Philippe Dijan, "Erogene Zone"
Niemand kann eine Frau lieben und gleichzeitig einen Roman schreiben. Soll heißen: einen wirklichen Roman schreiben, eine Frau wirklich lieben. Philippe Dijan hat es versucht. Und ist um ein paar Illusionen ärmer geworden. Dafür ist er einem leicht perversen, ziemlich intelligenten Mädchen begegnet. Er hat (wenig) gegessen. Er hat (viel, vor allem Bier) getrunken. Sich Joints gedreht. Musik gehört. Gelesen und gelesen. Er hat Blut und Wasser geschwitzt. Er hat den Kopf zwischen den Händen vergraben, unter einem Kopfkissen, und in heller Verzweiflung zwischen den Beinen junger, rätselhafter Frauen. Er ist dem Geld nachgerannt, den Frauen, den Wörtern. Er hat sein Bestes gegeben. Er hat ein Buch geschrieben. Ungekünstelt, unprätentiös hat er das Unbeschreibliche beschrieben. Das Leben. In all seiner Derbheit, Schlichtheit und Hoffnungslosigkeit.
In diesem Roman entführt Djian den Leser auf eine rasante Fahrt der Gefühle und Erlebnisse. Schon auf den ersten Seiten fällt dem Leser der etwas "andere" Schreibstil auf, der am Anfang durch seine ungenierte Realitätsdarstellung etwas irritierend wirkt. Jedoch ist es im Endeffekt genau diese Einzigartigkeit des Stils, die es Djian ermöglicht, jeden in seinen Bann zu ziehen und die Erlebnisse und Emotionen auf den Leser überspringen zu lassen.
Dieser Roman ist eine hervorragende Gelegenheit das Leben durch die Augen eines Schriftstellers Mitte dreißig zu sehen, der sein Leben nur in Notfällen ernst zu nehmen scheint und bereit ist, jeden Augenblick vollständig und bis zum Ende auszukosten. Die grobe Darstellung seines Liebeslebens und das seltene Erwähnen von Gefühlen, suggeriert eine emotional abgestumpfte Hauptfigur, die jedoch durch ihre Handlungen immer wieder klar macht, wie wichtig die zwischenmenschlichen Beziehungen in Wirklichkeit sind, wie wenig an materiellen Dingen und wie viel an ehrlichen Gefühlen und dem Verständnis seines Selbst man zum Glück benötigt.
Ein wenig Zynismus, eine Prise Arroganz und eine gehörige Portion Lebensdurst, zeichnen diesen eigensinnigen Roman aus. Der Leser begibt sich auf eine Irrfahrt von Höhen und Tiefen, rast durch die volle Bandbreite der Gefühle, und entdeckt sich in einer erotisch angehauchten Atmosphäre ohne jegliche Spur von Romantik, aber mit viel Sinn für das Extreme und Aufregende.
Tatiana Kovalenko
Philippe Dijan
Erogene Zone
Diogenes Verlag
Preis: 9,90 Euro



























