der Ökumenischen Jury.

So viele Jahre liebe ich dich - Il y a longtemps que je t'aime

Frankreich/Deutschland 2007

Regie: Philippe Claudel

Kinostart: 13.November 2008

Darsteller: Kristin Scott Thomas, Elsa Zylberstein, Serge Hazanavicius, Laurent Grévill

 

Sonja Pfeiffer

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Dominik Graf wurde 1952 in München geboren, wo er die Hochschule für Fernsehen und Film besuchte. Als Kino- und TV-Regisseur ist er unter anderem für zahlreiche Folgen der Kriminalserien “Tatort” und “Polizeiruf” bekannt. 2011 gewann er zum neunten Mal den Adolf-Grimme-Preis und ist damit der am häufigsten ausgezeichnete Träger des begehrten Fernsehpreises. Seit 2004 ist Dominik Graf Professor für Spielfilmregie an der Internationalen Filmschule Köln und wurde 2005 zum Honorarprofessor ernannt.


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