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Comic

Sapristi! Tim & Struppi werden 80!

Tintin & Milou, in Deutschland besser bekannt als Tim & Struppi, feiern 2009 ihren 80. Geburtstag. Am 10. Januar 1929 trat der "pfiffige Reporter" erstmals als Zeitungsstrip einer großen belgischen Zeitung in Erscheinung. Sein Schöpfer George Remi alias Hergé hatte seiner Figur zunächst keine große Zukunft gegeben und sich auch wenig Gedanken gemacht über die Abenteuer, in die er seinen Helden gehen ließ. Pro Woche hatte er einen Strip abzugeben und oft genug wußte er selbst nicht, wie er seinen Helden aus der Bredouille holen sollte, in die er ihn eine Woche zuvor gebracht hatte.

Copyright © Hergé / Moulinsart

Im März des Jahres 1983 verstarb Hergé. Zwischen diesen Zeitpunkten entstanden 23 Alben und ein weiteres Fragment - in einer Gesamtauflage von mehr als 200 Millionen Exemplaren. 

Das Erfolgsgeheimnis der Comicreihe besteht vermutlich in der Schaffung eines ganz eigenen Kosmos und im Zusammenspiel von Wandel und Kontinuität. Der Reporter mit der kessen Tolle hat sich in den Jahren seines Daseins äußerlich kaum verändert. Kein fester Job, keine Freundin, keine Familie störten jemals den Ablauf seiner Abenteuer. Sein weitgehend neutrales Gesicht alterte nicht und bot gerade in seiner Gesichtslosigkeit eine ideale Identifikationsfläche. Jeder Junge, jedes Mädchen auf dem Erdball konnte problemlos in die Abenteuer eintauchen und darin aufgehen. Gleichwohl veränderte sich die Serie an sich. Gerade die drei ersten Abenteuer trieften aus heutiger Sicht vor Vorurteilen, Klischees und Gewalt. Im Lande der Sowjets traf der pfiffige Reporter auf den bösen Ivan, schoss im Kongo im Kolonialherrenstil die halbe Serengeti leer und deckte in Amerika mafiöse Machenschaften auf. 

Aufruf zur sorgfältigen Recherche

Rechtzeitig bevor Tintin jedoch in den Bannkreis der Gelben Gefahr trat, ermahnte ihn der Leserbrief eines Universitätsgeistlichen nachdrücklich zu einer sorgfältigen Recherche. Nur zu gerne nahm der junge Zeichner und Autor dessen Angebot an, sich mit einem chinesischen Austauschstudenten zu treffen. Diese Begegnung, die in einer engen und längjährigen Freundschaft mündete, sollte sein kommendes Werk nachhaltig verändern. Er zeigte im folgenden Abenteuer ein realitätsnahes Bild von China und war sich auch nicht zu schade, im Album selbst sein ursprüngliches Unwissen selbstkritisch zu karikieren. Hergés neugewonnener Freund fand sich übrigens in der Figur des jungen Chinesen Tschang wieder. 

"Mein einziger Rivale ist doch eigentlich nur Tintin." Charles de Gaulle, ehemaliger französischer Staatspräsident. © Office of War Information, Overseas Picture Division

Die Liebe zum Detail - trotz des plakativen Zeichenstils, der als Ligne Claire zahllose Zeichner beeinflussen sollte - und eine unglaubliche Suche nach Perfektion sollte seine Arbeit in der Folge kennzeichnen. Als es möglich wurde, koloriert zu drucken, zeichnete er acht der ersten Abenteuer neu - auch um kleine Fehler und Unsauberkeiten beseitigen zu können. So existieren vom Band "Die schwarze Insel" drei zum Teil sehr unterschiedliche Fassungen.

Tim erhält schillernde Nebenfiguren

Gleichzeitig bereicherte er die Serie um eine Reihe schillernder Nebenfiguren wie den herrlich vulgären Kapitän Haddock oder den schrulligen Professor Bienlein, die das Bedürfnis der Leser nach einer guten Portion Anarchie  befriedigten und so einen Gegenpol zum in jeder Richtung abstinenten Tim bildeten. 

Äußerlich nahezu unverändert, wandelt sich Tim vom Reaktionär zum Revoluzzer

Äußerst straight blieb der Reporter auch in seiner Kleidungswahl. Brauner Knickerbockeranzug, braune Schnallenschuhe, Trenchcoat, weißes Hemd und wahlweise gelber oder blauer Pulli. Durchaus eine Kombination, die einen durch das Leben bringen kann, meinte nicht nur die Süddeutsche Zeitung, die den Reporter jüngst als Stilikone feierte. Das letzte veröffentlichte Abenteuer markierte noch einen Wendepunkt im ?Leben? Tintins. Zum ersten Mal durfte der Held Jeans statt der alten Knickerbocker tragen - natürlich ebenfalls braune - aber immerhin. Und er schloss sich südamerikanischen Guerillas an - er, der als Kolonialherr gestartet war. 

Ende der Abenteuer durch den Tod Hergés

Mit dem Tod Hergés endeten die Abenteuer. Kein Zeichner der franko-belgischen Garde hätte es gewagt, oder wäre auch nur auf den Gedanken gekommen, würdig zu sein, die Serie weiterzuführen. Auch das letzte unvollendete Abenteuer "Tim und die Alpha-Kunst" erschien nur in Fragmentform - mit den Vorzeichnungen und dem Szenario des Meisters.

Ganz unangetastet blieb sein Kosmos jedoch nicht. In zahlreichen Plagiaten, die Hergé zu Lebzeiten immer ein großer Dorn im Auge waren, kiffte, soff und vögelte sich der Reporter fortan durch sein Universum. Sofern diese Nachahmungen die Eigenheiten der Serie so geschickt aufnahmen wie es in dem Album "Tim in der Schweiz" der Fall war, boten die unter dem Ladentisch angebotenen Hefte durchaus Amusement, konnten jedoch natürlich nie ein Ersatz für weitere heißersehnte Geschichten sein. Jeder Tintinologe kann also nur weiterträumen - von einem in den Kriegwirren verloren gegangenen Abenteuer ...

War da nicht noch was? Ein Kinofilm von Spielberg!

Schon vor einigen Jahren kündigte Regisseur Steven Spielberg an, als eines seiner kommenden Projekte die Comicreihe "Tim und Struppi" zu verfilmen. Ersten Planungen zufolge hätte Spielbergs Lieblingsprojekt bereits längst in den Kinos anlaufen sollen, terminliche Schwierigkeiten hätten dies allerdings verhindert. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten ist jetzt aber doch noch offizieller Drehbeginn des 3D Motion Capture Films Tim und Struppi "Das Geheimnis der Einhorn". Der unerschrockene Reporter wird dabei von Jamie Bell (Billy Elliot - I will dance) verkörpert. James Bond-Darsteller Daniel Craig mimt den ruchlosen Red Rackham.

Regie führt Steven Spielberg, doch soll Das Geheimnis der Einhorn nicht das letzte Abenteuer für Tim und Struppi auf der großen Leinwand werden. Geplant sind wenigstens zwei Fortsetzungen, für die dann Herr der Ringe Regisseur Peter Jackson zur Verfügung stehen soll. Man darf also gespannt sein.

David Lins

 

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