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Film

Liebe unter Holocaustforschern

Kann man heutzutage noch einen Film über den Holocaust zeigen und dabei etwas Neues erzählen? Die Antwort lautet: Ja. Der Regisseur Chris Kraus zeigt mit seinem neuesten Werk Die Blumen von gestern, dass das Thema auch nach mehr als 50 Jahren nicht an Brisanz verloren hat. Seit dem 12.01.2017 läuft der Film in den deutschen Kinos.

Zwischen Sinnkrise und Romantik

Der Holocaust-Forscher Toto steckt in einer Lebenskrise. Seine Frau hat Sex mit anderen Männern und sein Projekt (der Holocaust-Kongress) wurde ihm entzogen. Dann wird ihm auch noch eine Deutschland-hassende Praktikantin mit jüdischer Abstammung aufgezwungen. Zu allem obendrauf hat die Praktikantin Zazie eine Affäre mit Totos Vorgesetzten, den er verabscheut. Und obwohl Toto und Zazie kaum unterschiedlicher sein könnten, verlieben sie sich in einander.

Der Regisseur Chris Kraus schafft es, eine Komödie auf einem ernsten Thema aufzubauen, ohne dieses lächerlich zu machen und verzichtet dabei auf billige Gags. Die Situationskomik und der bittere Witz der Geschichte verharmlosen an keiner Stelle den Holocaust, vielmehr spielt der Regisseur mit dem Umgang des Holocausts in unserer Gesellschaft und der Figuren im Film. Ein saukomischer Film über ein ernstes Thema, das Widersprüche auf unglaublich schöne Weise vereint.

Ein von der Vergangenheit besessener Holocaust-Forscher, der hohe moralische Anforderungen an sich selbst und an seine Mitmenschen hat. Die Gesellschaft, wie er selbst, kann diesen hohen Erwartungen jedoch nicht entsprechen. Eine überdrehte, exzentrische Praktikantin, die mit Totos Geschichte verknüpft ist und ihre eigene Agenda verfolgt. Beide Figuren kämpfen auf unterschiedliche Weise mit ihrer Vergangenheit, die sie näher zu einander bringt.

Holocaust – ein Thema der Vergangenheit?

Der Film greift das in Vergessenheit drohende Thema Holocaust auf und zeigt, dass dieses Thema noch lange nicht abgeschlossen ist. Wie stark sind wir von den Taten unserer Großeltern oder Urgroßeltern beeinflusst? Wie gehen wir mit diesem schweren Erbe um? Der Schauspieler Jan Josef Liefers (spielt Balthasar Thomas) sagt in einem Interview: „Wir können nichts dafür, in welches Land, in welche Familie, in welche Verstrickung von Schuld wir hineingeboren werden. Aber, ob wir wollen oder nicht, wir müssen uns damit auseinandersetzen.“ Die frische, ungewöhnliche Geschichte bringt neuen Wind in das Thema Nazis in Deutschland und setzt sich damit auseinander, wie sich Deutschland heute mit Aufarbeitung auseinandersetzt.

Der Film löst teilweise großes Gelächter aus und dann bringt er den Zuseher wieder zum Verstummen. Es ist ein Balance-Akt zwischen Tragik und Komik, was den Film anspruchsvoll und genial macht. Dabei wird die Frage aufgeworfen, ob man über dieses Thema überhaupt lachen darf. Es ist eine Komödie über das Verdrängte, über die schmutzigen Familiengeheimnisse und über das bunte, komplexe Leben. Es geht darum wie Nachfahren von Tätern und Opfern mit ihrer Geschichte und sich selbst umgehen. Ein Film ohne schwarz-weiß.

Durch die dreidimensionalen Charaktere wirkt der Film besonders echt und aus dem Leben gegriffen. Dabei spielt er Film mit den wohl typischen Fettnäpfchen, in die jeder mal hineintritt. Wie reagiert man, wenn man unabsichtlich Hitlers Baby-Foto als süß bezeichnet? Diesen und vielen anderen Fragen stellt sich der Film ohne dabei auf jede Frage eine Antwort parat zu haben. Der Film hält dem Zuseher einen Spiegel vor, wodurch dieser sich selbst fragt wie er mit dem Thema Holocaust umgeht.

Stephan Längle (academicworld)

Die Blumen von gestern

D/A 2016

Regie: Chris Kraus

Darsteller: Lars Eidinger, Adèle Haenel, Jan Josef Liefers, Hannah Herzsprung, Sigrid Marquardt, Bibiana Zeller, Rolf Hoppe, Eva, Löbau, Cornelius Schwalm, Irene Rindje, Hans-Jochen Wagner, Djenabu Jalloh, Gerdy Zint

Verleih: Piffl Medien

Kinostart: 12.01.2017




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