Drucken
Karriereplanung

Selbst ist die Frau

Jeder kann ein Buch veröffentlichen? Technisch sicherlich, dafür sorgen Plattformen wie neobooks. Wir haben uns mit der Nachwuchsautorin E. T. Byrnes (Pseudonym) unterhalten und sie gefragt, warum sie diesen Weg für sich eingeschlagen hat.

Zum Glück hat sich das Handwerkszeug von Autoren stark vereinfacht - und per ebook geht es mit der Veröffentlichung auch ganz fix.
Zum Glück hat sich das Handwerkszeug von Autoren stark vereinfacht - und per ebook geht es mit der Veröffentlichung auch ganz fix.

Erst einmal herzlichen Glückwunsch zur Veröffentlichung!
Vielen Dank – auch wenn es erst mal ‚nur‘ ein ebook ist.

Ist das weniger wert?
Nein, auf keinen Fall. Aber viele der Arbeitsschritte liegen in meiner Hand und nicht extern bei einem Verlag, wie es bei Printpublikationen der Fall ist. Also war es einfach meine Entscheidung, dass das Buch nun so veröffentlicht wird und musste nicht die ganzen Prüfungen eines professionellen Verlags durchlaufen.

Direkt gefragt: Hast du keinen gefunden?
Von den zehn, die ich vor vier Monaten angeschrieben habe, hat sich nur einer mit einer Absage gemeldet. Der Rest schweigt bisher, also nein. Da war die eine Frage: Länger warten oder selbst aktiv werden? Der Selbstzweifel kommt dann natürlich auch und man wundert sich, ob das Buch vielleicht einfach so schlecht ist. Aber die andere Frage war natürlich: Warum werden insgesamt so wenige deutsche Fantasymanuskripte realisiert?

Was meinst du damit?
Schaut euch mal im Buchladen eurer Wahl um: Im Bereich Fantasy sind es oftmals Werke, die im Original im Ausland erschienen sind. Nichts gegen diese Autoren, ich lese sie selbst sehr gern! Es ist nur auffällig.

Warum gibt es deiner Meinung nach so wenige deutsche Fantasy-Autoren?
Das lässt sich nur schwer beantworten. Gibt es sie wirklich nicht oder nimmt man sie nur nicht wahr? Natürlich kennt man die Urgesteine wie Moers oder Meyer – die Frage sollte daher eigentlich lauten: ‚Warum findet man in den Läden keine heimischen Fantasy-Nachwuchsautoren?‘ Gründe kann es viele geben. Vielleicht wirklich, weil der Lizenzhandel einfacher ist – denn wenn eine Buchreihe im Ausland bereits erfolgreich war, muss quasi ‚nur‘ die Übersetzungslizenz gekauft werden. Das Risiko, dass niemand es kauft, ist folglich um ein Vielfaches geringer. Vielleicht gab es tatsächlich mal wenige Fantasy-Autoren und der geringe Umsetzungsbedarf an Manuskripten ist sozusagen historisch begründet und zu einer schlechten Tradition geworden. Oder natürlich, weil der Fantasymarkt vor dem kommerziellen Erfolg von Herr der Ringe et cetera ein Markt mit wenigen Konsumenten war. Da kann man sicherlich viel spekulieren.

Ist er denn mittlerweile groß genug, um darauf mit self publishing Geld zu verdienen?
Das weiß ich nicht, den Markt habe ich nicht im Details analysiert. Der Verdienst ist vom Preis abhängig. Je höher der ist, umso höher der Anteil für den Autor. Im Endeffekt bleiben aber rund 34 Prozent vom Verkaufspreis aktuell. Neobooks schlüsselt das aber gut auf, wie ich finde – und zwar bevor es ausgeliefert oder das ebook erstellt wurde. Andere Plattformen habe ich nicht getestet, deswegen kann ich dazu leider keine Details verraten.

Du hast dein Buch also eingestellt und dann…?
Muss ich mit meiner eigenen Marketingstrategie aktiv werden. Das Budget eines Verlags kann ich nicht in Anspruch nehmen, also liegt der Fokus auf Online: Was lässt sich leicht und kostenfrei umsetzen und bietet immer einen direkten Link auf eine Bezugsquelle?

Klingt nach viel Planung Arbeit neben der Arbeit. Lohnt es sich trotzdem?
Das werde ich sehen. Ich bin keine hauptberufliche Autorin, daher habe ich keinen großen Druck. Traumhaft wäre es natürlich schon!

Worum geht es denn eigentlich bei deinem Buch?
Annabelle ist ein 20-something mit einem bewegten Leben hinter sich: In einer alten Familie geboren, Scheidungskind, eine ausgiebige Drogenphase als Teenager und jede Menge psychische Anfälle. Als ihr Vater neu heiratet, holt dessen neue Frau, Paige, seine Tochter zurück auf den Landsitz. Dort versucht Annabelle, sich zu arrangieren. Aber ihre dunklen und blutigen Visionen hören einfach nicht auf. Dann taucht ein geheimnisvoller Mann auf, der in Paige eine Gleichgesinnte findet: Die beiden wissen, dass so viel mehr hinter Annabelles Anfällen steckt! … und mehr verrate ich nicht.

Warum hast du mit dem Schreiben angefangen?
Angefangen hat es mit Bildern im Kopf. Träumen, so könnte man es auch sagen. Als Kind habe ich mir abends immer eine kleine Geschichte ausgedacht, direkt vor dem Schlafen gehen – damit ich im Schlaf ein Abenteuer ganz nach meinem Geschmack erleben konnte. Lacht nicht, das hat wirklich funktioniert! Nach dem Master hatten die Gedanken endlich wieder die Möglichkeit, total bunt und unternehmungslustig durch mein Kopfgewölbe zu springen. Trotzdem hat es noch drei Jahre und wahnsinnig intensive Korrekturläufe gebraucht, bis das ebook bei Neobooks erschienen ist. An dieser Stelle ein riesiges Dankeschön an die weltbeste Miri K., die mir jede Seite einzeln zerlegt hat – auch wenn ich am Ende zu ungeduldig wurde. (grinst)

Du hast selbst schon Bücher rezensiert und kritisiert. Jetzt wechselst du die Seiten – was glaubst du, erwartet dich?
An sich kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass Feuerseele genau so geworden ist, wie ich es mir vorgestellt habe. Ob die Leser das genauso sehen? Ich weiß es wirklich nicht. Deswegen bin ich auf etwaige Rezensionen sehr gespannt. Es gibt unendlich viele Arten, wie man einen geschriebenen Satz auffassen kann – ich erzähle also zwar eine Geschichte, aber es kommt für jeden Leser etwas anderes an. Kritiken und Urteile sind also sehr persönlich. Wenn jemandem jetzt aber natürlich ein großer inhaltlicher Fehler auffällt, würde ich das definitiv aufmerksam durcharbeiten und für das nächste Buch berücksichtigen.

Dein kreativer Prozess hat drei Jahre gedauert. Wie hast du deine Motivation auf einem hohen Level gehalten? 
Sehr geholfen hat mir mein Redaktions-Volontariat. Es ist tatsächlich etwas ganz anderes, wenn man verschiedene Schreibarten aktiv erlernt und täglich anwendet. Dazu die absolute Hauptregel von Robert McKee, die Anna Mocikat (Autorin von MUC) mir in einem Interview mal verraten hat: Nothing Moves Forward Without Conflict. Deswegen gibt es mehr als nur eine Wand, gegen die meine Annabelle bei ihrem Überlegenskampf rennt. Mit Volldampf, selbstverständlich. Nur die Harten… 

Das nächste Buch?
Klar, mein Weg ist noch nicht zu Ende, hoffe ich zumindest! (lacht). Feuerseele ist eine in sich geschlossene Geschichte, aber die nächste Idee liegt schon vor. Die wird eher dystopisch… Keine Sorge, wie bei Feuerseele auch versuche ich, einen vollkommen anderen Hintergrund und eine anderen Plot einzuarbeiten als die gängigen Dystopien. Copy Cat sein ist nicht mein Ziel.

Das Gespräch führte Alena Hegedüs.


Das ebook "Feuerseele" ist auf den gängigen Kanälen, also etwa ebook.deweltbild.de oder amazon.de verfügbar. E. T. Byrnes ist natürlich ein Pseudonym. Die Autorin studierte in Bamberg und Bayreuth Wirtschaftswissenschaften, bevor sie als Redakteurin in die Medienbranche einstieg. Feuerseele ist ihr erstes Buch und seit Mitte Oktober 2015 ausschließlich als ebook erhältlich.




Die Berufseinsteigerfrage

Wie komme ich auf den Radar von Headhuntern und anderen Arbeitgebern?

Die Berufseinsteigerfrage:

„Ich bin seit zwei Jahren als Chemiker bei einem großen Pharmaunternehmen in einer leitenden Position tätig. Ich suche eine neue Herausforderung in den nächsten zwei bis drei Jahren, möchte aber die potenziellen Arbeitgeber auf mich zukommen lassen und nicht selbst blindwütig Bewerbungen schreiben. Was halten Sie davon, sich über Fachbeiträge zu bestimmten Branchenthemen oder über die Teilnahme an Diskussionen eine gewisse öffentliche Reputation aufzubauen, die mich über das Internet leicht auffindbar machen? Oder, anders gefragt, wie bekomme ich am besten ein öffentliches Profil als Experte, um Headhunter und neue Arbeitgeber auf mich aufmerksam zu machen? Ich rede jetzt nicht von einem anbiederndem XING-Profil, sondern von etwas mit Klasse.“ Patrick S. (30), Frankfurt


Serie: Netzperlen

Diese Woche: Notes of Berlin

Netzperlen:

In Berlin kommt alles zusammen: Verrückt- und Verruchtheit, Offenheit und Spießertum, Liebe und Hass - im deutschen Mekka für Kreative und Individualisten gibt es viel zu entdecken. Was für skurrile, poetische oder humorvolle Zettelchen und Botschaften überall in der Stadt versteckt sind, zeigt uns ...


Serie: Studenten fragen Professoren

Bei jedem sportlichen Großevent purzeln die Weltrekorde – wann ist die Grenze menschlicher Leistungsfähigkeit denn mal erreicht?

Studenten fragen Professoren: Alltagsfragen

Frage: Bei jedem sportlichen Großevent purzeln die Weltrekorde – wann ist die Grenze menschlicher Leistungsfähigkeit denn mal erreicht?Antwort: Die schnelle und einfache Antwort lautet: Vermutlich nie. Nichts spricht dafür, eine prinzipielle Grenze menschlicher Leistungsfähigkeit zu unterstellen. Das ist durchaus vergleichbar mit alten erkenntnistheoretischen Debatten: Nichts spricht dafür, eine prinzipielle Grenze menschlicher Erkenntnisfähigkeit zu unterstellen.Die umwegige und begründete Antwort könnte skizzenhaft wie folgt lauten: Sport zu treiben, ist kein bloß automatisiertes, im Prinzip kalkulierbares und insofern auch von Maschinen vollziehbares Verhalten, sondern eine kulturelle Tätigkeit. Das hat Konsequenzen in zwei Richtungen: Zum einen ist eine sportliche Leistung, insbe-sonde...