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TV/DVD/Game

Lagerfeuer im Wohnzimmer

Folkmusik, das Movement der 60er Jahre in den USA, brachte mit seinen Klängen die Illusion von idyllischen Lagerfeuern und dem Leben am Land in die Wohnzimmer der Großstädte. Dass es aber nicht ganz so einfach war, zeigt der Film „Inside Llewyn Davis“ – und bringt euch die Musik gleich mit.

Ein wilder Musiker mit nicht ganz seiner domestizierten Katze. © 2013 STUDIOCANAL/Alison Rosa
Ein wilder Musiker mit nicht ganz seiner domestizierten Katze. © 2013 STUDIOCANAL/Alison Rosa

Llewyn Davis (Oscar Isaac) ist Musiker. Doch er hat sich nicht den hippen Klängen des Greenwich Village im Jahr 1961 verschrieben, sondern vielmehr dem Folk. Damit steht er auf der Schattenseite des Ruhms und der Erfolg ist meilenweit entfernt. Tagsüber streift er durch das Greenwich Village, schreibt Songs und spielt seine eigene Musik. Die Nächte verbringt er auf den Couches seiner Bekannten und Freunde. Bei einem dieser Besuche entwischt ihm die Hauskatze, die er zwar wieder einfangen kann, aber nun mit sich herumtragen muss. 

Jean und Jim. Erstere schwanger, letzterer nicht zwangsläufig der Vater. © 2013 STUDIOCANAL/Alison Rosa
Jean und Jim. Erstere schwanger, letzterer nicht zwangsläufig der Vater. © 2013 STUDIOCANAL/Alison Rosa

Willkommen im Chaos

Zu allem Überfluss ist Jean schwanger. Sie ist eigentlich die Freundin von Jim (Justin Timberlake), die zusammen als Duo auftreten und bei denen Llewyn wiederholt übernachtet. Ob das Kind von ihm ist oder Jim, weiß niemand. Aber Jean möchte sowieso abtreiben. So kommt es, dass sich Llewyn bei einem entsprechenden Arzt einfindet. Der teilt ihm mit, dass eine Ex-Freundin vor zwei Jahren ihre Abtreibung abgebrochen hat und Llewyn also Vater ist.

Roadtrip! Leider erfolgslos, denn der Film-Produzent sagt ihm ab. Den echten produzenten von Lllewyn Davis macht das nichts aus. © 2013 STUDIOCANAL/Alison Rosa
Roadtrip! Leider erfolgslos, denn der Film-Produzent sagt ihm ab. Den echten produzenten von Lllewyn Davis macht das nichts aus. © 2013 STUDIOCANAL/Alison Rosa

Flucht a.k.a. Roadtrip

Ihm wird alles zu viel. Als sich sein Soloalbum auch noch schlecht verkauft, begibt er sich auf einen Roadtrip nach Chicago, wo er mit einem Produzenten sprechen möchte. Der gibt ihm eine Abfuhr und die Empfehlung, sich einen Partner zu suchen. Dass Llewyn schon einen hatte, der sich aber vor kurzem von einer Brücke gestürzt hat, erwähnt er an dieser Stelle nicht. Ohne Aussicht auf Erfolg kehrt er nach New York zurück, wo er eine Sängerin während ihres Auftrittes in seiner Bar beleidigt. Am Abend darauf wird er von deren Ehemann verprügelt.



Die Kritik

Ein Folkmusiker auf Wanderschaft mit einem Stubentiger auf dem Arm. Das Bild sagt viel über den Film: Er, der Musiker aus Überzeugung, will seine Integrität unbedingt wahren, sozusagen wild bleiben und sein Ding machen. Nun muss er sich um einen Kater kümmern, der das perfekte Sinnbild einer domestizierten und angepassten Art gehört. Wie es ausgeht? Bleibt irgendwie offen. Aus unserer Perspektive wissen wir ja, dass der Folk nicht zuletzt durch Bob Dylan (in der Schlussszene!) einen starken Aufwind erfahren wird. Das Schicksal des Protagonisten entzieht sich allerdings der Kenntnis des Zuschauers. Das ist etwas unbefriedigend und man fragt sich: „Und was soll das Ganze?“. Dass dies die zentrale Frage des Lebens ist, ist vermutlich nicht der größte Zufall. Eine Antwort findet sich allerdings auch hier nicht so leicht und so kommt es, dass der Film eine gewisse Portion Durchhaltevermögen fordert. Er plätschert vor sich hin und findet bis zum Ende keinen richtigen Höhepunkt.

Übrigens: Der heimliche Star des Films? Definitiv die Katze. Cat Content ist schließlich das neue „Sex sells“.

Bonus Deluxe

Der größte Bonus der DVD ist aber unbestreitbar die Aufzeichnung eines Live-Konzerts in der New York Town Hall, in dem die Musik des Films und die Songs „rund um diese Musik“ gespielt werden – beispielsweise Stücke von Legenden wie Woodie Guthrie („this land is your land“, …).

Es ist aber viel mehr als ‚nur‘ ein Konzert und daher so bemerkenswert: Es bringt den Zuschauern mit kurzen Interviews und viel guter Live Musik die richtige Stimmung für laue Sommerabende oder ruhige Sonntagnachmittage nach Hause. Das Zusammenspiel aus Interviews und Konzert ist perfekt getimt, denn die Sprechzeiten sind vergleichsweise kurz und stören den Musikgenuss nicht. Das Konzert selbst stellt damit nur einen Teil der Darbietung dar, denn in die Aufnahmen mischen sich Szenen aus den Proben im Hintergrund. Authentisch, echt, super gut gemacht. Einer der herausragendsten Künstler dieser Darbietung ist definitiv Chris Thile. Natürlich sind auch Marcus Mumford, die Punch Brothers, Dave Rawlings Machine und vor allem The Avett Brothers nicht zu verachten. Etwas schwach auf der Brust ist leider die Stimme von Joan Baez, die offenbar über die Jahre etwas gelitten hat. Insgesamt aber ein Konzert, das man sich öfters anhören muss, weil sich immer etwas Neues entdecken lässt.


Bettina Riedel (academicworld.net)

Inside Llewyn Davis & Another Day/ Another Time

Regie: Ethan und Joel Coen
Darsteller: Oscar Isaac, Carey Mulligan, Justin Timberlake, F. Murray Abraham
Im Handel: 10. April 2014

Im Verleih von Studiocanal




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