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Karriereperspektiven

Kunst trifft auf Business

Die University of Chicago Booth School of Business gehört weltweit zu den ersten Business Schools, die einen „Gastkünstler“ in ihr MBA-Programm einbeziehen. Bei dem Künstler handelt es sich um John Michael Schert, einen professionellen Ballett-Tänzer, Absolvent des renommierten American Ballet Theatre in New York. Wir trafen den Künstler zum Interview.

Hallo John, wie wurdest du auf das Programm der Chicago Booth School of Business aufmerksam?
Der Professor Harry Davis, der an der Business School Kreatives Management unterrichtet, war mir schon länger aus den Medien bekannt. Seit vielen Jahren doziert er über den Einfluss der Künste auf den Business-Bereich. Seine Arbeit wurde vielfach in der Öffentlichkeit gelobt. Im Jahr 2013 trafen wir uns ganz zufällig und kamen auf die Idee, einen Künstler an die Chicago Booth zu bringen. Ich denke, dass das Konzept schon seit längerer Zeit in Harry schlummerte, es aber erst nach unserem ersten Treffen konkret werden konnte. 

Was sind deine konkreten Aufgaben in der Chicago Booth School of Business?
Meine Rolle ist es, die Fähigkeiten und Verhaltensweisen, die gerade hauptsächlich als 'soft skills' bezeichnet werden, besser zu verstehen und auszubilden. Ich bin überzeugt, dass diese skills für die zukünftige Arbeitswelt immer wichtiger werden.

Und wie wird das dann in den Seminaren umgesetzt?
Ich unterrichte nicht direkt Tanz, aber die Kunstform des Ballet wird zum Beispiel als Metapher für kreative Prozesse vorgestellt. Ballett kann ein Mittel für jeden einzelnen MBA-Student sein, den kreativen Prozess zu erkennen, den er bereits praktiziert. Ich unterrichte außerdem Körpersprache-Workshops an der Chicago Booth sowie an der Chicago Law School. Ich bringe die Teilnehmer zum Bewegen, um ihnen zu zeigen, wie sie sich unbewusst körperlich präsentieren. Viele Studien zeigen, wie die  Körpersprache die zwischenmenschliche Kommunikation dominiert. Das bedeutet, dass der durchschnittliche Mensch sich kaum in dieser wichtigen Form der Kommunikation artikulieren kann und bisher wenig bis keine Übung darin hat, wie man mit seinem Körper kommunizieren kann. Ich versuche den Booth-Studenten und Mitarbeitern der Unternehmen, die ich berate, mehr Bewusstsein für  ihren Körper beizubringen und zu zeigen, wie man bewusst körperliche Entscheidungen treffen kann. 

Wo sehen Sie die Gemeinsamkeiten zwischen Business und Ballet?
Erfolg ist, wenn das Produkt ankommt – egal ob in der Kunst- oder Businessbranche. Wie viele Stücke werden verkauft - wie wird das Endergebnis monetär bewertet? Ebenso gilt für beide Branchen: Es zählen die Authentizität des Produkts, gute Teamarbeit bis zur Realisierung des Produkts sowie  weise Voraussicht und gute Planung. 

Haben Sie während Ihrer Arbeit in Chicago Booth Freunde gewonnen?Ja, sehr viele sogar. Heather M. Caruso, Mitglied der Fakultät, zum Beispiel: Wir fordern uns ständig heraus und diskutieren über die wissenschaftlichen Methoden kreativer Prozesse. Damit ich immer noch mit der Kunstwelt in Kontakt stehe, treffe ich mich oft im Soho House Chicago mit den aufregendsten Künstlern der Stadt. So kann ich die Entwicklung von Chicagos Kunstszene mit verfolgen und besser verstehen. Zu meinen Freunden zählen beispielsweise Paul Octavious, Joey Stevenson und Garrett Anderson. Die wertvollste Freundschaft ist für mich allerdings die zu Harry Davis. Er ist mein größter Mentor. Ich lerne jeden Tag von ihm, zum Beispiel wie man weise Entscheidungen trifft und ein wahrer Pädagoge wird.  

In welchen Bereichen haben die Business-Studenten Sie inspiriert?Booth Studenten haben ein großes Gespür für analytische Lösungsverfahren. Sie fordern mich stets heraus ein Szenario aus mehreren Perspektiven zu beleuchten. Im Gegenzug möchte ich sie durch meinen künstlerischen Einfluss dazu anregen, die linke mit der rechten Seite des Gehirns zu kombinieren. Nur wenn wir die äußerlichen und  innerlichen Anforderungen an uns verbinden, können wir die Lösungen zu großen Weltproblemen komplett verstehen. 

Welcher war bisher dein inspirierendster und herausforderndster Moment?
Die herausforderndsten Momente waren am Anfang, als ich noch nicht verstand welchen Wert ich als  Künstler in das Booth Umfeld bringen könnte. Die Akademie kann eine einschüchternde Umgebung sein: Ideen und die Fähigkeit diese zu verwirklichen, sind hier die Währung. Ich musste sicher gehen, dass ich für meine Ideen auch akademische sowie persönliche Belege liefern kann - Eine Herausforderung, die ich jetzt auch an andere Künstler weitergebe. Die inspirierendsten Momente hatte ich während der Arbeit mit Professor Caruso. Er verstand, wie wichtig die Perspektive eines Künstlers für die Wissenschaft sein kann. 

Rückblickend, worauf haben Ihre Studenten am meisten Wert gelegt?Die Studenten wissen genau, wie ihr Karriereweg aussehen soll. Sie wissen allerdings nicht, wie sie ihre Wünsche darin einbauen sollen. Für mich zeigt es, dass sie hauptsächlich auf externe Informationen für ihre zukünftige Erfolge schauen und weniger auf ihre inneren Motivationen hören. Ich hoffe, dass ich Ihnen dabei helfen kann diese zwei Faktoren zu kombinieren.

John Michael arbeitet an der University of Chicago Booth School of Business als erster Gastkünstler und sozialer Entrepeneur. Ursprünglich stammt er aus Südgeorgien. Er lebt heute in Boise, der Hauptstadt des US-Bundesstaates Idaho. Über seine Arbeit hält er viele Vorträge in der der USA.

Hallo John, wie wurdest du auf das Programm der Chicago Booth School of Business aufmerksam?
Der Professor Harry Davis, der an der Business School Kreatives Management unterrichtet, war mir schon länger aus den Medien bekannt. Seit vielen Jahren doziert er über den Einfluss der Künste auf den Business-Bereich. Seine Arbeit wurde vielfach in der Öffentlichkeit gelobt. Im Jahr 2013 trafen wir uns ganz zufällig und kamen auf die Idee, einen Künstler an die Chicago Booth zu bringen. Ich denke, dass das Konzept schon seit längerer Zeit in Harry schlummerte, es aber erst nach unserem ersten Treffen konkret werden konnte. 

Was sind deine konkreten Aufgaben in der Chicago Booth School of Business?
Meine Rolle ist es, die Fähigkeiten und Verhaltensweisen, die gerade hauptsächlich als 'soft skills' bezeichnet werden, besser zu verstehen und auszubilden. Ich bin überzeugt, dass diese skills für die zukünftige Arbeitswelt immer wichtiger werden.

Und wie wird das dann in den Seminaren umgesetzt?
Ich unterrichte nicht direkt Tanz, aber die Kunstform des Ballet wird zum Beispiel als Metapher für kreative Prozesse vorgestellt. Ballett kann ein Mittel für jeden einzelnen MBA-Student sein, den kreativen Prozess zu erkennen, den er bereits praktiziert. Ich unterrichte außerdem Körpersprache-Workshops an der Chicago Booth sowie an der Chicago Law School. Ich bringe die Teilnehmer zum Bewegen, um ihnen zu zeigen, wie sie sich unbewusst körperlich präsentieren. Viele Studien zeigen, wie die  Körpersprache die zwischenmenschliche Kommunikation dominiert. Das bedeutet, dass der durchschnittliche Mensch sich kaum in dieser wichtigen Form der Kommunikation artikulieren kann und bisher wenig bis keine Übung darin hat, wie man mit seinem Körper kommunizieren kann. Ich versuche den Booth-Studenten und Mitarbeitern der Unternehmen, die ich berate, mehr Bewusstsein für  ihren Körper beizubringen und zu zeigen, wie man bewusst körperliche Entscheidungen treffen kann. 

Wo sehen Sie die Gemeinsamkeiten zwischen Business und Ballet?
Erfolg ist, wenn das Produkt ankommt – egal ob in der Kunst- oder Businessbranche. Wie viele Stücke werden verkauft - wie wird das Endergebnis monetär bewertet? Ebenso gilt für beide Branchen: Es zählen die Authentizität des Produkts, gute Teamarbeit bis zur Realisierung des Produkts sowie  weise Voraussicht und gute Planung. 

Haben Sie während Ihrer Arbeit in Chicago Booth Freunde gewonnen?Ja, sehr viele sogar. Heather M. Caruso, Mitglied der Fakultät, zum Beispiel: Wir fordern uns ständig heraus und diskutieren über die wissenschaftlichen Methoden kreativer Prozesse. Damit ich immer noch mit der Kunstwelt in Kontakt stehe, treffe ich mich oft im Soho House Chicago mit den aufregendsten Künstlern der Stadt. So kann ich die Entwicklung von Chicagos Kunstszene mit verfolgen und besser verstehen. Zu meinen Freunden zählen beispielsweise Paul Octavious, Joey Stevenson und Garrett Anderson. Die wertvollste Freundschaft ist für mich allerdings die zu Harry Davis. Er ist mein größter Mentor. Ich lerne jeden Tag von ihm, zum Beispiel wie man weise Entscheidungen trifft und ein wahrer Pädagoge wird.  

In welchen Bereichen haben die Business-Studenten Sie inspiriert?Booth Studenten haben ein großes Gespür für analytische Lösungsverfahren. Sie fordern mich stets heraus ein Szenario aus mehreren Perspektiven zu beleuchten. Im Gegenzug möchte ich sie durch meinen künstlerischen Einfluss dazu anregen, die linke mit der rechten Seite des Gehirns zu kombinieren. Nur wenn wir die äußerlichen und  innerlichen Anforderungen an uns verbinden, können wir die Lösungen zu großen Weltproblemen komplett verstehen. 

Welcher war bisher dein inspirierendster und herausforderndster Moment?
Die herausforderndsten Momente waren am Anfang, als ich noch nicht verstand welchen Wert ich als  Künstler in das Booth Umfeld bringen könnte. Die Akademie kann eine einschüchternde Umgebung sein: Ideen und die Fähigkeit diese zu verwirklichen, sind hier die Währung. Ich musste sicher gehen, dass ich für meine Ideen auch akademische sowie persönliche Belege liefern kann - Eine Herausforderung, die ich jetzt auch an andere Künstler weitergebe. Die inspirierendsten Momente hatte ich während der Arbeit mit Professor Caruso. Er verstand, wie wichtig die Perspektive eines Künstlers für die Wissenschaft sein kann. 

Rückblickend, worauf haben Ihre Studenten am meisten Wert gelegt?Die Studenten wissen genau, wie ihr Karriereweg aussehen soll. Sie wissen allerdings nicht, wie sie ihre Wünsche darin einbauen sollen. Für mich zeigt es, dass sie hauptsächlich auf externe Informationen für ihre zukünftige Erfolge schauen und weniger auf ihre inneren Motivationen hören. Ich hoffe, dass ich Ihnen dabei helfen kann diese zwei Faktoren zu kombinieren.

John Michael arbeitet an der University of Chicago Booth School of Business als erster Gastkünstler und sozialer Entrepeneur. Ursprünglich stammt er aus Südgeorgien. Er lebt heute in Boise, der Hauptstadt des US-Bundesstaates Idaho. Über seine Arbeit hält er viele Vorträge in der der USA.




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„Ich bin seit zwei Jahren als Chemiker bei einem großen Pharmaunternehmen in einer leitenden Position tätig. Ich suche eine neue Herausforderung in den nächsten zwei bis drei Jahren, möchte aber die potenziellen Arbeitgeber auf mich zukommen lassen und nicht selbst blindwütig Bewerbungen schreiben. Was halten Sie davon, sich über Fachbeiträge zu bestimmten Branchenthemen oder über die Teilnahme an Diskussionen eine gewisse öffentliche Reputation aufzubauen, die mich über das Internet leicht auffindbar machen? Oder, anders gefragt, wie bekomme ich am besten ein öffentliches Profil als Experte, um Headhunter und neue Arbeitgeber auf mich aufmerksam zu machen? Ich rede jetzt nicht von einem anbiederndem XING-Profil, sondern von etwas mit Klasse.“ Patrick S. (30), Frankfurt


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