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Populäres Sachbuch

Königin der Diven?

Unbestreitbar zählt Sophia Loren zu den absoluten Größen der Kinofilmindustrie. Im Weltkrieg aufgewachsen legt sie in der Nachkriegszeit eine unglaubliche Karriere hin. Jetzt erschien ihre Biografie - "Mein Leben".

Als uneheliche Tochter geboren zu werden, ist heute kaum der Rede wert. Damals, kurz vor dem zweiten Weltkrieg, war es ein echtes Drama. Vor allem, wenn der Vater teils adliger Herkunft ist und gezwungen werden muss, die Vaterschaft anzuerkennen. Das sind die Nachteile, die Sophia Loren bereits im Weg stehen, bevor sie geboren wurde. Besser wird es erst einmal nicht. Der Krieg raubt die Lebensgrundlage, jeder muss sehen, wie er über die Runden kommt.

Ihre Mutter ist es, die sie zu den ersten Schritten überredet, die letztendlich zu einer der größten Karrieren führen, die das Showbiz kennenlernen durfte. Sie entspricht nicht dem gängigen Schönheitsideal, hat einen gewissen Dialekt und ist etwas schüchtern. Trotzdem bekommt sie ihre Chance und vor der Kamera zeigt die Loren, was sie kann: Fotoromane ;) Wer also glaubt, die Bilderstrecken kamen erst mit der Bravo, könnte sich nicht gründlicher täuschen. Auch damals schlugen Herzen höher, wenn ein fescher Mann ins Bild kam und die Frau sich schmachtend an ihn schmiegte. Ertappt! Könnt ihr gleich mal euren Großeltern erzählen.

Die Kritik

Das Leben der Loren muss ein absolut faszinierendes gewesen sein. Leider komtm das so nicht so recht rüber. Man stelle sich vor: Eine Frau macht in einer Zeit Karriere, in der ihr Ehemann ihr das Arbeiten gehen noch per Gesetz verbieten darf. In der so ziemlich alle Frauen an den Herd gebunden waren und die Politik gegen alles war, wofür sie stand. Das kann nicht einfach gewesen sein.
Geschrieben ist das Buch aber aus der Perspektive der heutigen Frauen. Für uns ist das alles selbstverständlich, damals war es das eben nicht. Ansatzweise findet man diese Themen, wenn sie über ihre zufällige (!) Heirat mit Carlo berichtet. Der war damals noch verheiratet und noch nicht geschieden. Durch ein kurioses Formular wurden sie im Ausland plötzlich verheiratet - und Carlo musste Italien hinter sich lassen, um einer Gefängnisstrafe zu entgehen. Das peppt das Buch ungemein auf und führt dem Leser vor Augen, wie das Leben damals lief.

In der Zwischenzeit erzählt die Loren sehr locker und unterhaltsam nicht nur von ihren Erfolgen. Die Anekdoten ergänzen die Geschichten rund um ihre Projekte und Erlebnisse perfekt. Beispielsweise, wenn niemand anderes als Cary Grant um ihre Hand anhält und dabei genau weiß, dass sie mit Carlo liiert ist. Die Loren erzählt dabei nicht einfach, sondern lässt dezenten Humor mit einfließen und macht ihren eigenen Willen deutlich: Ohne sich manchmal kraftvoll durchzusetzen, wäre auch sie nicht dorthin gelangt, wo sie hinkam.

Trotz des fehlenden Politikums eine Biographie, die vielen auch in der heutigen Welt eine Lehre sein kann, aber nicht muss. Damit ist sie das optimale Buch: Unterhaltsam, informativ und genau dann belehrend, wenn man es selbst möchte. Die Loren, Heldin der Vergangenheit mit einem festen Platz in der Moderne.

Bettina Riedel (academicworld.net)

Sophia Loren. Mein Leben.
Piper Verlag. 22,99 Euro.




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