Agatha Christie, die absolute Krimikönigin - und ich habe noch kein Buch von ihr gelesen. Bis jetzt. Und es war genau so, wie ich es erwartet habe: Sehr britisch, etwas altmodisch, aber auch nicht wirklich unmodern. Eher wie eine Reise in eine vergangene Zeit und mit an Bord Christies berühmter Detektiv Hercule Poirot.
Der Tod auf dem Nil handelt von Linnet Ridgeway, einer wunderschönen, reichen und beliebten Frau; zumindest denkt sie, dass sie allseits beliebt ist. Sie verwirklicht mit gerade mal 20 ihren Traum von einem Anwesen, Geld spielt keine Rolle und alle anderen Dinge, die sich ihr in den Weg stellen, kann sie mit ihrem Charme aus dem Weg räumen. Linnet verliebt sich in Simon Doyle, der ist zwar mit ihrer besten Freundin Jacqueline de Bellefort verlobt, aber keiner kann Linnet Ridgeway widerstehen und so heiratet sie Simon. Während ihrer Flitterwochen machen sie auch eine Reise mit dem Raddampfer Karnak auf dem Nil und sie begegnen einigen bekannten Gesichtern. Auch Hercule Poirot macht Ferien in Ägypten, die Erholung ist allerdings schnell vorbei, nachdem der erste Mord geschieht.
Agatha Christie beschreibt im ersten Kapitel fast alle wichtigen Personen in kurzen Passagen, das ist anfangs ziemlich verwirrend, da es manchmal weniger als eine Seite ist. Doch im Laufe des Buches stellt sich das als große Meisterleistung raus, weil der Leser durch diese kleinen Anfangsgeschichten sehr genau weiß, wie die Protagonisten charakterlich einzuschätzen sind und man stellt immer wieder beim Lesen fest, dass die Autorin ganz am Anfang schon wichtige Dinge erzählt hat. Kommt man mal mit den Namen durcheinander (so wie es mir eigentlich ständig passiert), so muss man nicht das ganze Buch nach der einen wichtigen Information durchwühlen, sondern schaut nur ins erste Kapitel.
Ein belgischer Detektiv denkt quer
Hercule Poirot ist mir in diesem Buch sehr sympathisch geworden, seine Art Fälle zu lösen, kurze Andeutungen, ohne dass der Leser oder auch seine Gesprächspartner im Buch wirklich wissen worauf er hinaus will. Unterstrichen haben seine Persönlichkeit noch die kurzen französischen Aussagen oder Redewendungen ? jedoch muss der Leser zumindest ein wenig die französische Sprache beherrschen, damit er dies auch versteht. Denke ich bei potenziellen Lesern aber beispielsweise an meine Oma, dann würde ich ihr aus diesem Grund den Roman nicht hundertprozentig empfehlen. Meist sind es zwar wirklich nur einzelne Wörter oder Ausdrücke, aber zwei Sätze sind mindestens dabei, die wiederholt auftauchen und wichtig sind.
Nachteilig fand ich außerdem, dass er zum einen zwei oder drei Mal Bezug auf vergangene Fälle nimmt. Jeder Leser, der die Bücher nicht in chronologischer Reihenfolge liest, weiß dadurch Details aus anderen Hercule-Poirot-Romanen, welche die Spannung beim Lesen dieser mindern würde.
Agatha Christie ist zeitlos
Agatha Christie hatte wirklich das Talent ihren Charakteren Gesichter zu verleihen, ich konnte mir jede einzelne Person bildlich und lebhaft vorstellen. Auch das Rätselraten, wer nun der Mörder ist, hat sie mit wunderbaren Wendungen und Irrungen spannend gemacht.
Insgesamt hat mich Agatha Christie überzeugt, ich kann jetzt nachvollziehen, warum sie die Krimikönigin ist und so viele begeisterte Leser hat. Die Erstveröffentlichung war 1937, aber trotz einer etwas altmodischeren Sprache, Geldbeträge die heute winzig sind und vieler gesellschaftlicher Wandel, ist ihr Werk keineswegs altbacken oder verstaubt. 8 von 10 Punkten.
Quasi




























