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STUDIUM

Mehr Leuchttürme für Deutschland

Professor Horst Hippler ist der neue Präsident der deutschen Hochschulrektorenkonferenz (HRK). academicworld hat mit dem bisherigen Rektor des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) über seine Pläne, Erfolge und Wünsche gesprochen.

(© Hans Peter Dehn/pixelio.de) Die deutsche Hochschullandschaft brauche mehr Spitzen, die auch im Ausland wahrgenommen werden.

Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch Herr Professor Hippler. Sie sind Ende April zum Präsidenten der Hochschulrektorenkonferenz gewählt worden. Was haben Sie sich für die drei Jahre Ihrer Amtszeit vorgenommen?
Ganz wichtig ist, dass die deutschen Hochschulen aktuell kurz vor dem Kollabieren sind. Die Studierendenzahlen wachsen, aber die Länder sparen, weil die Kassen knapp sind, so dass das Geld für eine optimale Betreuung in Forschung und Lehre hinten und vorne nicht reicht. Wir haben eine klare Unterfinanzierung der Hochschulen. Es ist nötig, dass sich der Bund finanziell beteiligt, denn er profitiert schließlich auch von der exzellenten Ausbildung, die die jungen Leute an unseren Hochschulen erhalten, wenn sie später entsprechend hohe Steuern zahlen. Außerdem muss sich bei der öffentlich geförderten Forschung die Situation verbessern und ein Ausbauprogramm für Masterstudienplätze vorangetrieben werden.


Sie setzen also stark auf die finanzielle Unterstützung des Bundes. Kann der sich das leisten?
Der Bund hat schon relativ viel Geld in die Hand genommen um neue Studienplätze einzurichten. Da ist also schon etwas passiert, aber bisher nur projektweise und nicht nachhaltig. Auch für den Bereich Lehre hat der Bund Geld locker gemacht, doch hier sieht es ähnlich aus. Da besteht also noch Redebedarf. Ganz wichtig dabei ist, dass sich die Länder nicht aus der Finanzierung zu-rückziehen, wenn der Bund sich beteiligt.

Studiengebühren?


Wie stehen Sie in diesem Zusammenhang zu Studiengebühren?
Da ist meine Haltung relativ klar. Überhaupt ist das Wort Studiengebüren in Deutschland ja gar nicht gerechtfertigt. Wir hatten nie wirkliche Studiengebühren, sondern lediglich Studienbeiträge. Diese sind weit weg von der Vollkostenfinanzierung eines Studienplatzes.


Da würden wir von 20.000 bis 50.000 Euro pro Studienplatz reden. Wir haben sozusagen einen Eigenbeitrag zur Finanzierung der entstehenden Kosten. Wenn das verknüpft ist mit einem Stipendiensystem, dann halte ich das für absolut zumutbar. Schließlich verdienen Personen, die studieren, später im Allgemeinen besser und können daher durchaus Studiengebüren oder Studienbeiträge  zurückzahlen. Insofern halte ich das für eine ganz vernünftige Lösung.

Stipendiensystem diskutieren

Wobei sich da aber schon ein ordentlicher Betrag ansammeln kann.
Da kann man ja eine Grenze einziehen, das ist nicht das Problem. Es gibt ja auch beim BAföG eine Kappungsgrenze und wenn man das zusammenpackt kann man das ähnlich handhaben. Zudem kann man natürlich noch andere Stipendiensysteme unterstützen. Es gibt viele Einrichtungen, die Stipendien vergeben. Nicht nur öffentliche. Ein erster Ansatz ist hier etwa das Deutschlandstipendium. Die Frage des Stipendiensys-tems halte ich ohnehin für nicht ausdiskutiert. Wo sollen die Gelder herkommen? Ich denke an Alumni, die private Hand, aber auch Firmen – das könnte ganz gut funktionieren. Und außerdem könnte man die Eigenverantwortung der Studierenden für ihre eigene Ausbildung so ein bisschen unterstützen.

Gerade beim Thema Stipendien müsste man aber wohl auch stärker bundesweit agieren, weg vom föderalen Prinzip.
Naja, das ist immer ein Problem. Das hat man ja in der letzten Zeit gesehen. So hatten wir in Baden-Württemberg ein sehr gutes System, wie man mit Studienbeiträgen umgeht. Doch dann wurden sie nach der Landtagswahl wieder abgeschafft, obwohl sie, allen Unkenrufen zum Trotz nicht dazu geführt hatten, dass die Studierendenzahlen zurückgegangen sind. Da hatte die Argumentation eigentlich nichts mit der Realität zu tun. Die Diskussion ist in diesem Bereich sehr ideologisch. Das ist das Problem.

Prof. Dr. Horst Hippler

Professor Horst Hippler ist der neu gewählte Präsident der Hochschulrektorenkonferenz. Bisher war er Rektor des Karlsruher Instituts für Technologie. Von 2006 bis 2009 war Hippler zudem Gründungspräsident des TU9-Zusammenschlusses. 

Beim Studentenverband fzs hat man sich echauffiert über die Bezeichnung der HRK als 'Stimme der Hochschulen'. Schließlich sei man allenfalls die 'Stimme der Hochschulleitungen'. Wie begegnen Sie solchen Ansichten?
Da kann ich eigentlich nur schmunzeln.  Die Hochschulleitungen gibt es ja deshalb, weil man an einer Hochschule in-terne Richtlinien braucht. Sonst hätte man gar keine Hochschulleitung, keine Rektoren, keine Präsidenten. Es muss alles strategisch durchdacht werden, natürlich nicht gegen die Studierenden, sondern mit ihnen. Die Hochschulleitung spricht so gesehen für die gesamte Hochschule und vertritt sie auch nach außen. Der Präsident oder Rektor ist der einzige, der für die Hochschule rechtmäßig Unterschriften leisten kann, also ist er auch ihr Vertreter und somit ist die HRK auch die Vertretung und die Stimme der Hochschulen. Da ist in meinen Augen auch nichts dagegen zu sagen.

Wissenschaftliche Redlichkeit

Schon wieder sind die Doktorarbeiten von Politikern Thema, aktuell jene von Bildungsministerin Annette Schavan. Was halten Sie von Kontrollmechanismen, um dergleichen in Zukunft vorzubeugen?
Egal was sie machen, das funktioniert doch alles nicht. Man kann auch nicht verhindern, dass jemand bei Rot über die Ampel geht. Wichtig ist etwas anderes. Nämlich, dass es ein Verfahren gibt, das überprüft, ob alles wissenschaftlich redlich gewesen ist oder nicht. Man kann so etwas nicht regeln. Das ist typisch deutsch zu glauben, dass man mit Regeln und Mechanismen irgendetwas verhindern kann. Und ob dieser Fall, der jetzt diskutiert wird, überhaupt ein Fall ist, den man diskutieren müsste, das wird sich zeigen. Diese Vorverurteilungen halte ich generell für unverantwortlich. Wichtig ist die wissenschaftliche Redlichkeit als Ehrenkodex. Ich halte nichts davon, jeden Doktoranden unter Generalverdacht zu stellen.


Sollte sich die HRK generell für eine Verbesserung der Verhältnisse junger Wissenschaftler und Doktoranden einsetzen?
Da ist sie schon längst aktiv. Man muss aber aufpassen, dass man die Hochschulen nicht mit jungen Leuten überschwemmt, denn wachsen kann man nicht beliebig und Fluktuation gehört in den Hochschulen dazu. Viel wichtiger ist es, so genannte ‘Tenure Track Profile’ zu schaffen, in denen man sich bewähren und damit seine Zukunft sichern kann. Außerdem müsste man Wissenschaftler stärker als kleine Unternehmer sehen, die das Geld für ihre eigene Forschung selbst einwerben. Ich denke, da ist sehr viel mehr Flexibilität möglich und nötig.

Sie selbst haben in Karlsruhe auch neue Wege beschritten und die Verschmelzung von Forschungseinrichtung und Universität im KIT vorangetrieben. Wie kam es dazu?
Die Idee kam 2005 auf, als Bund und Land den Exzellenzwettbewerb einrichteten. Da haben wir uns überlegt, was wir in Karlsruhe machen könnten, um zu zeigen wie gut dieser Standort ist. Relativ flott kam die Idee auf, die beiden Einrichtungen zu verschmelzen, um ge-meinsam eine Strategie zu entwickeln. Die Zeit hat uns Recht gegeben, denn wir konnten auf viele neue Themen, etwa im Bereich Elektromobilität oder Erneuerbare Energie, schnell reagieren, weil wir durch die neue Größe sehr viel flexibler agieren können. Es gelang uns die Freiheiten einer Bundeseinrichtung mit den Freiheiten einer Landeseinrichtung zu kombinieren und sie so zu optimieren. Wenn man Professoren beruft, kann man nicht nur die Kapazitäten einer Universität nutzen, sondern ergänzend auch noch die gesamten Möglichkeiten, die in der Helmholtz-Gemeinschaft in Karlsruhe existieren. Anders herum gewährleistet man den Leuten, die man für die Großforschung gewinnen möchte, einen einfachen Zugang zu Nachwuchswissenschaftlern. Das ist schon ein riesen Vorteil.

Halten Sie das auch für ein Modell an anderen Standorten?
Das ist schwierig. Unser Vorteil war, dass beide Einrichtungen an ähnlichen Themen gearbeitet haben und annähernd gleich groß sind oder waren, sodass man nicht den Eindruck hatte, der eine schluckt den anderen.

Ausgezeichnte Spitzen

Zudem haben Sie sich für den Zusammenschluss der Technischen Universitäten eingesetzt. Denken Sie die deutsche Hochschullandschaft braucht diese Elitetendenzen?
Ich bin davon überzeugt, dass wir Leuchttürme brauchen. Die deutsche Hochschullandschaft ist eigentlich exzellent, wurde bisher international aber nicht wirklich wahrgenommen, weil die ausgezeichneten Spitzen fehlen. Durch die Exzellenzinitiative werden mittlerweile einige Plätze als herausragend anerkannt, etwa die Münchner Universitäten, aber auch Karlsruhe. Die Nachfrage nach Studienplätzen steigt und auch die Politik im Ausland nimmt diese Hochschulen wahr.

Was wünschen Sie sich für die deutschen Hochschulen?
Dass wir im aktuellen Wettbewerb keine Verlierer produzieren. Dass jede Hochschule die eigenen Stärken so betonen kann, dass sie Alleinstellungsmerkmale herausbildet und dadurch wettbewerbsfähig ist. Darum werden wir uns in den nächsten Jahren bemühen.




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