Böse Affen und eine mormonische Großmutter

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Der US-amerikanische Autor Matt Ruff mischt in seinen Romanen Elemente aus Fantasy, Science Fiction, Campus Novel und Thriller. Im Februar 2008 ist sein vierter Roman "Bad Monkeys" in Deutschland erschienen.
Seinen ersten Roman "Fool on the Hill" hat Matt Ruff im Alter von 22 Jahren als Abschlussarbeit für sein Studium an der Cornell University geschrieben. Die Story spielt in der Universität und räumt der Landschaft rund um Ithaca in der Nähe von New York fast den Stellenwert eines eigenen Characters ein. "Cornell war dieser magische Ort in einer fantastischen Landschaft und das wollte ich einfangen", erklärt Ruff, der persönlich sehr gute Erinnerungen an seine College-Zeit hat. Im Buch, das Genres wie Fantasy, Science Fiction und Campus Novel vermischt, verwebt er mehrere Erzählstränge: Unter anderem geht es um einen pensionierten griechischer Gott, der die Leben der Menschen manipuliert, einen angehenden Autor, der sich dagegen zur Wehr setzen will, um die Reise eines Hundes und eines Katers auf der Suche nach dem Himmel und eine Gruppe von sogenannten Bohemianern, die auf Pferden und Motorrädern unterwegs sind. Das klingt ziemlich verrückt, ist aber, wie seine späteren Werke zeigen, der ganz normale Wahnsinn in Ruffs Romanen.
Das Debüt kam bei Kritikern und Lesern gut an. Und das war ein Glück für den jungen Autor, denn dessen Plan war es schon immer gewesen, Bücher zu schreiben. "Ich nahm unpraktischerweise einfach an, dass es funktionieren würde. Und wie durch ein Wunder hat es das auch", erinnert sich Ruff. Mit dem zweiten Roman "G.A.S. Die Trilogie der Stadtwerke" kann er an den Erfolg des Erstings anknüpfen. Sein drittes Werk "Set this House in Order", dessen deutsche Übersetzung 2004 unter dem Titel "Ich und die Anderen" erschien, handelt von multiplen Persönlichkeiten und auch in seinem aktuellen Werk geht es um psychische Störungen.
Ruffs neuer Roman "Bad Monkeys" ist im Februar 2008 im Hanser-Verlag erschienen und handelt von der jungen Frau Jane Charlotte, die wegen Mord verhaftet wurde. Sie erzählt der Polizei, dass sie im Auftrag eines Geheimbunds gehandelt hat, der sich dem Kampf gegen das Böse verschrieben hat. Ihre Abteilung ist für die Beseitigung der hoffnungslosen Fälle zuständig und heißt "Bad Monkeys". Dieses Geständnis bringt Jane in die Psychiatrie, wo ein Doktor versucht, herauszufinden, ob sie lügt, spinnt oder ob da etwas ganz anderes vor sich geht. Die Idee zu Bad Monkeys kam Matt Ruff, als er eine Folge der Serie South Park im Fernsehen sah, die im Regenwald von Costa Rica spielte. Eric Cartman schlug einen Affen mit einem Stock und schrie "Bad monkey". "Ich dachte, das wäre ein interessanter Titel für einen Roman und begann, mit Ideen zu jonglieren, wovon ein solcher Roman handeln könnte", sagt Ruff. "Schließlich entschied ich, dass 'Bad Monkeys' sowohl ein Euphemismus für äußerst böse Menschen als auch der Spitzname für eine geheime Abteilung sein würde, die diese Menschen jagt. Das hat sich dann weiter zur Geschichte von Jane Charlotte entwickelt, die das Herzstück des Romans ist", erzählt Ruff weiter.
In seinen Büchern lässt Ruff gerne völlig verschiedene Persönlichkeiten aufeinander treffen. Er kombiniert Menschen, Tiere und Dinge, die normalerweise nichts miteinander zu tun hätten und schaut, was dabei herauskommt. Seine Geschichte sind voll von Überraschungen und absurden Wendungen. Die Dynamik, die sich dadurch ergibt, macht die Faszination seiner Bücher aus, die zwar fantastisch sind, dem Leser aber auch das Gefühl geben, dass alles genauso passiert sein könnte. Ruff meint, dass seine Vorliebe für außergewöhnliche Situationen aus seiner persönlichen Familienkonstellation herrührt: "Mein Vater war aus dem mittleren Westen der USA, meine Mutter aus Brasilien, und unser Haus in New York war der Anlaufpunkt für eine ganze Reihe von einwandernden Verwandten. Ich wuchs als in diesem Gefüge aus Kulturen und Religionen auf - der Großteil der Familie war protestantisch, aber meine Großmutter, die auch bei uns wohnte, war zur Mormonin konvertiert."
Wenn Ruff einen neuen Roman beginnt, hat er schon eine ganz genaue Idee davon, wie die ersten paar Kapitel aussehen werden. Auch der Schluss steht im Vorhinein fest. "Der Teil dazwischen ist noch sehr viel nebliger, da ist viel Raum für Entdeckungen und Improvisationen. Wenn das Schreiben vorangeht, lichtet sich der Nebel und letztendlich treffen der vordere und der hintere Teil des Romans aufeinander - das ist immer ein spannender Moment, weil es bedeutet, dass ich fast fertig bin." Wenn die letzte Seite dann geschrieben ist, mischen sich Erleichterung, Zufriedenheit, Nervosität (dass beim Redigieren etwas wichtiges übersehen wurde) und auch eine gewisse Melancholie. "Denn auch wenn es gut ist, dass es fertig ist, ist es schwer, etwas loszulassen, mit dem man solange gelebt hat", meint Ruff, der sehr langsam schreibt und an seinen Büchern oft vier bis fünf Jahre arbeitet. Die Recherche für einen neuen Roman ist mal mehr und mal weniger aufwändig, aber immer weniger als die Leser denken. Ruff meint: "Einer der Tricks, die man als Romanautor entwickelt, ist die Fähigkeit, Fachwissen vorzutäuschen. Sogar bei einem Buch wie 'Set This House in Order', für das ich viel über Persönlichkeitsspaltung gelesen habe, kommen viel mehr Details der Geschichte aus dem Einfühlungsvermögen als aus der Recherche."
Im Moment arbeitet Ruff an einem neuen Roman mit dem Arbeitstitel "The Mirage". Eigentlich hatte er aus der Idee eine Fernsehserie machen wollen, aber die Fox Studios, denen er sie vorstellte, fanden sie zu kontrovers fürs Fernsehen. Daher hat Ruff jetzt ein neues Buchprojekt. Man darf gespannt sein, was er sich diesmal einfallen lässt.
Links:
Matt Ruffs Homepage: www.bymattruff.com
Matt Ruffs Blog: http://matt-ruff.livejournal.com

Matt Ruff
Bad Monkeys
256 Seiten, gebundene Ausgabe
Hanser Verlag

Bad Monkeys
Audiobook
mit Jasmin Tabatabai und Heikko Deutschmann
dhv der Hörverlag



























