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Fantasy & Horror

Legenden des Winters

Neve ist nachts im kanadischen Winter alleine unterwegs und bricht zusammen - kurz vor ihrem Kältetod findet Lauri sie und bringt sie in seine Hütte. Dort offenbart sich allmählich, dass die eiskalte Winternacht etwas mit Neve angestellt hat - und niemand weiß was. Es scheint ein dunkles Geheimnis der Vergangenheit zu sein, das mit den Rauhnächten zusammenhängt ...

Nachdem ihr Freund Gideon sie bei einem Streit geschlagen und verletzt hat, läuft die junge Neve raus in die dunkle Winternacht. Sie rennt, bis sie sich völlig verausgabt hat – und in einer hohen Schneewehe zusammenbricht. Zu ihrem Glück findet Lauri sie, der gerade in einer Waldhütte von Freunden den Jahreswechsel verbracht hat. Er kann sie gerade noch so retten! In den Tagen danach bleibt Neve bei ihm in der Hütte, den in der Siedlung hinter dem Wald wartet nur ihr gewalttätiger Freund auf sie. Zwischen ihr und Lauri entspinnen sich zarte Gefühle, die allerdings durch seltsame Entwicklungen torpediert werden: Denn Neve hat sich verändert. Draußen in der Wildnis, im schlimmsten Schneesturm, hört sie Stimmen und Musik. Die kanadische Kälte setzt ihr längst nicht mehr so zu, wie früher. Zuletzt scheint ihre körperliche Nähe zu Lauri diesen nach einer Weile an den Rand des Todes zu bringen …

Die Kritik

Das Buch beginnt mit einem ganz alltäglichen Streit zweier ehemals Liebenden, der zur Trennung führt. Der emotionale Prozess, bei dem sich Neve gedanklich von Gideon absondert und Lauri als ihrem Retter zuwendet, dauert sehr lang. Damit geht ihm der Unterhaltungswert verloren, weil es die Geduld des Lesers herausfordert. So manches Mal hat man auch den Eindruck, die Autorin erzählt zuviel und überlässt fast gar nichts der Imagination. So kann sich die Geschichte gefühlt nicht so gut entwickeln, weil sie festen Beschreibungen folgt und alles sehr festgeschrieben wirkt. Die Romantik ist aus meiner Sicht ziemlich platt, oftmals zerstört ein einzelner Satz eine ganze Szene. Ich muss aber zugeben: Außer Romeo und Julia finden sich sehr wenige Romanzen in meinem Bücherregal. Vielleicht wirkt es bei euch also ganz anders!

Erzählt wird aus der Perspektive von Lauri und dann mal wieder Neve. Beide sind eigentlich ganz gewöhnliche Menschen ohne besonderen oder magischen Hitnergrund. Bis Neve letztendlich eindeutig ihre Wintermacht erhält und man nicht mehr mit ihr rätselt, warum sie die Kälte nicht mehr spürt, dauert es sehr lang. Dann aber kommt es zu einem spannenden Twist, der endlich die magische Komponente in die Geschichte einführt. Diese kommt im weiteren Verlauf fast ein wenig zu kurz, weil die Romanze mit Lauri oder das potenzielle Scheitern davon immer wieder thematisiert werden.

Es kommt sogar der Punkt, an dem man der lieben Neve ein klein wenig die Leviten lesen mag. Denn sie hört  mitten in der Nacht plötzlich einen Gesang, dessen Melodie und Text sie in seinen Bann zieht. Wie schon einmal zuvor verlässt sie die schützende Wärme ohne Jacke und ohne Schuhe, um der Musik zu folgen (extrem unrealistisch). Eine kleine Wanderung später (wie konnte sie dann die Musik hören?) findet sie eine geheimnisvolle Höhle mit einer seltsamen Person darin. Doch Neve fragt nicht einmal, wer oder was sie ist, sondern lässt sich einfach umarmen – bis sie aufwacht, weil Lauri ihr eine kleine Backpfeife verpasst. Danach läuft sie wieder durch den Schnee und verliert (wieder!) die Orientierung. 

Ich applaudiere der Idee, die dahinter steckt (aus Spoilergründen kann ich sie leider nicht ausführen) und es freut mich außerordentlich, dass es mal wieder ein deutsches Fantasybuch durch die harten Pforten des Verlagswesens geschafft hat. Leider kann Das Frostmädchen bei der allgemeinen Fantasy-, beziehungsweise Phantastik-Konkurrenz noch nicht richtig mithalten. Umso größer dafür die Spannung, was die Autorin als nächstes präsentieren könnte!

Bettina Riedel (academicworld.net)

Stefanie Lasthaus. Das Frostmädchen.
Heyne Verlag. 12,99 Euro.




Die Berufseinsteigerfrage

Ist spezielle Frauenförderung eigentlich gerecht?

Die Berufseinsteigerfrage:

Stefan T. (27) aus Frankfurt am Main. schreibt uns: “Ich arbeite in einer Unternehmensberatung als Junior Berater. Mir und meinen männlichen Kollegen fällt deutlich auf, dass die weiblichen Beraterinnen von den Vorgesetzten klar bevorzugt werden. Neulich hat ein Partner dies offen damit begründet, dass es für die Firma viel schwieriger sei, Beraterinnen zu gewinnen und vor allem zu halten als männliche Berater und man von daher auch zu mehr Zugeständnissen bereit sei. Für die Kolleginnen gibt es beispielsweise spezielle Rhetorikschulungen, an denen Männer nicht teilnehmen dürfen. Ich finde dieses Vorgehen nicht in Ordnung. Meine Kollegen raten mir aber von einer Beschwerde ab, da ich sonst schnell als Mimose oder Querulant dastehen würde. Muss man als Mann eine solche Zurücksetzung einfach runterschlucken, weil Frauen es lange schwerer im Beruf hatten?"


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