Drucken
Thriller

Kriegszitterer als Selbstmörder?

Wien nach dem Ersten Weltkrieg: Die Polizei hat alle Hände voll zu tun, denn die Armut und das Elend begünstigen die Kriminalität. Ganz zu schweigen von den zurückgekehrten Soldaten, die reihenweise zum Selbstmord neigen. So auch Dietrich Jost, dessen Leiche im Wald gefunden wurde?

August Emmerich ist kürzlich aus dem Krieg zurückgekehrt und arbeitet als Rayoninspektor in Wien. Sein Ziel ist es, trotz Kriegsverletzung in die Abteilung "Leib und Leben" aufgenommen zu werden - denn er will Mörder fassen. Die besten Fälle wandern aber in genau diese Abteilung ab. Da kommt es gar nicht so ungeschickt, dass die Leiche eines Mannes gefunden wurde, der als Kriegszitterer bekannt war. Sein unkontrollierbares Zucken macht es aus Emmerichs Sicht sehr unwahrscheinlich, dass er wirklich Selbstmorg begangen haben soll.

Er beginnt zu ermitteln, ziemlich genervt von seinem jungen Kollegen Winter, der nicht im Krieg war, es mit Leichen sowieso nicht so hat und sehr unerfahren ist. Schnell stoßen die beiden auf Harald Zeiner, der Jost näher gekannt haben soll. Er ist als männliche Prostituierte tättig und verschwindet nach dem ersten Gespräch mit der Polizei mit einer tödlichen Kopfwunde auf den Boden der Donau. Jetzt ist Emmerichs Neugier und Misstrauen erst recht geweckt - und bringt sich und Winter damit in das Visier eines ganz anderen Jägers, der Emmerich sogar als Täter ins Spiel bringt ...

Die Kritik


Es ist ein ganz klassischer Krimi: Zwei ungleiche Ermittler, einer unschuldig, einer ein erfahrener Haudegen. Das vorliegende Verbrechen ist nicht total abgefahren, sondern einfach unübersichtlich, das Motiv liegt im Dunkeln - kurzum: Es ergibt einfach keinen Sinn. Das weckt nicht nur bei der Hauptperson, sondern auch im Leser die Neugier, worum es bei dem Delikt wirklich geht. Damit entspricht das Buch nicht dem gegenwärtigen Trend, dass alles immer super psycho sein muss - jeder Fall muss brutaler sein als der vorhergehende. Insofern ist das Setting eine absolute Wohltat und der Fall in seiner Einfachheit absolut elektrisierend.

Der Hintergrund der Geschichte spielt ausschließlich in Wien, ganz kurz nach dem Ersten Weltkrieg. Das ist eine sehr spannende Zeit, denn oftmals wird vergessen, dass das offizielle Ende eines Krieges noch lange nicht zu einem Ende in den Köpfen führt. Die Konsequenzen dauern noch wesentlich länger und wirken sich nicht nur auf die allgemeine wirtschaftliche Situation eines Landes aus, sondern natürlich auch auf der Mikro-Ebene. In Zeiten der Konflikte in Syrien und der Flüchtlingsthematik ist das ein ganz wesentlicher Punkt, den so mancher Wohlstandsbürger nicht auf dem Schirm haben dürfte.

In die Erzählung sind Dialekt und einschlägige Begriffe werden ganz nebenbei eingewebt und ergänzt eine spannende Story zu einer echt authentischen Erzählung, in der auch die damaligen gesellschaftlichen Umstände mit eingearbeitet werden. Final ergibt sich daraus ein vielschichtiger, äußerst interessanter Krimi, der mich sehr positiv überrascht hat. So lässt sich der Leser nicht nur charmant unterhalten lassen, sondern kann auch noch etwas dazulernen. Der Schreibstil ist gerade richtig - es liest sich nicht kompliziert, aber auch nicht zu simpel.

Da das Buch der Auftakt zu einer Reihe werden soll, wird die Fortsetzung definitiv mit größter Spannung erwartet! Absolute Leseempfehlung für alle Liebhaber eines klassischen Krimis.


Bettina Riedel (academicworld.net)


Alex Beer. Der zweite Reiter.

Limes Verlag. 19,99 Euro.




Die Berufseinsteigerfrage

Frage: Wie halte ich es mit der Frage nach dem Gehalt?

Bewerbung & Berufseinstieg, Die Berufseinsteigerfrage:

Hans Peter B. will's wissen: "Bei manchen Bewerbungen muss man eine Gehaltsvorstellung angeben, zuweilen wird man auch im Bewerbungsgespräch danach gefragt. Was soll man da sagen? Soll man sich nach irgendwelchen Gehaltstabellen orientieren? Und ist das Ganze verlässlich? Also: Wie halte ich es mit der Gehaltsfrage? "


Serie: Netzperlen

Diese Woche: Notes of Berlin

Netzperlen:

In Berlin kommt alles zusammen: Verrückt- und Verruchtheit, Offenheit und Spießertum, Liebe und Hass - im deutschen Mekka für Kreative und Individualisten gibt es viel zu entdecken. Was für skurrile, poetische oder humorvolle Zettelchen und Botschaften überall in der Stadt versteckt sind, zeigt uns ...


Serie: Studenten fragen Professoren

Warum sind Hühnerküken ausgerechnet gelb?

Studenten fragen Professoren: Alltagsfragen

Frage: Warum sind Hühnerküken ausgerechnet gelb?Antwort: "Auch für Hühnerküken gilt: 'der Apfel fällt nicht weit vom Stamm'. Sowohl in morphologischen Eigenschaften, wie der Gefiederfarbe, aber auch in Merkmalen der Physiologie und des Verhaltens ähneln die Küken genetisch ihren Eltern. Das flauschigegelbe Küken ist dabei nur ein Beispiel, wie der Kükenflaum kurz nach dem Schlupf gefärbt sein kann. Aus gelben Küken entstehen zumeist weiße Hennen und Hähne. Oftmals ist bei den Küken aber auch eine spezielle Jungtierfärbung zu erkennen, die mit der ersten Mauser verschwindet. Über die Entstehung der Gefiederfarben herrscht keineswegs Einigkeit in der Wissenschaft.So finden sich in einigen Handbüchern Äußerungen darüber, dass die gelbliche Färbung der sogenannten Erstlingsdunen weißer Hü...