Seite empfehlen
Drucken
Film

Sieben Tage Sonntag

Zwei Jugendliche schließen eine Wette ab. Inhalt: Wer traut sich einen Menschen zu töten?

© Timebandits Film

Für Adam und Tommek aus der Plattenbausiedlung ist der Tag wie jeder andere: langweilig. Sie betrinken sich, treffen sich mit Freunden. Bis eines Abends die beiden eine Wette eingehen. Der Einsatz: Ein Menschenleben.

Es ist der 14. Januar 1996. Ein trister Wintertag in der aschfahlen, grauen Plattenbauwüste am Rande einer Stadt. Ein Tag wie jeder andere für die beiden Jugendlichen Adam und Tommek. Eigentlich ein ganz gewöhnlicher Sonntag. Von der Sonntagsmesse klaut der Ministrant Adam Messwein, den er anschließend im Kreise seiner Clique stürzt. Wie immer betrinken sie sich, ziehen um die Häuser und lassen sich ziellos treiben.

Jeder Tag ein Sonntag

Da alle Jugendliche dort die Schule frühzeitig abbrechen, ist für die Teenager jeder Tag ein Sonntag. Gefüllt mit den gleichen Ritualen und der gleichen entsetzlichen Langeweile. Diese Jugendlichen sind im Antlitz der Gesellschaft chancenlos und ohne Perspektive. Obwohl Adam bei seiner Großmutter lebt, die sich - soweit sie es kann - auch um ihn kümmert und er ihr Respekt entgegenbringt, so ist doch die Clique sein Familienersatz. Jeden Tag wird um die Häuser gezogen, getrunken und sich angeödet.

Die Wette

Aber an diesem Sonntag haben Tommek und Adam eine bessere Idee. Während einer Party in einem leer stehenden Haus beschließen die Beiden, einen Menschen zu töten. Warum? Um zu sehen ob sie es können. Der nächste Passant, der den Weg der beiden Jugendlichen kreuzt, soll daran glauben.

Die wahren Ereignisse von Lodz

Sieben Tage Sonntag von Niels Laupert beruht auf einer wahren Begebenheit. 1996 töteten zwei polnische 16-jährige Jungen einen Passanten und verletzten einen weiteren schwer. Für ihre brutale Tat, die so völlig ohne Motiv begangen wurde und aus reiner Langeweile heraus geboren schien, wurden die Beiden zu 25 Jahren Haft verurteilt. Bis heute reklamiert jeder der Täter für sich, den Anstoß zu dieser sinnlosen Tat gegeben zu haben.

Sieben Tage Sonntag spiegelt die Perspektivlosigkeit Jugendlicher, vor allem derer in Großraumsiedlungen, in Plattenbauten wider. Die echten Täter lebten in Lodz, doch befinden sich Adam und Tommek im Film bewusst in einer architektonischen Betonwüste einer Stadt wieder, die keinen Namen trägt. Sie steht sinnbildlich für alle derartigen sozialen Brennpunkte deutscher und europäischer Großstädte. Der Film zeichnet ein sehr düsteres Bild, das natürlich der Wahrheit entspricht. Der Alltag der Jugendlichen im Film besteht aus Treffen, Rumhängen, Trinken und eben - Langeweile. Die meisten sind ohne Arbeit und haben die Schule vorzeitig abgebrochen.

Ein Film so grausam wie die Realität

Der Film lebt von seinen starken Jungschauspielern. Gerade Ludwig Trepte als Adam vermag zu überzeugen. Der einzige Kritikpunkt, den man zunächst anbringen könnte ist: es gibt nicht eine moralisierende oder erklärende Szene in dem Film. Und das bedingt sich ganz einfach aus der Sinnlosigkeit der Tat. Es gibt nichts zu erklären. Keine Moral. Keine Hoffnung. Es ist einfach passiert. Und vermutlich würde es wieder geschehen. Der Zuschauer bleibt fassungslos ob der Gewissenlosigkeit und Brutalität vor dem schwärzer werdenden Bildschirm sitzen. Und genau das ist das Ziel des Regisseurs. Sieben Tage Sonntag berührt, erschreckt und ist schwer verdaulich. Und vermittelt dadurch annähernd den Schrecken und Irrsinn der wahren Tat.

fj

 

Sieben Tage Sonntag

Regie: Niels Laupert

Darsteller: Ludwig Trepte, Martin Kiefer, Jil Funke, Karin Baal, Jennifer Ulrich

Timebandits Films

Kinostart: 05. März 2009

 

Serie: 21 Fragen

Menschen des 21. Jahrhunderts:
Rolf Dobelli, der Rastlose

21 Fragen an:

Rolf Dobelli ist der Begründer von getAbstract, dem mittlerweile größten Anbieter von Buchzusammenfassungen weltweit. Der Luzerner studierte in St. Gallen Betriebswirtschaft und promovierte an der gleichen Universität. Er war mehrere Jahre lang Finanzchef und CEO verschiedener Tochterfirmen des Swissair-Konzerns und lebte in Australien, Hongkong, England und in den USA. Vor einigen Jahren begann er Belletristik zu schreiben. Sein neuestes Werk heißt "Himmelreich".


Die Berufseinsteigerfrage

Welche Aussagekraft haben Arbeitgeber-Rankings?

Die Berufseinsteigerfrage:

Kim Reinersdorf, Biologiestudentin aus Berlin, fragt: “Auf der Suche nach dem ersten Arbeitgeber trifft man immer wieder auf Rankings, welche die Güte von Arbeitgebern messen. Ein populäres ist die Erhebung des Berliner Trendence-Instituts, das nur Studierende befragt. Können diese aber überhaupt eine Aussage über einen Arbeitgeber machen, bei dem sie noch keine wirkliche Berufserfahrung sammeln konnten? Nehmen Personalexperten solche Studien ernst und kann man sich als Berufseinsteiger wirklich an der Trendence-Studie orientieren, um die Qualität eines Arbeitgebers abzulesen?”


Serie: Netzperlen

Diese Woche: People of Walmart

Netzperlen:

Wenn man sich in den USA amüsieren will, geht man einfach in den Walmart. Warum es dieser Discounter hierzulande einfach nicht geschafft hat und nach nur wenigen Jahren wieder das Deutschlandgeschäft beendet hat - angesichts dieser Bilder kann man nur den Kopf schütteln. Wir würden sogar Eintritt za...


Serie: Studenten fragen Professoren

Welches Tier, abgesehen von Bakterien oder Viren, tötet weltweit die meisten Menschen?

Studenten fragen Professoren: Alltagsfragen

Frage: Welches Tier, abgesehen von Bakterien oder Viren, tötet weltweit die meisten Menschen?Antwort: "Ausdrücklich wurden vom Fragesteller ja nur Viren und Bakterien ausgeschlossen und nicht Einzeller. Nimmt man diese in das Spektrum auf, dann ist eindeutig der Erreger der Malaria, Variante Tropica (Plasmodium falciparum), der größte Killer und einige Arten der Anopheles-Mücke als Vektoren die wichtigsten 'Vermittler' der weit über eine Million Todesfälle pro Jahr.Nimmt man den Menschen als eine Spezies wie jede andere, was wir ja gemeinhin nicht tun – sondern uns als Krone der Schöpfung betrachtend vom riesigen Rest der Evolutionsprodukte gern weit absetzen – dann ist ganz klar, dass der Mensch für den Menschen wohl schon bis in lang vergangene Zeiten der größte Killer war und nach ...