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Zeitgenössische Literatur

Raus aus der Lethargie

Ein moderner Roman über Selbstfindung und Erwachsen werden, zu einem Zeitpunkt, wo man es eigentlich schon sein sollte.

Berlin Verlag
Berlin Verlag

Der Endzwanziger Max Flieger ist seit kurzem Lehrer, doch noch immer sitzt er am liebsten lethargisch auf der Couch und schaut Tierfilme. So verbringt er auch seine Sommerferien, bis ihn der Anruf seiner Eltern erreicht: Sie fahren in Urlaub und er soll in dieser Zeit Haus und Hund hüten. Also macht er sich auf den Weg in die süddeutsche Provinz, dorthin, wo er aufgewachsen ist. In seinem Heimatdorf wird er mit Kindheitserinnerungen konfrontiert, denn seine Jugendliebe Maria und sein alter Freund Jan sind auch wieder dort und leben gemeinsam in einer Kommune. Das führt ihn zu den altbekannten Fragen. Geht da noch was? Zwischen uns? Zwischen ihnen? Ein Schicksalsschlag reißt ihn schließlich aus seinem Trott und führt ihn über Kreta bis nach New York und schließlich auch zu sich selbst.

Kritik

Die Sprache ist klar, ruhig und die Erzählweise sehr unaufgeregt. Trotz des flüssigen Schreibstils  gerät man vor allem am Anfang beim Lesen jedoch immer wieder ins Stolpern. Der Text gliedert sich in sehr kurze Absätze und mit jedem Absatz macht auch der Handlungsverlauf einen Sprung. Eben war er noch in der Küche, jetzt ist er mit dem Hund spazieren und schon liegt er wieder auf der Couch. So geht es über lange Strecken und alles wird mit nur wenigen Sätzen abgehakt. Das  macht es dem Leser anfangs etwas schwer, wirklich in die Geschichte einzutauchen. 

Die Handlung selbst plätschert gemächlich vor sich hin und der Leser folgt dem Ganzen als unbeteiligter Beobachter, den die postpubertäre, sexuelle Selbstfindung des Protagonisten nur bedingt berührt – bis der Knall kommt. Eigentlich sollte man spätestens hier wirklich Teil haben am Schicksal von Max, den ein harter Schicksalsschlag trifft. Von Natur aus eigentlich ein emotionales Thema, doch der Leser bleibt weitgehend auf Distanz, fühlt vielleicht mit, aber wird nicht wirklich getroffen, weil die Sprache so ruhig und glatt bleibt wie bisher. 

Man folgt Max also auf seinem Selbstfindungstrip, auf dem er sich mit seiner Vergangenheit auseinander setzt. Er bricht aus seinem bisherigen Leben aus, über das der Leser kaum etwas weiß, außer, dass Max nie wirklich glücklich damit war. Aber was heißt das schon bei jemandem, der einfach vor sich hinlebt. Er war wohl auch nie wirklich unglücklich damit, zumindest nicht genug, um etwas dagegen zu tun, um überhaupt irgendetwas zu tun. 

Die Reise geht nach Kreta und später nach New York und der Leser kommt etwas näher an Max heran, immerhin tut er jetzt etwas, nimmt sein Leben in die Hand. Wird wirklich erwachsen, obwohl er es eigentlich schon sein sollte. 

 Als Leser ist man durchaus am Schicksal von Max interessiert, auch wenn nie wirklich infrage steht, dass er am Ende zu sich selbst finden wird. Trotz der Distanz kann man sich immer wieder mit ihm identifizieren, kennt die Situationen vielleicht sogar selbst. Allerdings bleibt davon nicht viel, wenn man das Buch schließlich weglegt. 

Nette, kurzweilige Unterhaltung, bleibt aber hinter den Erwartungen zurück.


Leonie Herr (academicworld.net)

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9,99 Euro. Berlin Verlag




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