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PsychoCiety

Männerdämmerung ist Sonnenaufgang

Die erste große Nachricht des neuen Jahres war: Das Ende des (weißen) Mannes. Allgemein ist sich das Feuilleton einig, der Mann oder vielmehr was für ihn steht, ist nicht mehr zeitgemäß. Und da auch „Unflexibilität“ und „patriarchale Rechthaberei“ als typisch männlich gilt, ist der Mann prinzipiell nicht im Stande sich an die neuen Zeiten und ihre Anforderungen anzupassen.

Katharina Ohana, Psychologische Beraterin, Bestsellerautorin und academicworld-Expertin

Ich denke bei diesen Beschreibungen von Männern immer sofort an unseren Altbundeskanzler Schröder, der mal behauptet hat, Deutschland wäre besser gefahren, wenn er in seiner Amtszeit einfach mal ne halbe Stunde am Tag gesagt hätte, wo es lang geht und dann hätte das alle gemacht! (Helmut Kohls Macho- Sätze waren dagegen ja eher noch doofe Birnen-Witze.)

Oft werde ich als Psychologin gefragt, ob so ein Verhalten und Denken nun biologisch bzw. genetisch oder an der Erziehung bzw. Prägung fest zu machen ist. Leider hapert es bei den meisten Studien zu diesem Thema daran, dass sie nur erwachsene Hirne und Hormonstoffwechsel untersuchen, bei denen Prägung und Genetik natürlich nicht mehr zu unterscheiden sind und sich gegenseitig lange beeinflusst haben: Ein Mann hat mehr Testosteronausschüttung, wenn er eine geringe Frustrations- Toleranz gelernt hat: Durch die ständigen Wutanfälle aus Mangel an anderen Kommunikationsformen schießt sein Hormonspiegel ständig in die Höhe und das „merkt“ sich sein Hirn und seine Hormondrüsen: Sie steigern die Produktion.

Wenn ich also lese: „Männer sind halt so…“ kann ich mich wirklich so aufregen, dass auch mein Testosteronspiegel (Frauen haben nämlich auch einen) mächtig in die Höhe schnellt. Am meisten tut es mir dabei mittlerweile um die Männer leid, denen wohl niemand so richtig zutraut sich zu verändern d. h. ihr Männerbild und Handeln zu verändern, so dass auch die nächsten Generationen, die dadurch geprägt werden, gut mit den Bedingungen in unserer heutigen Welt zurechtkommen. Denn häufig laufen die Artikel der Zeitungen darauf hinaus: Männer und ihr Gehabe braucht heute keiner mehr (außer vielleicht noch beim Sex), ätsch bätsch ihr Arschlöcher, das habt ihr jetzt davon, warum wollt ihr auch unbedingt die Macht behalten mit Eurem Alphatiergetue…

Viele Feministinnen denken auch: Wir haben die Frauen befreit gegen die Männer und ihre albernen jahrhundertealten Vorurteile, warum sollten wir ihnen jetzt helfen neue Männerbilder zu entwickeln?! Was dabei heraus gekommen ist, ist das Feld der „sexuellen Eroberungen“, ein Phänomen, dass es erst seit den siebziger Jahren gibt: Männer müssen unbedingt viele und viele verschiedene sexuelle Erfahrungen haben, um als Männer (besonders vor anderen Männern) zu gelten. Ständig müssen sie unaufgefordert betonen, dass sie mal „ne voll wilde Zeit“ hatten, „nix haben anbrennen lassen“ usw. Dieses Gebiet männlicher Beweiskraft hat sich heimlich still und leise neben all ihrer Entmachtung gebildet (es existierte vorher nicht oder war als „Schwäche“ auch unter Männern unehrenhaft). Und daran sieht Frau, was passiert, wenn die Männer nicht neue, positive Bilder und Protagonisten vorgegeben bekommen.

Ich finde es eigentlich sehr nett von Männern gefragt zu werden: Wie wollt ihr Frauen uns denn haben? Wie sollen wir sein, um in der Postfinanz-Gesellschaft und globalen Gemeinschaft dabei zu sein? Denn selbst in den Manager-Etagen der Dax-Unternehmen rumort es ja gewaltig und alle wissen: So kann es nicht weiter gehen, das Alphatierverhalten raubt uns auf Dauer unsere Lebenswelt. Außerdem gehört es doch zu einem guten Charakter anderen zu helfen, besonders, wenn sie regelrecht verzweifelt sind.

Also ich hätte gerne Männer, die absolut gleichberechtigt denken, d.h. in ihrem tiefsten Inneren Frauen als potentiell gleichfähige Menschen sehen (außer vielleicht beim Wasserkastentragen). Das ist bei unsicheren Männern (und Menschen) immer noch nicht gegeben (fahren Sie mal nach Österreich, da hat man jenseits von Wien noch nicht viel gehört von der „gleichwertigen“ Frau). Und dann hätte ich gerne Männer, die zu mir genauso höflich sind, wie ich zu ihnen. Und dann hätte ich noch gerne Männer, die wissen, dass eine Auseinandersetzung mit sich selbst und den eigenen Prägungen und Schwächen unglaublich viel bringt, für das eigene Leben und für Beziehungen. 

So, das wäre erst mal das Wichtigste. Und liebe Grüße an die Frauen und besonders an die Feministinnen: Rechthaberei und Frontalangriffe bringen nix. Die Männer sind genau deshalb am „untergehen“.

Von Katharina Ohana, Psychologische Beraterin, Bestsellerautorin und academicworld-Expertin




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