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"Ohne Drama bleibt meine Tinte trocken"

Helen Walsh hat ein neues Buch geschrieben. In ihrem Debutroman "Millie" arbeitete sie ihre Jugend in Liverpool auf, die bestimmt wurde von Drogen und Sex. Das Werk wurde ein Bestseller. Nun hat sie ein neues Buch geschrieben. In "Ich will schlafen" hat sie sich wieder ein schwieriges Terrain gesucht. Beim academicworld-Interview schien sie ziemlich aufgeweckt.

© Jenny Lewis

Vor sechs Jahren, du warst 28, hast Du in einem Interview gesagt, deine Jugend wäre bereits vor sechs Jahren zu Ende gewesen. Und dass du dich so müde fühlen würdest, als wärst du 40 oder 50 Jahre alt. Wie fühlst du dich heute?

Das erste Mal in meinem Leben fühle ich mich so alt wie ich bin und ich fühle mich wohl in meiner Haut. Ich beschwere mich nicht mehr über meine Vergangenheit und brauche auch keine verrückte Zukunft, sondern ich genieße den Augenblick. Ich habe keinen Lebensplan. Keine Bestimmung für die Zukunft, keine Rente, keine Hypothek. Ich lebe von Tag zu Tag. Ich habe meinen Sohn. Mein Schreiben. Die Freiheit aufzustehen und den Gipfel eines Berges zu besteigen oder mit dem Zug nach Paris fahren, wenn ich Lust dazu habe. Ich betrachte nichts davon als selbstverständlich.

Ein exzessives Leben, Alkohol, Drogen, postnatale Depressionen - dein Leben ist kein Spaziergang, aber dafür sehr inspirierend ...

Ich neige dazu aus meinem Inneren, aus meiner Erfahrung zu schreiben. So macht die Welt für mich einen Sinn. Wenn mein Leben ruhig und ohne Drama verläuft, dann ist meine Tinte trocken.

Hast du eigentlich geplant, Autorin zu werden oder ist das einfach "passiert"?

Als ich acht war, versuchte meine damalige Grundschullehrerin, Mrs. Lunt mein erstes Buch "Das letzte Einhorn" zu veröffentlichen. Fiktion war schon immer mein Steckenpferd - sogar als rebellischer Teenager, ich war hervorragend in Englisch und besonders in kreativem Schreiben. Ich hatte ein kurzes Verlangen Psychiater zu werden und ich habe einige Zeit als Sozialarbeiter mit  abgehängten Jugendlichen gearbeitet. Diese beiden Berufe sind nicht so unterschiedlich zum Schreiben, denn auch hier musst du in einer bestimmten Art auf die Welt blicken, durch eine kritische, mehrdimensionale Linse.

Kannst du dir vorstellen, nochmal 18 Jahre zu sein?

Ich bin froh, dass ich in einer Welt ohne Facebook und Twitter aufwuchs. Ich hatte kein Handy, als ich ein Jugendlicher war. Ich mochte die Anonymität, die es mir ermöglichte, mich immer wieder selbst neu zu erfinden - meine unterschiedlichen Gesichter. Ich konnte viel experimentieren, mit meiner Sexualität und verschiedenen Identitäten, aber ohne die Angst an sie gebunden zu sein. Jetzt ist es viel schwieriger deine Vergangenheit zu überwinden. Du bist allgegenwärtig. Du hast ein "Profil". Natürlich kannst Du dein Profil verändern und anpassen, aber es ist alles da, gespeichert als Beweis auf der Festplatte des allgemeinen Bewusstseins.

Und was wäre, deiner Meinung der größte Unterschied? Wie hat sich England in dieser Zeit verändert?


Ich hatte Glück, dass ich unter einer Regierung aufgewachsen bin, die Bildung und Wissen förderte und mir ermöglichte zu studieren. Ich sehe in letzter Zeit so viele Menschen, die auf Grund der finanziellen Begleiterscheinungen, nicht in den Genuss einer höheren Bildung kommen. Ich kenne viele junge Leute, die ihre Eltern nicht belasten möchten und deswegen einen anderen Weg einschlagen. Ich hatte auch Glück, dass New Labour, trotz all ihrer Fehler, sich den Künsten und Geisteswissenschaften verpflichtet fühlte und wirklich verstand, welche gravierenden Vorteile eine kulturell aufgeklärte Gesellschaft zu bieten hat.

Heutzutage ist es cool, gut in der Schule zu sein. Soweit ich weiß, warst du eine ausgezeichnete Schülerin. Hat dich das in den neunziger Jahren zum Außenseiter gemacht?

Ja, das hat es. In den letzten Jahren meiner High-School Zeit, als ich vierzehn, fünfzehn war, war ich ein schrecklicher Rebell. Aber dann wurde ich als Gelehrter wiedergeboren. Ich war der Außenseiter an der Uni. Ich wollte lernen wie verrückt. Ich bewunderte meine Professoren. Ich war der Streber, der in der ersten Reihe saß, immer mitschrieb und die Kommilitonen böse anschaute, die ihr Telefon nicht ausgemacht hatten. Ich sehe keinen Sinn darin, in die Uni zu gehen wenn man nicht wirklich studieren will. Natürlich, war das für viele eine Möglichkeit sich zu entwickeln - sozial, emotional. Ich denke ich hatte einen Entwicklungssprung als ich mit der Uni anfing - da war ich bereits 21 Jahre alt - dass ich mich ganz darauf konzentrieren wollte zu lernen. Das letzte was mir durch den Kopf ging, war in den Club zu gehen und meinen Kopf zu verlassen. Das kannte ich damals bereits seit acht Jahren.


Helen Walsh. Ich will schlafen

19,99 Euro, Kiepenheuer & Witsch Verlag

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