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Nonnen auf Abwegen

"Die Nonne begann das Gebet. Die Geißel hob und senkte sich präzise und kraftvoll. Sie züchtigte die Haut, ohne sie zu zerreißen. Catalina ertrug den heftigen Schmerz und antwortete mechanisch auf die Litaneien, während ihr die Lederriemen der Peitsche zusetzten, doch über ihre Lippen kam kein einziger Seufzer. Stärker als ihr Leid und Kummer war das sie überwältigende Gefühl der Rebellion gegen die Ungerechtigkeit."

Hinter Klostermauern im Spanien des 17. Jahrhunderts - kein Zuckerschlecken © Jens Bredehorn/pixelio.de
Hinter Klostermauern im Spanien des 17. Jahrhunderts - kein Zuckerschlecken © Jens Bredehorn/pixelio.de

Folgenschwerer Tauschhandel

Spanien, 17. Jahrhundert, zur Zeit der Inquisition. Der Begriff der Ungerechtigkeit wird im Laufe der Geschichte für die Protagonistin immer wieder eine tragende Rolle spielen. Schon als Kind wurde sie ihrer Mutter brutal entrissen. Da diese bereits drei Töchter zur Welt gebracht hatte und sich in ihrer Not der Priorin des Benediktinerklosters angeschlossen hatte, in dem sie ihr Kind zur Welt bringen sollte, beschloss die Nonne kurzerhand das unerwünschte Mädchen gegen einen Jungen zu tauschen. 

Diese spektakuläre Vertauschungsaktion war bis ins kleinste Detail geplant und versprach erfolgreich zu verlaufen. Eine Mutter wurde getäuscht, einer anderen gesagt, ihr Kind sei gestorben. Denn für das Mädchen hatte man ganz andere Pläne als ein bürgerliches Leben. Ihr Schicksal schien besiegelt. Sie sollte im Kloster aufwachsen und später als Nonne dem Benediktinerorden beitreten. Doch wird diese Lüge wirklich für immer verhüllt bleiben? Oder wird sie womöglich doch aufgedeckt werden können? 

Das Problem eines standhaften Gemüts

Die junge Catalina wächst also anfangs wie geplant im Kloster auf. Relativ bald jedoch wird ihr standhaftes Gemüt beklagt, die Unlust, sich mit Latein und Gebeten zu befassen und ihr lebhaftes Interesse an Jungenspielen. Besonders mit zunehmendem Alter erscheint die Zeit im Kloster für das junge Mädchen immer unerträglicher. Eines Tages wird sie sogar in eine Strafzelle gesperrt, umgeben von Eisengittern. 

Als Leser stößt man auf zahlreiche irreführende Glaubensüberzeugungen der damaligen Zeit. So darf Catalina beispielsweise nicht mit der linken Hand schreiben, denn es ist die Hand des Bösen. Als ihre erste Periode einsetzt, wird sie für die "Blume des Bösen" in ihrem Körper durch Bußpflichten und Peitschenschläge brutal bestraft.

Catalina sieht nur noch eine Möglichkeit: Sie muss dieses Kloster unbedingt verlassen. Darum verkleidet sie sich als Junge und flüchtet entgegen aller Gefahren, die ihr dadurch bevorstehen. Wenig später wird sie von Don Benito de Cádenas auf dessen Landsitz mitgenommen, wo ihre Verkleidung schließlich aufgedeckt wird. Catalina verliebt sich in den Sohn Cádenas und träumt von einer glücklichen Zukunft - wäre da nicht das Brodeln inmitten der Mauern der Kirche ... Kann ihre Liebe den Gefahren der Umgebung trotzen? 

Zeitreise gefällig?

Chufo Lloréns schuf einen opulenten historischen Roman, der besser nicht hätte sein können. Die Leser werden mitgenommen in die stürmischen Zeiten der Inquisition, gewaltsamer Auseinandersetzungen und den Kampf verschiedener Autoritätspersonen innerhalb der Kirche. Das Spanien des 17. Jahrhunderts wird vor dem inneren Auge des Lesers lebendig.

Der Text ist durch einzelne Rückblenden und die parallele Betrachtung unterschiedlicher Charaktere besonderes interessant gestaltet, sodass sich während der Lektüre keine Langeweile einstellt. Eine Geschichte, die mitreißt, die begeistert, in der man sich verlieren kann. Hochspannung pur! 

Sabrina Laux (academicworld-Userin)

Chufo Lloréns. Catalina
22,99 Euro. C. Bertelsmann Verlag

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