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Film

Paul - Ein Alien auf der Flucht

Vorsicht: Freilaufende Aliens! Zuerst ein Besuch der Comic-Convention in Kalifornien, dann mit dem Wohnmobil durch den amerikanischen Südwesten zu den legendären Stätten vermeintlich extraterrestrischer Begegnungen und als Höhepunkt ein Meet & Greet mit einem echten Alien. So sieht er aus, der Traumurlaub für Comic-Geeks.

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© Universal Pictures Switzerland

Richtig wohl fühlen sich die Freunde Graeme und Clive nur unter Orks, gerne auch zusammen mit einem gestandenen Stormtrooper oder gar Prinzessin Leia. Ihr Paradies auf Erden ist die Comic-Con, wofür sie sogar den vertrauten Heimatplaneten England verlassen und sich in weit entfernte, fremde Welten begeben, nämlich nach San Diego in den U.S.A. Weil hier fast gleich um die Ecke "America`s UFO Heartland" liegt, mieten sich die beiden Sci-Fi-Fans ein Wohnmobil, um im Anschluß an das elysische Convention-Erlebnis zu den Alien-Hot Spots zu reisen. Das Tikaboo Valley, Area 51, Highway 375 ("Extraterrestrial Highway"), Roswell... es könnte so schön sein, wären ihnen nicht zwei debile Rednecks auf den Fersen, deren Zorn sie sich mit einem unglücklichen Mix aus E.T.-Milchshake und Auffahrunfall zugezogen haben.

Ihr nächster nächtlicher Beinahe-Crash fällt in Form einer unheimlichen Begegnung der dritten Art weitaus schicksalhafter aus. Während Graeme und Clive noch am Straßenrand nach dem vermeintlichen Unfallopfer suchen, glimmt etwas in der gewaltigen Dunkelheit der Wüste auf, fängt zu sprechen an und tritt mit Zigarette, Shorts und Flip-Flops ins Licht bzw. in ihr Leben: Paul. Graeme verschlägt es die Sprache, Clive kippt in Ohnmacht. Dabei sollte beiden ein derartiger Anblick vertraut sein, sieht Paul doch wie ein durchschnittliches Alien aus, nämlich klein, schmal, grau, mit großem Kopf und dem hinreißendsten Augenaufschlag diesseits der Galaxis. Einem solchen Anhalter, übrigens ein Flüchtender mit dem FBI im zarten Nacken, kann niemand widerstehen, weshalb erst der Aufkleber "Alien on Board" vom Wohnwagen gerissen und dann mit Paul die Kurve gekratzt wird.

The Truth is Out There

 

"Paul", eine frische, schräge Science-Fiction/Buddy-Komödie, spielt auf ebenso humorvolle wie saloppe Weise mit (gesellschaftlicher) Wahrnehmung. Wer hier genau das Alien ist und wer nicht, läßt sich nur schwer unterscheiden. Schon Graeme und Clive, als Engländer in Amerika sowieso Fremde, wirken grenzwertig, sind zur einen Hälfte Nerds mit sozialer Schlagseite, zur anderen Comic-Geeks mit unilateraler Interessenausrichtung, im Ganzen betrachtet Freaks mit einem Hang zur Frisuren- und Realitätsverweigerung. Aber ausgesprochen sympathisch! So gesehen passen sie perfekt zu dem lausbübischen, tendenziell vulgären Paul, der zwar keine nennenswerten Manieren neben seinem losen Mundwerk hat, aber das mit ungenierter Lässigkeit, liebenswertem Wohlwollen und liberaler Geselligkeit wettmacht. Er ist der putzige Punk unter den Aliens, gewissermaßen "Mr. Cool Cat of the Universe". Im Original von Seth Rogen gesprochen, leiht ihm in der deutschen Synchronisation übrigens Bela B. höchstselbst mit trockenem Understatement seine Stimme. Falls Paul ein Herz hat, was man bei diesen Wesen nie so genau weiß, schlägt es jedenfalls am rechten Fleck.

Ähnliches ließe sich über Graeme und Clive sagen, kongenial zwischen infantil-sorgloser Vergnügtheit und erstaunlich effizienter Inkompetenz gespielt von Simon Pegg und Nick Frost. Bekannt aus "Hot Fuzz" und vor allem dem begnadeten "Shaun of the Dead" haben die beiden britischen Komödianten diesmal zusammen ein Drehbuch geschrieben, das sowohl als Parodie auf als auch Hommage an jene funktioniert, die "out of this world" sind. Freilich fehlt der Persiflage auf den Sci-Fi-Hype jener geniale "Shaun"-Funke, weil die in "Paul" aufgegriffenen Themen wie Ufo-Hysterie, Waffenmanie oder Bibelbesessenheit wenig satirisches Potential bergen, sind sie doch längst eine Karikatur ihrer selbst. Gleichwohl sorgen unbefangener Dialogwitz, drollige Gags und der kuriose Plot voller Filmzitate bzw. -anspielungen für herrlich entspanntes Kinoentertainment, das den Freigeist jenseits aller sozialen Konventionen feiert. Erwachsensein kann schließlich jeder, aber ein Alien mit Pistazienneurose hat den Charme des Unreifen.

 

 

Graeme Willy (Simon Pegg) und Clive Collings (Nick Frost): beste Freunde, hartgesottene Nerds und unverbesserliche Comic-Junkies; © Universal Pictures Switzerland

I Want to Believe

Leichthändig setzt Regisseur Greg Mottola die schlichte, dennoch lustige "Alien meets Aliens"-Story als dynamisches Roadmovie mit spezieller außerirdischer Note um. Nie will er die stilbildenden cineastischen Vorbilder einfach kopieren, sondern wählt stets den Umweg über das parodierende oder ironisierende Moment, indem er kindisch-verspielten Eskapismus zum Lifestyle erhebt. Dabei offenbart er ein gutes Timung für Situationskomik und Sinn für treffende Details. Ob es der T-Shirt-Look zwischen Pro-Star-Wars- oder Anti-Darwin-Motivik ist, sich Klingonisch-Kenntnisse als überlebensnotwendig erweisen, Bibelfestigkeit in einem "Bullet in a Bible"-Szenario kulminiert oder ob die Sci-Fi-Heroine Sigourney Weaver einen imponierend martialischen Auftritt in voller Abendgarderobe hinlegen darf ? mal frech, mal subtil lugt überall die Popkultur hervor, erweist sich als dramaturgischer Motor des Films, ja überhaupt als treibende Kraft moderner Zivilisation. Selbst Paul konnte seinen Teil dazu beitragen. Seitdem er, ein lausiger Pilot mit denkwürdiger Landeschwäche, mit seinem Ufo 1947 abgestürzt und in Militärhand gefallen ist, hat er stetig mit den Menschen zusammengearbeitet. In einer Rückblende wird enthüllt, daß er beispielsweise maßgeblich an der Entwicklung des Klassikers "E.T." beteiligt war. Was hätten die "Akte X"-Macher für eine solche Information gegeben!

Watch the Skies

Momentan allerdings befindet sich Paul, der trotz seiner Fähigkeiten zum Heilen und Unsichtbarmachen an Wert für die Regierung verloren hat, auf der Flucht. Mit Graeme und Clive kurvt er Richtung Devil`s Tower in Wyoming, wo ihn sein Mutterschiff wieder auflesen soll. Während das kauzige Trio versehentlich die bigotte Ruth (reizend verhuscht: Kristen Wiig) vom Campingplatz entführt, wird die Schlange ihrer Verfolger immer länger. Neben den beiden reaktionären Südstaatlern ist da noch dieser undurchsichtige Special Agent Lorenzo Zoil (wie immer ein zuverlässiger Nebendarsteller: Jason Batemen), in dessen Schlepptau zwei närrische FBI-Leute (Bill Hader, Joe Lo Truglio) auf ihre berufliche Chance hoffen, und zusätzlich hat sich Ruth` fanatischer Vater (John Carroll Lynch) samt Bibel und Gewehr dem Trupp angeschlossen. Für diese explosive Mischung aus Sonder- und Erdlingen ist selbst die Wüste zu eng.

Den Drive des Anfangs kann und will der kurzweilige Film nicht durchhalten, nimmt sich zwischenzeitlich etwas zurück, um dann beim Showdown zu sarkastischer Hochform aufzulaufen. Der Road Trip endet in einem Feuerwerk, und alle, die es verdienen, bekommen ihr Happy-End. Selbst auf Graeme und Clive wartet zuletzt wohlverdienter Applaus sowie ein Ewok-Groupie. Und Paul? Der wird natürlich gerettet, denn auch wenn dieser kleine anarchische Kerl, der mit betonter Gelassenheit im Alleingang alte Hippie-Ideale wiederaufleben läßt, komplett computeranimiert ist, wirkt er derart lebensecht, daß man ihn einfach mögen muß. See you in space!

(von Nathalie Mispagel, # 1 Filmexpertin auf academicworld.net)

Hallo! Sie kennen uns sicher noch aus Filmen wie "Shaun Of The Dead" oder "Hot Fuzz"
© Universal Pictures Switzerland

PAUL - EIN ALIEN AUF DER FLUCHT


Regie: Greg Mottola
Drehbuch: Simon Pegg und Nick Frost
Produktion: Tim Bevan, Eric Fellner, Nira Par
Darsteller: Simon Pegg, Nick Frost, Jason Bateman, Kristen Wiig, Bill Hader, Blythe Danner, Joe Lo Truglio, John Carroll Lynch, David Koechner und Sigourney Weaver
 
Ab 14. April 2011 im Kino!
 
http://movies.universal-pictures-international-germany.de/paul/
 

Nathalie Mispagel lebt in Hassloch bei Frankfurt und studierte zunächst Jura. Nach dem 1. Staatsexamen wechselte sie zur Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft und zu Filmwissenschaft, erwarb ihren Magister und wurde dann in Komparatistik promoviert. Die leidenschaftliche Cineastin schreibt seit zwei Jahren Filmkritiken für academicworld.net.

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Seine Schauspielausbildung absolvierte er an der Schauspielschule "Die Etage" in Berlin. Seitdem wirkt der 35-jährige sowohl in Kino- als auch in Fernsehfilmen und -serien mit. Mit dem Film L’auberge espagnole von 2002 reüssierte er international, und auch die Fortsetzung L’auberge espagnole – Wiedersehen in St. Petersburg brachte ihm noch einmal Kritikerlob in seiner Rolle des Deutschen Tobias. Daneben spielt Metschurat auch Theater, unter anderem unter der Regie von Peter Zadek.


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