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Meine Meinung - von Ulf D. Posé

Lebe Dein ganzes Leben

Oliver Mahnke hat es nicht leicht. Seine Abteilung schafft die vorgegebenen Ziele nicht. Es belastet ihn, jedoch lässt er sich davon zuhause nichts anmerken: „Ich kann Berufs- und Privatleben sehr gut voneinander trennen. Wenn ich die Bürotür zumache, dann lasse ich alles hinter mir“, ist seine Devise. Er ist überzeugt, Privatleben und Berufsleben muss man auseinander halten können. Oliver findet, dass sein wahres Leben sowieso nur privat stattfindet.

von Ulf D. Posé, dem Experten für Unternehmens- und Vertriebskultur auf www.academicworld.net

Über die Konkurrenz zwischen Beruf und Privatleben. Bild: David Niblack / imagebase.com

Diese Überzeugung teilen viele Menschen mit Oliver. Die Frage ist, ob solch eine Einstellung uns hilft oder schadet. Ich denke, sie schadet uns. Aber warum wohl? 

Nun, die Antwort ist einfach. Wie will man identisch mit sich leben, wenn das Privatleben in geordneten Bahnen verläuft, das Berufsleben jedoch nicht, oder umgekehrt? Ein Berufsleben soll mir auch Bereicherungen bieten, nicht nur mein Privatleben. Wenn ich das Gefühl habe, in meinem Berufsleben zu verkümmern, dann tue ich das irgendwann auch privat. Wer meint, er könne in eine wunderbare Privatwelt nach seinem Arbeitstag fliehen, der versucht eine Flucht, die in aller Regel misslingt, denn wenn ich mit meinem Berufsleben nichts rechtes anfangen kann, dann kann ich es auch irgendwann nicht mit meinem Privatleben. Erst wenn es mir gelingt, mein Privat- und Berufsleben in ein gemeinsames Lebenskonzept zu bringen, werde ich auch eine Person. Vornehmlich die Menschen, die in ihr Privatleben vor dem schrecklichen Berufsleben fliehen, unterliegen der Gefahr, zum sozialen Krüppel zu werden. Die Psychologie nennt diesen Zustand Desintegration.

Wir sollten also darüber nachdenken, wie wir es als Gesellschaft grundsätzlich mit der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben halten. Nicht nur Psychologen, auch Philosophen und Soziologen betrachten die Verträglichkeit von beruflicher und privater Welt mit kritischen Augen. Zu unterschiedlich sind diese beiden Welten, sagen sie. Tatsächlich haben Erfolg, Leistung und Anerkennung, die wir außerhalb des Beruflichen finden, nicht die gleiche Qualität wie Erfolg, Leistung und Anerkennung im Beruf. Für nicht wenige Menschen fühlen sich Beruf und Privates, Job und Familie, wie ein Gegensatz an. Dabei sollte es eine Symbiose sein – nicht nur gesellschaftlich, sondern auch im eigenen Leben.

Wer meint, sich entweder nur in seinem Privatleben oder nur in seinem Berufsleben verwirklichen zu können, der be- und verhindert  die gelungene Integration von Berufs und Privatleben in sein Lebenskonzept. Beides, Berufs- und Privatleben sollten Zufriedenheit bringen. Ein Beruf soll nicht nur Lebenszeit kosten, sondern auch Leben spenden.

Wer sich im Beruf nicht ausreichend sozial und emotional entfalten kann, wird dies außerhalb des Berufs nicht ohne Weiteres nachholen können. Und diejenigen, die sich ins Private flüchten, leben nur ihr halbes Leben und werden zum sozialen Krüppel! Eine Flucht in eine schöne Privatwelt ist eine Flucht, die eher misslingt. Andererseits: Wer sich rein auf den Job konzentriert, der unterliegt ebenso der Gefahr, emotional zu verkümmern. Und wer im Beruf sozial und psychisch verkümmert, der tut dies auch irgendwann im Privaten. Kurzum: Wer Arbeit und Leben nicht in Einklang bringt, der fördert Angst, Aggression und Niedergeschlagenheit. Nur, woran erkenne ich, dass mein Privatleben mit meinem Berufsleben konkurriert? Ein sicheres Anzeichen ist zunächst einmal die Unfähigkeit, über seine Gefühle sprechen zu können. Nicht wenige Menschen meinen, Professionalität zeichne sich durch Gefühlskälte aus. Die Aussage: „Wir wollen doch professionell sein!“, meint meist nichts anderes als: „Lass die Gefühle außen vor!“ So nimmt es nicht Wunder, dass immer mehr Managerinnen und Manager unter der Krankheit Alexithymie leiden. Das Wort stammt aus dem Griechischen, und heißt so viel wie „Stummheit der Seele“. Ich kenne nicht wenige Menschen, die sich mittlerweile nur noch von einem traurigen Film anrühren lassen, das Leben aber rührt sie nicht mehr. Ein weiteres Merkmal ist der Gedanke, nur derjenige, der etwas leistet, sei wertvoll. Auch gibt es Menschen, die außerhalb ihres Berufs nur noch Langeweile empfinden. Sie machen nicht mehr ausreichend Urlaub, können nicht mehr abschalten und werden von ihren Sorgen verfolgt.

Aber auch das Gegenteil kann der Fall sein: Viele Menschen denken, man könne seine Persönlichkeit nur in seinem Privatleben entfalten, nicht aber im Beruf. Sie empfinden Arbeit als lästig, als eine leidige Pflicht, deren man sich, so schnell es geht, entledigt. Das mag nicht selten eine Folge wenig ansprechender Arbeitsbedingungen sein, die Folgen aber sind dieselben.

All das sind Merkmale, die auf die Konkurrenz zwischen Berufs- und Privatleben hinweisen. Auf der Strecke bleibt der Mensch. Nur wenn es gelingt, Berufs- und Privatleben miteinander in Einklang zu bringen, den Sinn des Lebens nicht nur auf den beruflichen Erfolg zu reduzieren, kann man dieser fatalen Spaltung entrinnen. 

Was können wir tun, um die fatale Konkurrenz zwischen Beruf und Privatleben zu vermeiden? Für eine gelungene Balance zwischen Berufs- und Privatleben  kommt es darauf an, ob wir es schaffen,  zu begreifen, dass berufliche Anerkennung eine andere Qualität besitzt als die private Anerkennung. Und ob wir es hinbekommen, den Menschen in unserer Gesellschaft Voraussetzungen zu bieten, die eine Vereinbarkeit und Verträglichkeit von Berufs- und Privatleben gewährleisten. Das nämlich ist die Voraussetzung, damit wir die vielen Rollen unseres Lebens auch wahrnehmen können und Menschen nicht auf eine einzige Rolle reduzieren. Eine Rolle, die letzten Endes nur noch eine Maske sein kann.




Die Berufseinsteigerfrage

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Die Berufseinsteigerfrage, Bewerbung & Berufseinstieg:

Malte B. (26) aus Bonn schreibt uns: “Ich bin Ingenieur und arbeite in der Automobilindustrie. Bei aller Bescheidenheit bin ich meinen Traineekollegen fachlich weit überlegen. Ich habe bereits in den ersten Monaten technische Lösungsvorschläge erarbeitet, die direkt umgesetzt worden sind. Da bei uns Teamarbeit großgeschrieben wird, präsentieren wir unsere Arbeiten jedoch immer in der Gruppe. Da ich es unangenehm finde, im Mittelpunkt zu stehen, übernehmen die ‘Show-Typen’ die Präsentation meiner Arbeiten. Leider sammeln sie dann auch die Lorbeeren ein. Reicht nicht die fachliche Kompetenz, muss man auch ein ‘Show-Typ’ sein, um Karriere zu machen? Und wenn ja, wie wird man so?“


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Diese Woche: Notes of Berlin

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In Berlin kommt alles zusammen: Verrückt- und Verruchtheit, Offenheit und Spießertum, Liebe und Hass - im deutschen Mekka für Kreative und Individualisten gibt es viel zu entdecken. Was für skurrile, poetische oder humorvolle Zettelchen und Botschaften überall in der Stadt versteckt sind, zeigt uns ...


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