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Film

Let's make money

Ein Dokumentarfilm folgt den Spuren des Geldes und der Ausbeutung

© Delphi

Wenn wir Geld sparen wollen, dann bringen wir es auf die Bank. Wir legen es an - so heißt es. Was jedoch feststeht ist, dass unser Geld nicht bei der Bank "liegen" bleibt. Diese hat es in den Kreislauf des globalen Geldmarkts eingespeist. Regisseur Erwin Wagenhofer folgte dem Weg unseres Geldes, dorthin, wo es zur Vermehrung hingeschickt wird. Wo mit ziemlich großer Sicherheit ortsansässige Arbeiter kein vernünftiges Geld für ihre Arbeit bekommen, deren Ziel die Vergrößerung des Betrages auf unserem Geldkonto ist.

Let's Make Money zeigt die Arbeit auf Baumwollplantagen in Burkina Faso, einem der ärmsten Länder der Welt. Die Arbeiter produzieren die qualitativ hochwertigste Baumwolle weltweit, ohne einen annähernd vernünftigen Preis dafür gezahlt zu bekommen, während die Amerikaner ihre eigene Baumwollproduktion trotz gegenteiliger Beteuerungen subventionieren. Die Perspektive: Wenn der Anbau zu diesen Konditionen weiter geht, und die Felder Burkina Fasos nach und nach an dieser Produktion zugrunde gehen, wird den jungen Bewohnern nichts anderes übrig bleiben, als das Land zu verlassen. Denn Burkina Faso wird ihnen keine wirtschaftliche Zukunft bieten können.

© Delphi

Der Film präsentiert neu entstehende riesenhafte Wohnkomplexe im Süden Spaniens. Jenem schönen Stückchen Erde, das zur Zeit mehr und mehr bebaut wird. Der Grund? Investitionen in Wohnungen und Grundstücke am Meer im sonnigen Süden sind eine sichere Anlage, deren Wertsteigerung garantiert ist. Da ist es auch egal, dass die Appartments und Häuser zum Großteil frei stehen und maximal 20% genutzt werden.

Ein Pool dazu bringt dem Investor eine erneute Wertsteigerung um zehn Prozent. Noch besser ist da allerdings ein Golfplatz in der Nähe, der eine Wertsteigerung um bis zu 30 Prozent ermöglicht. Dass die spanischen Sierras nicht unbedingt prädestiniert sind, um riesige Grünflächen entstehen zu lassen, ist irrelevant. Also wird Hektoliter über Hektoliter auf die Tummelplätze der Reichen gepumpt. Die Bewässerung von 100 Golfplätzen verschwendet den Wasserverbrauch von 15 Millionen Menschen. Ist ja nicht so, dass Spanien berühmt für seinen Wasserüberschuss wäre. Aber der Profit muss halt stimmen.

Let's Make Money folgt indischen Arbeitern, die für deutsche Firmen schuften. Monatslohn etwa 200 Euro. Trotz alledem finden wir sich beschwerende Manager, die beklagen, dass auch hier die Arbeiter immer mehr Geld verlangen und auch noch fordern können! Grundstückspreise sind auch nicht mehr das was sie mal waren. Also wird man wohl Arbeitskräfte abbauen müssen und weiter einsparen, wenn man global aktiv und wettbewerbsfähig bleiben will. Überhaupt - die neuen Märkte erfahren wachsende Aufmerksamkeit durch die Finanzexperten. "The best time to buy is when there is blood on the streets", meint Mark Mobius, Präsident von Templeton Emerging Markets in Singapur.

© Delphi

Wagenhofers Dokumentation ist ein unglaublich sehenswerter Film! So ist es nicht nur faszinierend mitzuverfolgen, wo unser Geld hingeht, wenn wir es auf die Bank bringen und somit auf Reisen schicken. Dem Zuschauer wird der Finanzkreislauf erläutert und erklärt, warum teilweise aussichtslose Investitionen doch Sinn machen - zumindest aus dem Blickwinkel der Anleger. Let's Make Money aber erklärt nicht nur, sondern klärt auch auf. Niemand kann den Kinosaal verlassen und behaupten, nicht zu wissen, wie deutsche Firmen im kostengünstigeren Ausland produzieren.

Keiner kann sich ohne schlechtes Gewissen auf die Seite der Investoren und Bauunternehmer stellen, die Natur bewusst zerstören, um den Profit zu erhöhen. Der Film ist sozialkritisch und behauptet auch gar nicht erst es nicht zu sein, oder die Ausbeutung von Menschen, Umwelt und Ressourcen nicht als verwerflich darzustellen. Sein Anspruch ist vielmehr, den Zuschauer wach zu rütteln und ihm die Ungerechtigkeiten des Neoliberalismus aufzuzeigen. Zunehmender Kapitalismus zerstört in diesem Fall tatsächlich Humanismus. Ein ganz bewegender, eindrucksvoller Film, der aufgrund der aktuellen Bauchlandung der Finanzbranche nicht nur topaktuell ist, sondern dessen Bilder und Erkenntnisse auch bleiben werden.

Florian Jetzlsperger

© Delphi

Let's make money

Österreich 2008

Delphi Filmverleih

Regie: Erwin Wagenhofer

Kinostart: 30. Oktober 2008

Serie: 21 Fragen

Menschen des 21. Jahrhunderts:
Hans Weingartner, der Minimalist

21 Fragen an:

Von der Neurochirurgie zum Film. Geht nicht? Geht doch! Den 1970 geborenen Vorarlberger Hans Weingartner zog es nach seinem Studium der Physik und der Neurowissenschaften in Wien und Berlin an die KHM in Köln. 2001 legte Weingartner, der sowohl Drehbuchautor, Produzent und Regisseur ist, mit seinem Debütfilm "Das weisse Rauschen" vor und feierte seinen endgültigen Durchbruch 2004 mit seinem globalisierungskritischen Film "Die fetten Jahre sind vorbei". Mitte November 2007 lief Weingartners Film "Free Rainer" mit Moritz Bleibtreu in den deutschen Kinos.


Die Berufseinsteigerfrage

Wie komme ich auf den Radar von Headhuntern und anderen Arbeitgebern?

Die Berufseinsteigerfrage:

„Ich bin seit zwei Jahren als Chemiker bei einem großen Pharmaunternehmen in einer leitenden Position tätig. Ich suche eine neue Herausforderung in den nächsten zwei bis drei Jahren, möchte aber die potenziellen Arbeitgeber auf mich zukommen lassen und nicht selbst blindwütig Bewerbungen schreiben. Was halten Sie davon, sich über Fachbeiträge zu bestimmten Branchenthemen oder über die Teilnahme an Diskussionen eine gewisse öffentliche Reputation aufzubauen, die mich über das Internet leicht auffindbar machen? Oder, anders gefragt, wie bekomme ich am besten ein öffentliches Profil als Experte, um Headhunter und neue Arbeitgeber auf mich aufmerksam zu machen? Ich rede jetzt nicht von einem anbiederndem XING-Profil, sondern von etwas mit Klasse.“ Patrick S. (30), Frankfurt


Serie: Netzperlen

Diese Woche: People of Walmart

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Wenn man sich in den USA amüsieren will, geht man einfach in den Walmart. Warum es dieser Discounter hierzulande einfach nicht geschafft hat und nach nur wenigen Jahren wieder das Deutschlandgeschäft beendet hat - angesichts dieser Bilder kann man nur den Kopf schütteln. Wir würden sogar Eintritt za...


Serie: Studenten fragen Professoren

Wie viel Schlaf brauche ich eigentlich?

Studenten fragen Professoren: Alltagsfragen