Matilde Asensi: Wächter des Kreuzes

Ein Splitter Holz und seine Folgen
Nach einem Flugzeugabsturz wird die verstümmelte Leiche eines Äthopiers aufgefunden. Eigentlich kein Grund zur Beunruhigung, wenn die Leiche nicht seltsame Brandzeichen aufweisen würde und man neben ihr ein verkohltes Stück Holz gefunden hätte. Nicht irgendein Stücken Holz ? ein Teil des Kreuzes an dem Jesus starb, geraubt aus einer der vielen Kirchen, wo Stücke des Heiligen Kreuzes als Reliquie verehrt werden. Da es nicht die einzige Kreuzesreliquie ist, die in kürzester Zeit gestohlen wurde, ist der Vatikan sehr daran interessiert, diese Diebstähle aufzuklären und ein für alle Male zu beenden. Die einzigen Anhaltspunkte, die man hat, sind die Brandzeichen auf dem Leichnam des Äthopiers, die nur ein Mensch im Vatikan entschlüsseln kann - Schwester Ottavia Salina, Päläographin im vatikanischen Geheimarchiv.
Zusammen mit dem Hauptmann der Schweizer Garde, Kaspar Glauser-Röist, macht sie sich an die Arbeit. Eine erste Spur führt nach Ägypten, wo der Hauptmann zusammen mit dem koptischen Archäolgen Farag Boswell, in einem abgelegenen Kloster eine selten Schriftrolle ?borgt?, die auf die Spur einer geheimen Bruderschaft, die Staurophylakes führt. Um sie zu finden, müssen aber 7 Prüfungen in 7 wichtigen christlichen Städten des Altertums absolviert werden. Städte, die für je eine Todsünde stehen. Um welche Städte es geht und welche Prüfungen bestanden werden müssen, steht verschlüsselt in einem Meisterwerk italienischer Literatur ? in Dantes ?Göttlicher Komödie?. Und so machen sich Ottavia, Farag und der Hauptmann auf den Weg um die halbe Welt, um die Rätsel zu lösen, die Prüfungen zu bestehen. Immer wieder geht es dabei um Leben und Tod...
Auf den Spuren einer geheimen Verbindung
Nach dem Weltbestseller ?Sakrileg? sind eine Menge Bücher auf dem Markt erschienen, bei denen Geheimgesellschaften, Verschwörungstheorien und die Kirche eine zentrale Rolle spielen. In Matilde Asensis ?Wächter des Kreuzes? ist es die Staurophylakes, eine geheime Bruderschaft (so geheim, dass ich nicht mal etwas im Internet über diese Gruppe gefunden habe), die über das Kreuz wachen und es wieder zusammenfügen wollen, nachdem Splitter davon durch die Kreuzritter in die ganze Welt gebracht wurden, wo sie heute noch als Reliquien verehrt werden. Da die Staurophylakes aber schon einmal schwer verraten wurde und deshalb nur noch im Untergrund agieren konnte, entschloss sie sich, jeden Anwärter auf Herz und Nieren zu prüfen ? mit 7 Prüfungen auf Leben und Tod. Nach jeder bestandenen Prüfungen bekamen die Änwarter ein Brandzeichen, bevor sie schließlich im ?irdischen Paradies? aufgenommen wurden. Und dieses ?irdische Paradies? sollen Schwester Ottavia, Farag Boswell und Hauptman Glauser-Röist finden, um die gestohlenen Reliquien wieder ihren rechtmäßigen Besitzern zurück zu bringen und die Staurophylakes zu verhaften. In Dantes ?Göttlicher Komödie? sollen sich verschlüsselte Hinweise finden.
Die Charaktere
Passagen aus Dantes Meisterwerk wurden hier geschickt von Matilde Asensi eingesetzt ? ob sie versteckte Hinweise enthalten oder es wieder mal beweist, dass man alles mögliche in jedes geschriebene Wort hineininterpretieren kann, muss der Leser dabei selbst entscheiden. Nichtsdestotrotz trägt es dazu bei, dass man schwerlich aufhören kann zu lesen, weil man wissen möchte, wie es weitergeht, welche Prüfungen als nächstes folgen könnten und ob die Drei diese bestehen werden. Und auch um zu erfahren, ob Farag Boswell, der von Anfang an heftig mit Schwester Ottavia flirtet und sie so in ihrer festen Überzeugung, ihr Leben Gott zu weihen, erschüttert, mit seinen Avancen Erfolg hat. Man wünscht es ihm, denn sie haben unglaublich viele Gemeinsamkeiten und zwischen den beiden knistert es gewaltig. Auch Kaspar Glauser-Röist, der Hauptmann der Schweizer Garde, pflichtbewusst, treu und fest im Glauben, scheint Geheimnisse zu haben, die erst nach und nach ans Licht treten. So verwandelt er sich auch langsam von der doch etwas unsympathischen, unnahbaren Figur in einen genauso verletzlichen Menschen.
Fazit
Da das Buch aus Sicht von Schwester Ottavia geschildert wird, ist man immer hautnah dabei. Man erlebt und durchlebt wie aus 3 unterschiedlichen Menschen ein Team wird und auch welche Konflikte daraus entstehen. Einzig Ottavias Familiengeschichte hätte man weglassen können oder zu einem glaubwürdigen Ende bringen müssen. Da scheint sich die Autorin in Ideen verrannt zu haben, die sie nicht konsequent genug ausführte.
Mit "Sakrileg" kann man es nicht vergleichen, aber für Freunde dieses Genre verspricht "Wächter des Kreuzes" einen kurzweiligen Lesespaß.


























