Nach zwei Kolumnensammlungen erscheint jetzt der erste Roman aus Sarah Kuttners Feder: Mängelexemplar
Sarah Kuttner ist ein Medienkind unserer Zeit. Durch diverse Fernsehsendung, wie z.B. "Sarah Kuttner - Die Show" auf Viva oder "Kuttner" auf MTV, wurde sie Deutschlandweit bekannt. Nun hat sie ihren ersten Roman verfasst, herausgekommen ist dabei: "Mängelexemplar". Es geht um eine junge Frau, die plötzlich nicht mehr Herr ihres Lebens wird und deshalb professionelle Hilfe sucht.
Karo lebt schnell und flexibel. Sie ist das Musterexemplar unserer Zeit: intelligent, liebenswert und aggressiv, überdreht und erschöpft. Als sie ihren Job verliert und nach langem hin und her ihre Beziehung beendet, helfen auch die cleversten Selbsttäuschungen nicht mehr. Plötzlich ist diese Angst da. Sie verliert den Boden unter den Füßen. Zwischen Partylaune und Panikattacken versucht Karo sich selbst zu erkennen, denn obwohl sie alles über sich zu wissen meint, ist es nicht so.
Hilfe sucht sie sich dafür bei einer Psychotherapeutin, die sie einfach "ganz schnell wieder ganz machen" soll. Nur so einfach ist das natürlich nicht. In der Therapie lernt Karo loszulassen, dass es manchmal einfach nicht mehr weiter geht, dass nicht alles eitel Sonnenschein sein kann. Doch sie tut sich schwer mit dem Sich-fühlen und droht auch nach langem In-sich-hören nicht den eigentlichen Ursprung ihres Problems zu erkennen. Und als sie sich geheilt fühlt und plötzlich wieder eine Panikattacke bekommt, versteht sie erst recht nichts mehr.
Selbstfindung, die andauert
Sarah Kuttners erster Roman "Mängelexemplar" überzeugt in vielerlei Hinsicht. Kuttner kennt diese Generation, gehört sie doch selbst dazu. Sie beschreibt in ihrem Roman ein Lebensgefühl, dass viele junge Erwachsene nachempfinden können. Sie stehen gut im Leben da, alles läuft und eigentlich sollte es nie anders werden. Das Leben wird von Freisein und Selbstbestimmheit geradezu kontrolliert. Dies mit traditionellen Werten zu vereinbaren, gelingt den Jungen Erwachsenen aber nur sehr schwer. Doch auch Karo findet Dinge wie Familie, Zusammengehörigkeit oder Liebe wichtig, auch wenn sie sie nicht ausleben kann.
Und es gibt auch Momente in denen man sich selbst nichts vorspielen kann, man ist auch einfach mal traurig und es passt einem eben nicht immer alles. Die sonst so toughe Karo ist eigentlich auch ein Sensibelchen, kann und will dies aber nicht zeigen. Liegt es an den gesellschaftlichen Umständen, an ihren persönlichen Veranlagungen oder ist es einfach der Zahn der Zeit, der sie zu einem Versteckspiel vor sich selbst zwingt? Man weiß es nicht. Letztendlich gelingt es der Protagonistin durch Augenzwinkern und bitterer Selbstkritik sich selbst wenigstens ein wenig mehr anzunehmen.
Endfazit
Dem Leser von "Mängelexemplar" gelingt es vor allem durch die Sprache, die dieses Lebensgefühl unterstützt, sich ein Bild von Karo zu machen. Den Klassiker-Leser mag sie irritieren, aber sie passt zu Karos Gefühlsausbrüchen und ihrer Mitzwanziger-Mentalität. Karo ist laut und unwirsch, was sich vor allem durch ihre vielen monologartigen Kapitel gut bemerkbar macht.
Fans von Sarah Kuttner kommen bei diesem Roman voll auf ihre Kosten. Aber auch andere Leser werden mit Karo leiden und hoffen, dass sie ganz schnell wieder ganz wird.
sp




























