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Karriereperspektiven, Arbeitgeber

Mit dem Chef auf du und du

Vor allem der sogenannte Mittelstand hat etwas zu bieten, das Absolventen nicht außen vor lassen sollten bei der Wahl des ersten Arbeitgebers: Flache Hierarchien. Was die Vorteile sind und worin sich das zeigt, davon berichteten uns einige Unternehmen aus den verschiedensten Branchen.

Mit dem Chef auf du und du
Flache Hierarchien ermöglichen oft ein freundschaftliches Verhältnis zu Vorgesetzten. © Dieter Schütz/pixelio.de

Hoch hinaus auf Dauer oder möglichst schnell viel Verantwortung tragen? Wer als frischgebackener Hochschulabsolvent mehr in die zweite Richtung denkt, der sollte sich gut überlegen, ob der Einstieg als kleines Rädchen im Großkonzern wirklich die beste Wahl für ihn ist. Denn, ein eindeutiger Vorteil bei kleineren Unternehmen ist, wie Manuela Häußermann, Personalleiterin der REFUsol GmbH sagt, dass der einzelne Mitarbeiter mit seiner Persönlichkeit und seinem Potenzial besser wahrgenommen wird und somit mehr Gewicht erhält.

Karriereturbo "Flache Hierarchien"

Julia Legge aus dem Personalmarketing der ESG Elektroniksystem- und Logistik GmbH etwa erzählt von einer jungen Ingenieurin, die im Automotive Bereich ihres Unternehmens tätig ist. "Sie hat zunächst an der TU München Informatik mit dem Nebenfach Wirtschaftswissenschaften studiert, nebenher einige Praktika in kleineren und großen Unternehmen absolviert und dann eine Promotion angeschlossen. Nach deren Abschluss ist sie in den Bereich der ESG eingestiegen, in dem wir uns mit Prozessen und Methoden innerhalb von technischen Entwicklungsprojekten beschäftigen. Bereits nach einem Jahr wurde ihr die Leitung eines Projekts übertragen. Ein Unternehmenspreis honorierte die Leistung und die Erfolge des gesamten Teams und ein internes Nachwuchskräfteprogramm half der jungen Kollegin, sich auf künftige Herausforderungen vorzubereiten. Mittlerweile hat sie in ihrer Funktion als Projektmanagerin Disziplinarverantwortung für das gesamte Team. Laut eigener Aussage genießt sie die Verantwortung, die Selbständigkeit und dass sie den eigenen Beitrag so deutlich sieht."

Michael Dams, Director Central Europe bei National Instruments würde das wohl als Beweis für seine These sehen, dass "interessante Tätigkeiten grundsätzlich ein gutes Mittel sind, um im Lernen drin zu bleiben. Erworbenes Wissen anzuwenden und dafür Anerkennung und Lob im eigenen Team und auch von anderer Stelle zu erfahren, verstärkt dieses positive Gefühl. Mit flachen Hierarchien gibt es dazu schlichtweg mehr Möglichkeiten." Lange Entscheidungswege und komplexe Hierarchien sind ohnehin anachronistisch und vor allem nicht besonders effizient. Die Innovationszyklen werden immer schneller und wer heute nicht weiß, was seine Kunden morgen als Lösungen benötigen, wird schnell den Anschluss verpassen. Deshalb sind Eigenverantwortung, selbstbestimmtes Arbeiten, Teamwork und vor allem ein kollegiales und freundschaftliches Mit- einander besonders wichtig. Genau die Merkmale, die den Einstieg in ein Unternehmen mit flachen Hierarchien so attraktiv machen.

Die Zukunft mitgestalten

Auch bei Phoenix Contact geht es bei der Suche nach geeignetem Personal um mehr als technisches Know-how. Ines Ludwig, die Leiterin Recruiting and Consulting zählt auf, worauf es der Firma, die unter anderem in den Bereichen Windenergie und Elektromobilität tätig ist, ankommt: "Phoenix Contact sucht technisch versierte Absolventen, die gerne in einem innovativen Umfeld arbeiten. Wichtig sind für uns Attribute wie authentisch, offen, begeisternd, lösungsorientiert, tolerant, sympathisch sowie vorwärts denkend und handelnd." Dafür hat man dann aber auch die Gelegenheit, die Zukunft ein kleines bisschen mitbeeinflussen zu können. Ganz einfach, weil man in weniger großen Unternehmen den eigenen Anteil am "Produkt" besser wahrnimmt.

Stefan Sell, Leiter Marketing & Kommunikation bei Hauff-Technik GmbH & Co.KG, erklärt: "Wir haben maximal zwei Entscheidungsstufen, um Themen und Projekte voranzutreiben. Dabei ist der Entscheidungsprozess vor allem durch Effizienz, Schnelligkeit und time to market gekennzeichnet. Alle Entscheidungen werden in einem genau definierten Prozess getroffen, um damit eventuell auftretende Redundanzen zu vermeiden und nur dort Hierarchien zuzulassen, wo sie wirklich Sinn machen." Dass kurze Entscheidungswege und ein effizienter Umgang mit konstruktiver Kritik und Verbesserungsvorschlägen positiv sind, findet auch Manuela Häußermann von REFUsol. Deshalb heißt die Devise im Unternehmen dort auch "Mitarbeiter aller Hierarchieebenen können früh mitgestalten."

Chancengleichheit und Gleichberechtigung

Gerade frischgebackene Absolventen wünschen sich in von ihrem ersten Arbeitgeber Chancengleichheit und Gleichberechtigung im Vergleich mit erfahrenen Kollegen. Das machen flache Hierarchien wesentlich leichter möglich. "Man begegnet sich auf Augenhöhe, was die Kollegialität und ein gutes Betriebsklima fördert", wie Peter Ziras, Managing Director des E-Mail-Marketinganbieters Inxmail schildert. "Wir legen sehr viel Wert auf unsere offene Unternehmenskultur und flache Hierarchien. Kurze Entscheidungswege, eigenverantwortliches Arbeiten und Kommunikation auf Augenhöhe zeichnen Inxmail aus." Damit keine gute Idee, kein vernünftiges Konzept der Umsetzung harren muss, nur weil demjenigen, der dahinter steht, nicht genügend Aufmerksamkeit und Interesse entgegen gebracht wird. So bleiben die Mitarbeiter auch auf Dauer motivierter, denn wer schon einmal ein eigenes Konzept realisieren durfte, räumt der eigenen Kreativität mehr Platz ein und ist auch mit der Arbeit und dem Arbeitgeber zufriedener.

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